Archiv der Kategorie Geschichte

Corona Lockdown Tagebuch

Wie sich Corona verbreitet - und wie es gestoppt werden kann (animiert).
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Wir leben in besonderen Zeiten – ein weltweite Pandemie unterbricht unser alltägliches Leben in einer Weise, die wir nicht gewohnt sind. Solche Disdruptionen sind aber (was viele Vergessen) durchaus normal: Noch meine Großeltern haben nicht nur die (viel schlimmere) Spanische Grippe, sondern auch eine Hyperinflation und zwei Weltkriege erlebt.

Ich schreibe hier meine Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken aus dieser Zeit (die ja durchaus auch spannend ist und lehrreich sein kann) als Tagebuch nieder. Als Erinnerung für mich (und vielleicht auch mal für meine Enkel). Und für jeden, der gern daran teilhaben möchte.

Ich spreche hier vereinfachend von “Corona-Virus”, auch wenn ich damit immer die aktuell relevante Unterart COVID-19 aka Coronavirus SARS-CoV-2 meine. Beachte: Es gibt andere Arten von Corona-Viren (die schon länger bekannt und teilweise erforscht sind). Manche Verschwörungstheoretiker benutzen das, um so beliebige Verschwörungen zu “beweisen”.

Gute Quellen:

Die Ergänzungen erfolgen immer hier oben – wer von Anfang an Lesen möchte, muss unten anfangen.

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Muff von 1.000 Jahren

Meinungsfreiheit und der Straftatbestand der Volksverhetzung – ein sehr aktueller juristischer Zielkonflikt. Da müssen Richter genau abwägen, welche Äußerungen von der Meinungsfreiheit gedeckt sind und welche getätigt werden, mit dem Ziel zu hetzen.

In der deutschen Justiz-Geschichte ist dieses vielfach am berühmten Tucholsky-Zitat:

Soldaten sind Mörder

Kurt Tucholsky (Glosse, 1931)

– vor allem im Zusammenhang mit einer gegen die Bundeswehr gerichteten Einstellung – in verschiedenen Gerichtsverfahren bis hin zum Bundesverfassungsgericht verhandelt worden. Dieses entschied zuletzt 1995 im Sinn einer verfassungskonformen Zulässigkeit der Zitatverwendung.

Einfach ist es immer dann, wenn eine Tatsache vorliegt. Denn reine Tatsachen wieder zu geben ist keine Volksverhetzung. Nun hat ein Richter des Gießener Verwaltungsgerichts über eine Äußerung der NPD (die ich hier nicht wiederholen möchte, die aber in den unten verlinkten Quellen nachzulesen ist) auf Wahlplakaten geurteilt, es handele sich um “eine empirisch zu beweisende Tatsache” und dazu historische Vergleiche und falsche Behauptungen über Kriminalitätsstatistiken (die in rechtsradikalen Kreisen verbreitet sind) herangezogen (und die ich vor einer Weile schon ausführlich- zumindest generell – widerlegt habe).

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Meine Heldin Carola Rackete

Robin Hood - Held meiner Jugend

Helden. Hatte ich es nie so mit. Obwohl, wenn ich so nachdenke, dann gab es in meinem Leben schon ein paar Menschen, die ich bewundert habe. In der Kindheit definitiv Robin Hood. Jesus auf jeden Fall. Später dann Mahatma Ghandi. Und Georg Elser. Und (vergleichsweise) erst “kürzlich” hinzugekommen: Chelsea Manning und Edward Snowden.

Was ich an ihnen bewunder(t)e: Sie haben sich für das eingesetzt, was sie (und ich) für Richtig hielten, sie haben nicht nur geredet, sondern etwas getan und sie haben dafür etwas riskiert. Manche ihr Leben, andere ihre Existenz.

Nun habe ich eine weitere Heldin. Carola Rackete .

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Endspiel: Kroatische Fahnenkunde

Republik Hrvatska

Kroatien (Republik Hrvatska) am Flughafen Rijeka

Ich bin kein Freund von Nationalismus und habe daher wenig mit Fahnen am Hut. Auch nicht zu internationalen sportlichen Ereignissen. Ich bin aber ein politischer Mensch mit geschichtlichem Interesse und lege schon einen gewissen Wert auf Präzision. Daher bezeichne ich sogenannte “deutsche Fans”, die anläßlich von (Sport-)Ereignissen mit der Reichskriegsflagge herumlaufen gern präzise als Faschisten.

