Archiv für April 2020

Corona Lockdown Tagebuch Teil 2

Wir leben in besonderen Zeiten: Die Corona-Pandemie unterbricht unser alltägliches Leben in einer Weise, die wir nicht gewohnt sind. Solche Disruptionen sind aber (was viele Vergessen) historisch durchaus normal: Noch meine Großeltern haben nicht nur die Spanische Grippe, eine Hyperinflation und zwei Weltkriege erlebt.

Ich schreibe hier meine Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken aus dieser Zeit als Tagebuch nieder. Als Erinnerung – für mich (und vielleicht auch mal für meine Enkel). Und jeden, der mitlesen möchte.

Ich schreibe vereinfachend von “Corona-Virus”, meine damit jedoch die Unterart COVID-19 aka Coronavirus SARS-CoV-2 meine. Beachte: Es gibt andere Arten von Corona-Viren, die schon länger bekannt und teilweise erforscht sind.

Gute Quellen:

Dieses ist der zweite Teil des Tagebuches, hier: Neueste Einträge stehen immer oben.

Weil diese Tagebuch zu groß wurde, um es mit der Blog-Software zu bearbeiten, mußte ich es in mehrere Teile aufteilen. Bisher existieren:

Dienstag, 26.5.2020

What is the universe trying to teach?

Meine Überlegungen zum Leiden unter Einsamkeit in der Corona-Krise und wie das langfristig zu vermeiden wäre: Einsamkeit kommt von Individualismus

Gedankensplitter:

Der FDP-Chef Lindner war neulich in Berlin im Restaurant essen. Am späteren Abend wurde er dann vor dem Lokal dabei fotografiert, wie er zum Abschied einen Kumpel umarmte – einen Unternehmer aus Sachsen, der im Nebenjob als Honorarkonsul für Weißrussland arbeitet. Dafür wurde er scharf kritisiert. Kritisiert wegen Corona!

Nicht, weil er den Honorarkonsul einer Diktatur umarmte. DAS scheint in Deutschland OK (für die FDP normal) zu sein.

Inspiriert durch eine Kolume auf Spiegel.de

Aus Fehlern lernen: Baptisten-Gemeinde – Gottesdienst-Besucher sangen und trugen keine Schutzmasken – Über 100 Covid-19-Infektionen in den Familien und der Gemeindevorsteher liegt im kritischen Zustand im Krankenhaus. Ich berichtete ja neulich bereits über den Fall – ich will ihn hier noch mal aufgreifen – nicht um zu schimpfen, sondern um zu analysieren, was da schief gelaufen ist. Dem oben verlinkten Bericht der Hessenschau ist zu entnehmen, dass zwar (angeblich) Abstand gewahrt wurde und Desinfektionsmittel vorhanden war – aber keine Masken getragen wurden (war nicht Vorschrift, wäre aber wohl klug gewesen) und gesungen wurde. Die Wirksamkeit von Gesichtsmasken habe ich ja ausführlich diskutiert – und es gibt in der Presse reichlich Hinweise, dass Gesang die Virus-tragenden Aerosole deutlich weiter transportiert als einfaches Sprechen und dass dann die normalen Abstände nicht ausreichen. Angaben zur Belüftung des Raumes und zur Dauer des Gottesdienstes habe ich nicht gefunden – aber aus diversen Quellen ist zu schließen, dass ein gute Belüftung das Risiko minimiert, es dagegen mit zunehmender Dauer einer Veranstaltung deutlich ansteigt (Gottesdienste und Fußballspiele als ein inzwischen etabliertes Muster für erfolgreiche Ansteckungen). Allerdings habe ich aber auch (aus unbedingt nicht vertrauenswürdiger Quelle 1 erfahren, dass zahlreiche Gottesdienstbesucher:innen nach dem Gottesdienst nah beieinander vor der Tür gestanden und geredet hätten. Falls das zutreffen sollte, ist natürlich jede Diskussion um Gesang und Masken im Gottesdienst überflüssig – ohne Abstand (und Masken) miteinander zu reden scheint, nach bisherigen Erkenntnisse, der sicherste Weg zu sein, den Virus zu übertragen. Wollen wir hoffen, dass niemand stirbt – da hätten die Teilnehmer:innen wohl schwer dran zu leiden. Zumal ja noch nicht bekannt zu sein scheint, wer der Super-Spreader war, der alle anderen infiziert hat.

