Wir leben in besonderen Zeiten: Die Corona-Pandemie unterbricht unser alltägliches Leben in einer Weise, die wir nicht gewohnt sind. Solche Disruptionen sind aber (was viele Vergessen) historisch durchaus normal: Noch meine Großeltern haben nicht nur die Spanische Grippe, eine Hyperinflation und zwei Weltkriege erlebt.

Ich schreibe hier meine Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken aus dieser Zeit als Tagebuch nieder. Als Erinnerung – für mich (und vielleicht auch mal für meine Enkel). Und jeden, der mitlesen möchte.

Ich schreibe vereinfachend von “Corona-Virus”, meine damit jedoch die Unterart COVID-19 aka Coronavirus SARS-CoV-2 meine. Beachte: Es gibt andere Arten von Corona-Viren, die schon länger bekannt und teilweise erforscht sind.

Gute Quellen:

Dieses ist der zweite Teil des Tagebuches, hier: Neueste Einträge stehen immer oben.

Weil diese Tagebuch zu groß wurde, um es mit der Blog-Software zu bearbeiten, mußte ich es in mehrere Teile aufteilen. Bisher existieren:

Dienstag, 26.5.2020

What is the universe trying to teach?

Meine Überlegungen zum Leiden unter Einsamkeit in der Corona-Krise und wie das langfristig zu vermeiden wäre: Einsamkeit kommt von Individualismus

Gedankensplitter:

Der FDP-Chef Lindner war neulich in Berlin im Restaurant essen. Am späteren Abend wurde er dann vor dem Lokal dabei fotografiert, wie er zum Abschied einen Kumpel umarmte – einen Unternehmer aus Sachsen, der im Nebenjob als Honorarkonsul für Weißrussland arbeitet. Dafür wurde er scharf kritisiert. Kritisiert wegen Corona!

Nicht, weil er den Honorarkonsul einer Diktatur umarmte. DAS scheint in Deutschland OK (für die FDP normal) zu sein.

Inspiriert durch eine Kolume auf Spiegel.de

Aus Fehlern lernen: Baptisten-Gemeinde – Gottesdienst-Besucher sangen und trugen keine Schutzmasken – Über 100 Covid-19-Infektionen in den Familien und der Gemeindevorsteher liegt im kritischen Zustand im Krankenhaus. Ich berichtete ja neulich bereits über den Fall – ich will ihn hier noch mal aufgreifen – nicht um zu schimpfen, sondern um zu analysieren, was da schief gelaufen ist. Dem oben verlinkten Bericht der Hessenschau ist zu entnehmen, dass zwar (angeblich) Abstand gewahrt wurde und Desinfektionsmittel vorhanden war – aber keine Masken getragen wurden (war nicht Vorschrift, wäre aber wohl klug gewesen) und gesungen wurde. Die Wirksamkeit von Gesichtsmasken habe ich ja ausführlich diskutiert – und es gibt in der Presse reichlich Hinweise, dass Gesang die Virus-tragenden Aerosole deutlich weiter transportiert als einfaches Sprechen und dass dann die normalen Abstände nicht ausreichen. Angaben zur Belüftung des Raumes und zur Dauer des Gottesdienstes habe ich nicht gefunden – aber aus diversen Quellen ist zu schließen, dass ein gute Belüftung das Risiko minimiert, es dagegen mit zunehmender Dauer einer Veranstaltung deutlich ansteigt (Gottesdienste und Fußballspiele als ein inzwischen etabliertes Muster für erfolgreiche Ansteckungen). Allerdings habe ich aber auch (aus unbedingt nicht vertrauenswürdiger Quelle 1 erfahren, dass zahlreiche Gottesdienstbesucher:innen nach dem Gottesdienst nah beieinander vor der Tür gestanden und geredet hätten. Falls das zutreffen sollte, ist natürlich jede Diskussion um Gesang und Masken im Gottesdienst überflüssig – ohne Abstand (und Masken) miteinander zu reden scheint, nach bisherigen Erkenntnisse, der sicherste Weg zu sein, den Virus zu übertragen. Wollen wir hoffen, dass niemand stirbt – da hätten die Teilnehmer:innen wohl schwer dran zu leiden. Zumal ja noch nicht bekannt zu sein scheint, wer der Super-Spreader war, der alle anderen infiziert hat.

Prag öffnet sich, doch der Tango-Tänzer und DJ Thómas Kohl wird (vorerst) seiner Leidenschaft fern bleiben. Hier seine Gründe: Why I am not going to a milonga anytime soon

Jörg Heléne gehörte von Anfang an zu den (sachlichen) Kritikern von harten Lockdown Maßnahmen:

Diese Rücksicht auf persönliche Lebenssituationen, die der Staat nicht in Verordnungen einbeziehen kann, hat zu Beginn der Krise eindeutig gefehlt. Und unter diesem Aspekt bleiben die harten Maßnahmen zu Beginn kritikwürdig. Wer das mit einem jetzt unbelegt postulierten „Präventionsparadoxon“ wegerklären will, macht es sich zu leicht.