Unser EU-Partner und Herrenfußballweltmeisterschafts-endspielteilnehmer Kroatien teilt mit Deutschland eine häßliche Vergangenheit: Das faschistische Ustascha-Regime war (Kriegs-)Partner des deutschen Nazi-Regimes und hat Minderheiten und missliebige Meinungen kaum weniger brutal unterdrückt, als ihre deutschen Freunde.

In Kroatien erlebt derzeit – wie auch in Deutschland und anderswo – ein aggressiver Nationalismus derzeit eine Renaissance (der – das ist mir wichtig, zu betonen – hier wie dort, nur von einer Minderheit forciert wird). Ich habe das selbst noch letzte Wochen in Kroatien beobachten und diskutieren können. Und in einem solchen Umfeld wie der Herren-Fiußball-WM kramen natürlich die unverbesserlichen Faschisten gern ihre Symbole & Devotionalien hervor, um sie zur Schau zu stellen und die Menschen daran zu gewöhnen.

Als ich heute auf Twitter einen Tread des kroatisch-stämmigen FR Journalisten Danijel Majic

Sympatische Selbstbeschreibung:

Danijel Majic

@DanijelMajic

Redakteur . Der grimmige FR-Reporter (Titanic). Kroate nur in Anführungszeichen (7Dnevno). Vaterlandsverräter und stolz darauf.

entdeckte, fand ich das einen guten Anlass, hier zur differenzierten Aufklärung beizutragen und er hat mir freundlicher Weise gleich erlaubt, seine Infos zu übernehmen. Darum:  Kleine Fahnenkunde zu Kroatien.

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Polyerosy – korrekte Sprache & sexuelle Orientierung

Fundstück: Polyerosy - Polyamory

(Klick auf das Bild für eine größere Version)

Ich bin vor einiger Zeit “im Internet” über den rechts stehenden Beitrag gestolpert und finde ihn (immer wieder) absolut köstlich. Eine wunderschöne kompakte Satire zu einigen Themen, die gleich auf mehreren Ebenen funktioniert.

Zwar habe ich mir das Bild gleich irgendwo abgespeichert, doch wann immer ich es suche, finde ich es nicht (sofort). Und da es nur ein Bild ist, hilft Google auch (noch) nicht wirklich dabei, es schnell zu finden.

Deshalb will ich mir selbst (und vielleicht anderen) helfen, indem ich den Beitrag hier im Blog verewige. Zum einen als Bild, zum anderen als eine (abgeschriebene) Text-Version und – um ihn auch dem deutschen Sprachraum zu erschließen – als Übersetzung ins Deutsche.

Falls jemand Lust hat, ihn auch in andere Sprachen zu übersetzen – immer her damit!

Vorab ein Disclaimer: Der Text ist weder von mir, noch kann ich bestätigen, verbürgen, etc., dass dieses Gespräch tatsächlich so stattgefunden hat. Vielleicht hat es sich auch jemand einfach ausgedacht. Wer es auch immer dokumentiert / sich ausgedacht & aufgeschrieben hat: Danke dafür!

Hier nun zunächst die (freie) Übersetzung ins Deutsche:

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Hexenjagd

Arthur Mitter: HexenjagdZum Premiere hatte ich es vergeblich versucht, zur letzten Aufführung habe ich es vorgestern dann gerade noch geschafft: Arthur Miller “Hexenjagd” im Theater Moller Haus.

Fangen wir mit den schlechten Seiten des Abends an:

  • Leute, die nur ins Theater gehen, weil sie Bekannte der Leute sind, die auf der Bühne stehen und das ausreichend laut kundtun, können dem künstlerischen Anspruch und dem Stück ernsthaften Schaden zufügen. Leute: Wenn ihr schon Kulturbanausen seid, tut uns einen Gefallen: Haltet das Maul. Ein Theaterstück ist kein DSDS.
  • Zuschauer, die auch nach der Pause ihre unglaublich bedeutenden Gespräche noch unbedingt minutenlang fortsetzen müssen, obwohl auf der Bühne das Stück längst weitergeht. Peinlich. Respektlos. Daneben.

Los ging das Stück für mich dann ebenfalls mit gemischten Gefühlen: In der ersten Szene des Stückes ist da dieser Darsteller in studentischer Alltagskleidung (dunkle Jeans, blaues, über die Hose getragenes Hemd). Bei einem Stück, dass im Jahr 1692 spielt. In einer christlichen Gemeinde. Und er spielt den Pfarrer. Stirnrunzeln bei mir. Ich beginne im Kopf einen Verriss zu formulieren.