Prag öffnet sich, doch der Tango-Tänzer und DJ Thómas Kohl wird (vorerst) seiner Leidenschaft fern bleiben. Hier seine Gründe: Why I am not going to a milonga anytime soon

Jörg Heléne gehörte von Anfang an zu den (sachlichen) Kritikern von harten Lockdown Maßnahmen:

Diese Rücksicht auf persönliche Lebenssituationen, die der Staat nicht in Verordnungen einbeziehen kann, hat zu Beginn der Krise eindeutig gefehlt. Und unter diesem Aspekt bleiben die harten Maßnahmen zu Beginn kritikwürdig. Wer das mit einem jetzt unbelegt postulierten „Präventionsparadoxon“ wegerklären will, macht es sich zu leicht.

Jörg Heléne
Kanada (New Brunswick) vs. USA (Maine)

Ich bin da anderer Meinung. Ein Gesetz kann individuelle Situationen nie abbilden, denn ein Gesetz muss allgemeingültig sein. Und mit den in Deutschland ergriffenen Maßnahmen wurde die Pandemie in den Griff bekommen – ob das in Deutschland auch anders möglich gewesen wäre – ist eine müßige, nicht nachzuweisende Frage. Aber es gibt kein starkt betroffenes Land, das den Virus ohne solche Maßnahmen in den Griff bekommen hätte. Wenn es aber darum geht, wie es weitergehen soll, würde ich diesen Ausführungen von Jörg zustimmen:

Den Virus kann man nicht wegzaubern, Menschen kann man nicht dauerhaft von ihren sozialen Kontakten trennen, also müssen wir mit einer geringen Anzahl Neuinfektionen jeden Tag leben. Je eher jeder das Unvermeidliche akzeptiert, desto weniger Schaden richten wir an. In diesem Rahmen sollten wir uns so normal wie möglich verhalten.

Es macht auch nicht viel Sinn, sich wieder mit Freunden zu treffen, aber dann krampfhaft 2 Meter Abstand halten. Das wird in der Praxis so oder so nicht auf Dauer funktionieren. Lieber sich an der Stelle etwas mehr Normalität gönnen, um die Dinge, die leicht auch über Monate hinweg durchzuhalten sind (z.B. diesen Abstand gegenüber Fremden halten), konsequenter umzusetzen. Das braucht Konzentration und Fokussiertheit. Beides kann man aber nur haben, wenn man auch Phasen der Entspannung hat. Und damit diese Phasen der Entspannung nicht unkontrolliert auftauchen, sollte man sie bei sich selbst dort zulassen, wo sie einem besonders wichtig sind. Wo das ist, kann aber nur jeder selbst für sich persönlich entscheiden.

Jörg Heléne
Wenn das Leben Kopf steht.

Ich würde aber hinzufügen: Das muss im Einklang mit einer engen Verfolgung von neuen Infektionsketten und einem lokalen Lockdown dort erfolgen, wo der Virus außer Kontrolle zu geraten droht. Da das nicht nur (im Zweifel anderen Interessen folgenden) Lokalfürsten überlassen werden darf, brauchen wir dort klare Regeln, die auch zwischen Einzelfällen und generellen Entwicklungen unterscheiden.

Russland & Corona: Es hätte Putins Jahr werden sollen – jetzt wackelt er. Ein Überblick über die Auswirkungen des Virus in der russischen Föderation.

Lockerungs-Count-Down 2: L2+6
Deutschland-weit ist die Zahl der getesteten Neuinfektionen weiter klar unter der von Dienstag vor einer Woche (was aber immer noch am langen Wochenende liegen kann). Zum ersten Mal kann ich jetzt auch die Werte für einzelne Bundesländer vergleichen. Einen signifikanten Anstieg kann ich höchstens in Niedersachsen, Saarland und Brandenburg erkennen – aber auch der läßt sich mit statistischen Schwankungen oder Einzelereignissen erklären und (noch) nicht als Tend bezeichnen. Wichtiger Hinweis von Jörg Heléne: “Die Zahlen [sind] mittlerweile so niedrig sind, dass auch kleinere lokale Ausbrüche die Statistiken überproportional versauen.”