Jörg Heléne
Kanada (New Brunswick) vs. USA (Maine)

Ich bin da anderer Meinung. Ein Gesetz kann individuelle Situationen nie abbilden, denn ein Gesetz muss allgemeingültig sein. Und mit den in Deutschland ergriffenen Maßnahmen wurde die Pandemie in den Griff bekommen – ob das in Deutschland auch anders möglich gewesen wäre – ist eine müßige, nicht nachzuweisende Frage. Aber es gibt kein starkt betroffenes Land, das den Virus ohne solche Maßnahmen in den Griff bekommen hätte. Wenn es aber darum geht, wie es weitergehen soll, würde ich diesen Ausführungen von Jörg zustimmen:

Den Virus kann man nicht wegzaubern, Menschen kann man nicht dauerhaft von ihren sozialen Kontakten trennen, also müssen wir mit einer geringen Anzahl Neuinfektionen jeden Tag leben. Je eher jeder das Unvermeidliche akzeptiert, desto weniger Schaden richten wir an. In diesem Rahmen sollten wir uns so normal wie möglich verhalten.

Es macht auch nicht viel Sinn, sich wieder mit Freunden zu treffen, aber dann krampfhaft 2 Meter Abstand halten. Das wird in der Praxis so oder so nicht auf Dauer funktionieren. Lieber sich an der Stelle etwas mehr Normalität gönnen, um die Dinge, die leicht auch über Monate hinweg durchzuhalten sind (z.B. diesen Abstand gegenüber Fremden halten), konsequenter umzusetzen. Das braucht Konzentration und Fokussiertheit. Beides kann man aber nur haben, wenn man auch Phasen der Entspannung hat. Und damit diese Phasen der Entspannung nicht unkontrolliert auftauchen, sollte man sie bei sich selbst dort zulassen, wo sie einem besonders wichtig sind. Wo das ist, kann aber nur jeder selbst für sich persönlich entscheiden.

Jörg Heléne
Wenn das Leben Kopf steht.

Ich würde aber hinzufügen: Das muss im Einklang mit einer engen Verfolgung von neuen Infektionsketten und einem lokalen Lockdown dort erfolgen, wo der Virus außer Kontrolle zu geraten droht. Da das nicht nur (im Zweifel anderen Interessen folgenden) Lokalfürsten überlassen werden darf, brauchen wir dort klare Regeln, die auch zwischen Einzelfällen und generellen Entwicklungen unterscheiden.

Russland & Corona: Es hätte Putins Jahr werden sollen – jetzt wackelt er. Ein Überblick über die Auswirkungen des Virus in der russischen Föderation.

Lockerungs-Count-Down 2: L2+6
Deutschland-weit ist die Zahl der getesteten Neuinfektionen weiter klar unter der von Dienstag vor einer Woche (was aber immer noch am langen Wochenende liegen kann). Zum ersten Mal kann ich jetzt auch die Werte für einzelne Bundesländer vergleichen. Einen signifikanten Anstieg kann ich höchstens in Niedersachsen, Saarland und Brandenburg erkennen – aber auch der läßt sich mit statistischen Schwankungen oder Einzelereignissen erklären und (noch) nicht als Tend bezeichnen. Wichtiger Hinweis von Jörg Heléne: “Die Zahlen [sind] mittlerweile so niedrig sind, dass auch kleinere lokale Ausbrüche die Statistiken überproportional versauen.”

Wochentag, Datum, bekannte Neuninfektionen lt.:SZRKI
Dienstag, 26.5.2020533432
Montag, 25.5.2020544289
Sonntag, 24.5.2020529431
Samstag, 23.5.2020 605638*
Freitag, 22.5.2020656460*
Donnerstag, 21.5.2020670745
Mittwoch, 20.5.2020709797
Dienstag, 19.5.2020681513
Montag, 18.5.2020713342
Sonntag, 17.5.2020726583
Samstag, 16.5.2020728620
Freitag, 15.5.2020790913
Donnerstag, 14.5.2020866933
Mittwoch, 13.5.2020903798
Dienstag, 12.5.2020912933
Montag, 11.5.2020909357
Sonntag, 10.5.2020958667
* Am 21.05.2020 wurden am RKI keine Daten aus Baden-Würtemberg empfangen, nachgeliefert am 23.5.
Bay
SZ
Bay
RKI
NRW
SZ
NRW
RKI
BaWü
SZ
BaWü
RKI
Nds
SZ
Nds
RKI
He
SZ
He
RKI
RLP
SZ
RLP
RKI
25.5.11113013397573554686234134
25.5.104120134756232600648156
24.5.1107414184575444575892208
23.5.13810814912966171*4910165142016
22.5.131951679877-1*555858822611
21.5.1331431701368760547457912626
20.5.17912716528110281508148115239
19.5.1641321761209934404046312730

*Am 21.05.2020 wurden am RKI keine Daten aus Baden-Würtemberg empfangen, nachgeliefert am 23.5.

B
SZ
B
RKI
S
SZ
S
RKI
HH
SZ
HH
RKI
Br
SZ
Br
RKI
SWH
SZ
SWH
RKI
T
SZ
T
RKI
26.5.26101453052295196
25.5.2651510535?901914
24.5.24231525353901927
23.5.3129192274527231812
22.5.34302312116768182122
21.5.364826351011712671936
20.5.33292517110986122110
19.5.2720238125813602210
Saar
SZ
Saar
RKI
SAH
SZ
SAH
RKI
HB
SZ
HB
RKI
M-V
SZ
M-V
RKI
26.5.3113420110
25.5.2320201320
24.5.-24321832-3
23.5.322023520
22.5.4153251841
21.5.1369281747
20.5.1451291943
19.5.4351176630

Den Rest des Eintrags lesen. »
  1. Auf Facebook (unzuverlässig!) hat jemand berichtet, dass in einer Leser:innendiskussion (unzuverlässig!) auf Focus.de (Boulevardmagazin mit entsprechender Leser:innenschaft) [↩zurück ↩]

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