Doch nach und nach wendet sich der Eindruck – nicht nur dadurch, dass er sich beim Verlassen des Hauses eine Weste überzieht. Denn er spielt die Rolle des ortsfremden Pfarrers, der mühsam um Einfluss und Akzeptanz (und Privilegien) ringt, immer überzeugender. Und die Kleidung der nach und nach hinzukommenden Personen ist so dezent zwischen Historie und Gegenwart gewählt, dass sich bei mir der Verdacht einstellt, dass es sich hier um einen absichtlichen Brückenschlag zwischen damals und heute handelt. Einer, der die Distanz, die aus offensichtlicher Kostümierung entspringen würde, überwinden soll, ohne das Stück in die Gegenwart zu transplantieren. Den Rest des Eintrags lesen. »

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Georg Büchner per Denkmal entsorgen?

Ludwig 4 in DarmstadtDer (Nicht-ganz-)Darmstädter (nicht-)Historiker S. Peter Brunner (Update 10.1.2016 – siehe seinen Kommentar) deckt in seinem Blog Neues aus Buechnerland einen Skandal auf: Für den hessischen Provinz-Dichter Ernst Elias Niebergall (1815 – 1843) gibt es in Darmstadt inzwischen drei Denkmäler. Für den weltweit geachteten und gespielten Literaten (und Revoluzzer) Georg Büchner dagegen kein einziges.

Soeben hat man in Darmstadt ein weiteres Denkmal für Niebergall enthüllt. Professor Thomas Duttenhöfer hat eine lebensgroße Plastik geschaffen, die wohl eher Datterich als Niebergall darstellt – es ist Darmstädter Allgemeingut, dass Niebergall als einigermaßen verkrachte Existenz selbst durchaus zu Recht in seiner Figur erkannt wird. […]

„Liebe Frooinde“, wie Datterich sagen würde, „en Momend emol“: von mir aus kann für Niebergall, dem bereits mit dem „Niebergall-Brunnen“ von 1930 und einer Datterich-„Installation“, die heute kein Brunnen mehr ist, gedacht wird, noch ein viertes und ein fünftes Denkmal aufgestellt werden […]  da halte ich es wie mit dem Fußballstadion – Mehrheiten wollen bedient werden. […]

Georg Büchners Gedenken überfordert dagegen wohl seine kleine Stadt.

Welch eine Überraschung! Da muss man dringend etwas gegen tun! Fordert Brunner:

[…] so lange nicht Georg Büchner auf dem schönsten Denkmal Darmstadts steht – so lange kann Georg Büchners Anerkennung nicht als gesichert gelten.

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Drama in drei Akten: Wenn der Döpfner in Darmstadt den Datterich…

1. Akt: Einführung & Vorspiel

 

Für alle werten LeserInnen, die außerhalb der Bundesligastadt Darmstadt zu Hause sind: Der “Datterich” ist eine Darmstädter Lokalposse von Ernst Elias Niebergall aus dem Jahr 1841 in südhessischer Mundart. Die Posse ist bis heute ein bedeutender Teil der Darmstädter Identität.

Das Stück ist die Geschichte des „genialen Schnorrers“ Datterich, eines entlassenen, versoffenen Finanzbeamten. Der „Datterich“ ist charakterisiert als der “typische” Darmstädter: Vorlaut, schlitzohrig, immer auf seinen Vorteil bedacht. Ein Kernsatz:

„Bezahle, wenn mer Geld hat, des is kah Kunst, aber bezahle, wenn mer kahns hat, des is e Kunst….“

(Quelle: Wikipedia)

Theaterprojekt: Schulden. Eine Befreiung!

Bild-Quelle: Theaterprojekt: »Schulden. Eine Befreiung!«

Für alle werten LeserInnen, die wenig über die Stadtgrenzen Darmstadts hinausschauen / hinausdenken: Mathias Oliver Christian Döpfner (* 15. Januar 1963 in Bonn) ist als Vorstandsvorsitzender des deutschen Medienunternehmens Axel Springer SE der Herausgeber einer Publikation, die seit einigen Jahren ständig und ausdauernd gegen “die Griechen” hetzt, weil die Oberschicht des Landes genau das getan hat, was der Datterich zu seinem Lebensmotto erhoben hat: Geld auszugeben, dass sie nicht haben. Die “BILD” genannte Publikation verfälscht zu diesem Zweck gern auch Tatsachen und verdreht Fakten und torpediert mit dem Aufbau und der Pflege von Vorurteilen die Völkerverständigung (hier: ein furchtbares Beispiel, wie sich die Bild-Hetze im Alltag n Deutschland auswirkt). Herr Döpfner verdient u.a. mit dieser Hetze jedes Jahr einige Millionen Euro.

Damit wären die Hauptpersonen des Dramas vorgestellt. Nun müssen sie noch zusammen kommen. Und das ging so:

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Wie verfassungstreu ist der (niedersächsische) Verfassungsschutz?