Wochentag, Datum, bekannte Neuninfektionen lt.:SZRKI
Dienstag, 26.5.2020533432
Montag, 25.5.2020544289
Sonntag, 24.5.2020529431
Samstag, 23.5.2020 605638*
Freitag, 22.5.2020656460*
Donnerstag, 21.5.2020670745
Mittwoch, 20.5.2020709797
Dienstag, 19.5.2020681513
Montag, 18.5.2020713342
Sonntag, 17.5.2020726583
Samstag, 16.5.2020728620
Freitag, 15.5.2020790913
Donnerstag, 14.5.2020866933
Mittwoch, 13.5.2020903798
Dienstag, 12.5.2020912933
Montag, 11.5.2020909357
Sonntag, 10.5.2020958667
* Am 21.05.2020 wurden am RKI keine Daten aus Baden-Würtemberg empfangen, nachgeliefert am 23.5.
Bay
SZ
Bay
RKI
NRW
SZ
NRW
RKI
BaWü
SZ
BaWü
RKI
Nds
SZ
Nds
RKI
He
SZ
He
RKI
RLP
SZ
RLP
RKI
25.5.11113013397573554686234134
25.5.104120134756232600648156
24.5.1107414184575444575892208
23.5.13810814912966171*4910165142016
22.5.131951679877-1*555858822611
21.5.1331431701368760547457912626
20.5.17912716528110281508148115239
19.5.1641321761209934404046312730

*Am 21.05.2020 wurden am RKI keine Daten aus Baden-Würtemberg empfangen, nachgeliefert am 23.5.

B
SZ
B
RKI
S
SZ
S
RKI
HH
SZ
HH
RKI
Br
SZ
Br
RKI
SWH
SZ
SWH
RKI
T
SZ
T
RKI
26.5.26101453052295196
25.5.2651510535?901914
24.5.24231525353901927
23.5.3129192274527231812
22.5.34302312116768182122
21.5.364826351011712671936
20.5.33292517110986122110
19.5.2720238125813602210
Saar
SZ
Saar
RKI
SAH
SZ
SAH
RKI
HB
SZ
HB
RKI
M-V
SZ
M-V
RKI
26.5.3113420110
25.5.2320201320
24.5.-24321832-3
23.5.322023520
22.5.4153251841
21.5.1369281747
20.5.1451291943
19.5.4351176630

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  1. Auf Facebook (unzuverlässig!) hat jemand berichtet, dass in einer Leser:innendiskussion (unzuverlässig!) auf Focus.de (Boulevardmagazin mit entsprechender Leser:innenschaft) [↩zurück ↩]

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Corona-Wirren: Alles (noch) klar?

Pascal Morgan
Pascal Morgan

Gastbeitrag von Pascal Morgan

Es geht heiß her. Ich sehe sehr, sehr viele Timeline-Debatten auf unterschiedlichen Plattformen mit Pro vs. Contra, teils hitzig geführt, unglaublich polarisiert und unversöhnlich – und doch scheitern sie alle an einem: Dem Virus.

Es lässt sich nicht wegdiskutieren, nicht leugnen oder ignorieren. Da helfen keine “alternative Fakten”, keine Abwägungen zwischen “an dem Virus” oder “mit dem Virus” verstorben, keine relativierende Durchseuchungsprognosen oder schlichte Vergleiche mit etablierten saisonalen Grippewellen. Das Virus ist real. Es tötet direkt. Es tötet indirekt. Und es schafft Umstände, in denen Menschen sterben, indem es wertvolle medizinische Ressourcen bindet und andernorts entzieht.

Hierzu gibt es eine Vielzahl an Studien und wissenschaftlichen Ausarbeitungen – und wir sind erst am Anfang, alles zu begreifen und doch mit Hochdruck schon unterwegs, intensiv zu forschen und dagegen zu kämpfen. Und ja, wie in jeder Debatte gibt es “alternative” Wissenschaftler, marginale Positionen, laute politisierte Stimmen, die durch soziale Medien verzerrt große Aufmerksamkeit bekommen, Unsicherheit schüren, Verwirrung stiften, und letztlich durch Polarisierung an der sozialen Kohäsion rütteln.

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Corona Lockdown Tagebuch 15.4.-27.4.2020 (Teil 1c)

Zum Teil 2 des Tagebuches

Wie sich Corona verbreitet - und wie es gestoppt werden kann (animiert).
Klick für eine größere Ansicht

Wir leben in besonderen Zeiten – ein weltweite Pandemie unterbricht unser alltägliches Leben in einer Weise, die wir nicht gewohnt sind. Solche Disdruptionen sind aber (was viele Vergessen) durchaus normal: Noch meine Großeltern haben nicht nur die (viel schlimmere) Spanische Grippe, sondern auch eine Hyperinflation und zwei Weltkriege erlebt.

Ich schreibe hier meine Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken aus dieser Zeit (die ja durchaus auch spannend ist und lehrreich sein kann) als Tagebuch nieder. Als Erinnerung für mich (und vielleicht auch mal für meine Enkel). Und für jeden, der gern daran teilhaben möchte.

Ich spreche hier vereinfachend von “Corona-Virus”, auch wenn ich damit immer die aktuell relevante Unterart COVID-19 aka Coronavirus SARS-CoV-2 meine. Beachte: Es gibt andere Arten von Corona-Viren (die schon länger bekannt und teilweise erforscht sind). Manche Verschwörungstheoretiker benutzen das, um so beliebige Verschwörungen zu “beweisen”.

Gute Quellen:

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(K)ein Recht auf Gesundheit?

Umgang mit Eseln in Krisenzeiten

Immer wieder haben Stimmen aus meinem (weiteren) Umfeld und in den Medien letzten Tagen und Wochen argumentiert, dass die Beschränkung den Rechten zwecks Eindämmung des Corona-Virus die Freiheits- und Bürgerrechte, die uns das Grundgesetz garantiert, unzulässig einschränken – ja sogar zur vollständigen Abschaffung dieser Rechte führen könnten. Darunter auch Menschen, die ich schon lange aus ihrem Engagement für die Piratenpartei und / oder die Bürger- und Freiheitsrechte kenne und schätze. Aber auch von Menschen, denen diese Rechte bisher völlig egal und ein entsprechendes Engagement dafür nicht mal einen “Gefällt mir”-Klick beim Gesichtsbuch wert waren.

Und während ich bestimmten Politiker:innen (nicht allen!) durchaus zutraue, diese Rechte abschaffen – oder wenigstens stark einschränken – zu wollen, so kann ich das bisher nicht erkennen. Was mich jedoch (als Teilzeit-Verfassungs-Patriot) bewegt hat und tut, ist die Frage der Verfassungsmäßigkeit von bestimmten Maßnahmen.

Nun bin ich kein ausgebildeter Staatsrechtler, doch seit meinen Vorlesungen zum Thema damals an der Uni Konstanz habe ich viele Debatten und Verfassungsgerichtsentscheidungen mit Interesse verfolgt und bin mit dem Thema zumindest so vertraut, dass ich mir eine Meinung zutraue, die mir fundierter erscheint, als vieles, was ich derzeit auf Social Media Plattformen und in den Medien lese. Und zu ähnlichen Fragestellungen habe ich hier ja auch schon geschrieben (Hessentrojaner / Staatstrojaner, Platzverweise für Eintracht-Fans in Darmstadt).

Grundsätzlich ist die Freiheit der Person in Deutschland ein Grundrecht gemäß Art. 2 Abs. 2 Satz 2 und in Art. 104 Grundgesetz noch einmal explizit spezifiziert.

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Selbstgebastelter Hummus-Wrap

Hummus: Es gib viele Rezepte für Humus. Das hier ist mein bisheriges Lieblingsrezept. Außer Tahin und Kichererbsen sind jedoch alle Zutaten optional (aber ganz ohne wirds a weng fad).

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Playlist 1st Virtual Milonga Tango Armónico

1st Virtual Milonga Tango Armónico

Für meine erste virtuelle Milonga als TJ habe ich die Tandas noch kürzer gehalten als sonst: Auf rund 11 min als Maximum (sonst eher Richtung 15 min) abgezielt. Weil in der derzeitigen Situation eben viele nicht zur Musik tanzen können / mögen und deshalb der Unterhaltungs-Faktor (neben dem Schmacht-Faktor langer Tandas / Stücke) an Bedeutung gewinnt.