Spätestens seit der NSU Affäre ist das Handeln des Verfassungsschutzes in Deutschland ja leider ins Zwielicht geraten.  Der weihnachtliche Besuch in meiner Heimat hat mich auf einen weiteren Skandal aufmerksam gemacht, der damit verbunden ist, aber auch erinnerungen aus meiner eigenen Vergangenheit hervorruft. Das Göttinger Tageblatt hat im weihnachtlichen Jahresrückblick einen Nachdruck des folgenden Artikel aus dem April veröffentlicht:

Richter zweifelt wegen Verfassungsschutz am Rechtstaat
Reprint des Artikels vom März 2014 im GT

Die Geschichte hat es (warum auch immer) nicht in die (von mir gelesene) überregionale Presse geschafft, obwohl ich sie seh bemerkenswert finde. Der Artikel aus dem Tageblatt aus Gründen des Urheberrechtes hier nur als unlesbare Faksimile (alle Details im Original-Artikel sowie im Weser-Kurier, hier, hier, hier und hier).  Grob zusammengefasst:

Im malerischen Hann. Münden (in dem ich zur Schule gegangen bin) hat ein bundesweit bekannter und vorbestrafter Neo-Nazi namens “Michael von Dolsperg” (früher: Michael See) für den niedersächsischen Verfassungsschutz als Informant gearbeitet. Insoweit nichts Neues und Überraschendes. Interessant ist, was er mit unseren Steuergeldern und seiner Zeit anfing:

  • Er hat eine antisemitische Hetzschrift gegründet und bundesweit verbreitet
  • Er hat den Richter und Direktor des Amtsgerichts Hann. Münden, Wilfried Kraft, persönlich bedroht. Was von der Polizei immerhin für so gefährlich gehalten wurde, dass der Richter Polizeischutz gewährt bekam.

Es sei für seine Familie eine schlimme Zeit gewesen, sagt Wilfried Kraft heute:

„Zwei Tage lang stand vor unserem Haus ein Polizeibus, zwei Tage lang patrouillierten Polizisten mit Maschinenpistolen.“

Es ist kaum anzunehmen, dass der Verfassungsschutz davon nichts wusste – und trotzdem ist er weder eingeschritten, noch hat er sich später dafür entschuldigt, dass einer seiner Mitarbeiter einen slochen Anschlag auf das Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland verübt hat (nichts anderes ist die Einschüchterung eines Richters) und er mit Steuergeldern antisemitische Propaganda erst möglich gemacht hat. Im Gegenteil: Unmittelbar nach dem Auffliegen des NSU haben Mitarbeiter des “Verfassungsschutzes” die Akten des V-Mannes geschreddert. Keine dieser offensichtlich rechtswidrigen Aktionen des niedersächsischen Verfassungsschutzes hatte bisher dienst-rechtliche, disziplinarische oder gar politische Konsequenzen.

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11. September in Darmstadt – die Debatte tobt

Kunstaktion durmstädter Brandnamen - Luise Bostonian beschreibt die MethodeHeute jährt sich die Darmstädter Brandnacht zum 70sten Mal. Und in Darmstadt gibt es eine heiße Debatte über den richtigen Umgang damit. Sollte man an das Ereignis erinnern? Darf man der Opfer gedenken? Was lernen wir daraus?

Zentrum der Kontroverse ist die Kunstaktion Durmstädter Brandnamen, die das Leid der Opfer ent-tabuisieren (und zum Nachdenken über Gewalt und Krieg anregen) möchte, ohne die Verbrechen der Nazis zu verharmlosen. Dieser Ansatz hat zahlreiche Kritiken und Kritiker hervorgerufen. Nicht unwesentlich  bin ich daran mit meiner Rezension und (wichtiger!) meiner Kritik beteiligt.

Dafür habe ich vom Künstler eine gepfefferte Kritik erhalten, die meine Position jedoch falsch darstellt und auf Vorwürfe antwortet, die ich so gar nicht erhebe. Ein Verteidigungs-Reflex? Ich werde antworten (habe das aber bisher nicht geschafft).

 

Eingebettet (und kaum davon zu trennen) ist die Diskussion natürlich in die (bundesweite) Bomber-Harris Debatte – auch wenn es dabei nicht um das Leid geht, sondern um die Bewertung der Bomben auf deutsche Städte im Allgemeinen.

Julia Schramm püber Bomber Harris

In diesem Kontext ist wohl auch die Reaktion des AStA der TU Darmstadt zu sehen, der die Kunstaktion scharf angreift:

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