Außerdem habe ich noch mehr auf Stücke mit Energie-reicher Musik und abwechslungsreiche Stücke gesetzt als sonst. Aus dem gleichen Grund.

Ansonsten habe ich weitgehend auf bewährte Tandas zurück gegriffen, lediglich Rhiannon Giddens war komplett neu (Danke, Thomas), ich hatte aber den Eindruck, die funktionierte ganz ausgezeichnet.

Wie so eine virtuellen Milonga funktioniert, beschreibe ich hier: Tango in den Zeiten von Corona: Virtuelle Milongas mit Zoom.

Intro: Philip Glass – Metamorphosis

Mario Melfi – Mi Dolor
Mario Melfi – Petite Fleur
Mario Melfi y Marcel Verán – Remembranza

Cortina: Beatles – A Hard Day’s Night

Boris Kovac & Ladaaba Orchest – Beguine At The End
Boris Kovac -Begin-ing

Cortina: Beatles – All My Loving

Eleni Karaindrou – To Vals Tou Gamou
Stavros Lantsias – Waltz Of The Eyes
Yorgos Kazantzis – The Waltz of Utopia

Cortina: Beatles – All You Need Is Love

Rhiannon Giddens – I’m On My Way
Rhiannon Giddens – Wayfaring Stranger
Rhiannon Giddens – Moonlight

Cortina: Beatles – Being For The Benefit Of Mr. Kite!

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Tango in den Zeiten von Corona: Virtuelle Milongas mit Zoom

Virtuelle Milonga mit Zoom
Virtuelle Milonga mit Zoom

Home Office ist ja fine – ein Viertel (der Zeit) meines Lebens kann ich trotz der Corona Krise eigentlich ziemlich gut bewältigen. Das das beim Tango (einem anderen großen Teil meines Lebens) anders sein würde, war abzusehen, als es mit dem Lockdown ernster wurde. Und nicht nur für mich – Tango-Tänzer:innen, Lehrer:innen und Veranstalter:innen auf der ganzen Welt waren plötzlich nicht bloß von einem Hobby, sondern auch von ihren Kontakten, ihren Umarmungen und (nächtlichen) vertrauten Treffen abgeschnitten.

Die Tango Szene reagierte: Auf Gesichtsbuch enstanden binnen Stunden zwei Gruppen: “I’m not dancing tango so I did this instead” die dem Austausch in schwierigen Zeiten gewidment ist – und “virtual neolonga”. Bei virtual neolonga geht es darum, sich – statt irgendwo vor Ort gemeinsam zu einer Milonga zu treffen – virtuelle Milongas zu feiern: Ein DJ legt auf – jeder kann Zuhause zuhören, allein oder mit Parner tanzen, einen Wein trinken und chatten (“neolonga” steht dabei für eine Milonga mit Neo Tango Musik – also moderne Stücke aus allen Musikrichtungen, zu denen man Tango tanzen kann). Sicher gibt es noch mehr Gruppen, aber das sind die, die ich kenne – und so aktiv wie die sind, reicht mir das fast auch.

Für die Neo-Szene hat sich inzwischen http://tv.neotango.org/ als eine Plattform etabliert, auf der im Prinzip (fast) 24/7 Neo Musik läuft und auf der (fast?) jeden Abend etablierte DJs/DJanes Musik auflegen. Hier ist die Sound-Stream-Qualität aber zum Teil stark schwankend. Andere – wie El Cachivache – haben YouTube zum Streaming genutzt. Iwan Harlan spielt seine Elongas auf LiveSets.

Sie alle haben jedoch einen Nachteil: Letztlich ist es mehr oder weniger wie Radio (ggf. plus Chat).

Ich möchte (zusätzlich, nicht als Konkurrenz) eine Alternative vorstellen, auf die ich über die traditionelle Tango-Szene (Alexey & Usha TANGO) gestoßen bin und die ein deutliches Mehr an Verbindung ermöglichen: Virtuelle Milongas über Zoom.

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Corona Lockdown Tagebuch 1.4.-14.4.2020 (Teil 1b)

Dienstag, 14.4.2020

Steht da wirklich drin.. ich wollte es ja erst nicht glauben – Seite 16 (Link im Text)

Nochmal zur Ad-hoc Mitteilung der Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) (unabhängig davon, wie ich inhaltlich zu dem Text stehe): Nachdem ich mich oberflächlich in das Dokument eingelesen habe, muss ich feststellen: Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Wissenschaft zu tun. Da werden Wissenschaftler:innen aus zahlreichen (und zum Teil komplett irrelevanten) Wissenschaftsgebieten als Experten für ein Dokument herangezogen, dass (außer der herausgebenden Institution) nichts mit Wissenschaft gemein hat. Weder ist transparent, wie diese Meinungen (mehr sind es nicht) von den vielen Beteiligten zu einem Empfehlungs-Text zusammen gekommen sind, noch werden ggf. Dissenzen dargestellt oder dokumentiert. Darüber hinaus ist in keinster Weise nachvollziehbar, wie die Autoren zu den jeweiligen Schlussfolgerungen gekommen sind (der Kern wissenschaftlichen Arbeitens). Was dazu führt, dass niemand in die Verantwortung (oder Kritik) genommen werden kann, wenn eine Empfehlung sich als letztlich falsch oder schädlich heraus stellt. Es ist z.B. völlig intransparent, ob die Empfehlungen zur Schulöffnung aus der Feder des Theologe, des Virologen, des Materialprüfers oder des Wirtschaftlers (wie ich vermute) stammen. Das mag beabsichtigt sein – aber wissenschaftlich ist das nicht!

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Gastbeitrag: Hurra, ich lebe…

Gastbeitrag von Nina Marewski

Corona Diagnose

Als es mich am 15. März beim Zubereiten des Abendessens urplötzlich aus den Latschen kippte, wusste ich sofort, das ist kein grippaler Infekt. Schüttelfrost und extreme Schwäche, sowie Kopfschmerzen waren die ersten Anzeichen. Auf meiner Brust breitete sich ein Druck aus, als hätte man mir einen Sack Zement drauf gelegt. Die folgenden Tage versuchte ich vergeblich das Gesundheitsamt oder die 116117 zu erreichen – kein Durchkommen.

Als ich endlich jemanden erreichte, wurde ich abgewiesen, es würden nur Tests an systemrelevanten Berufen durchgeführt, ich solle einfach Zuhause bleiben und wenn es schlimmer würde, den Notruf wählen. Ein Arzt aus dem Bekanntenkreis bot mir an, einen Abstrich zu machen, den ich dann auf eigene Rechnung an ein Labor nach Hamburg schickte.

Ich schleppte mich durch die Tage, bekam Durchfall und Gliederschmerzen, war kaum in der Lage irgend etwas zu tun. Die erhöhte Temperatur blieb konstant bei 37,5 Grad.

Am Freitag, den 20. März erhielt ich das positive Testergebnis und das Virus zündete die nächste Stufe. Nachmittags setzte extremer Schüttelfrost ein, ich konnte mich nicht mehr rühren, lag unter 5 Decken, zitterte am ganzen Leib, der Puls raste und das Fieber stieg auf 39 Grad. Angst gesellte sich zu den körperlichen Symptomen – Was bedeutete der starke Druck auf der Brust, ist meine Lunge befallen? Rings um mich immer neue Corona Horrormeldungen in den Medien. Mit Paracetamol kam ich durch die Nacht. In der Nacht bekam ich Schweißausbrüche unbekannten Ausmasses, zweimal ein T-Shirt zum Auswringen, der Schweiß floss in Strömen von meinem Kopf, zwischen meinen Fingern, am ganzen Körper. Totale Erschöpfung am nächsten Morgen.

Literweise Wasser getrunken, keinen Hunger, es schmeckte nichts mehr außer Brot und Obst. Nehme 2000mg Vitamin C täglich. Pünktlich um 15 Uhr setzen erneut Schüttelfrost und Fieber ein, wieder zitterte ich unter vielen Decken, Ruhepuls von 110, ich lass mich ins Krankenhaus bringen.

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