Archiv für Februar 2013

Mais-Rucola-Brotaufstrich

Mais-Rucola-Brotaufstrich

Mais-Rucola-Brotaufstrich

Heute habe ich (nachdem ich endlich wieder Besitzer eines Stab-Mixers bin) mich wieder an einem Brotaufstrich (Warum selbstgemachte Brotaufstriche?) versucht. Die Idee entstand aus Resten des letzten Wochenendes und ist so einfach wie genial:

 

Zutaten:

  • 1 Dose Mais
  • 30-40 g  frischen Rucola-Salat
  • Kräutersalz
  • Pfeffer
  • Optional: Limettensaft

 

Zubereitung:

Rucola waschen.

Mit dem Mais zusammen schütten und ab in den Mixer.

Wenn breiig, mit Kräutersalz und Pfeffer abschmecken.

Ich habe dann noch einen Schuss Limettensaft hinzu gegeben, er gibt dem Aufstrich einen interessanten säuerlichen Hauch. Am besten erst mit einer kleinen Menge probieren, ob euch das auch schmeckt.

Zubereitungszeit: Ca. 10 min.

Kosten: Ca. 2 Euro

 

Das Rezept kann gern wahlweise unter einer der folgenden CC-Lizenzen weiterverbreitet werden:

  • Nicht-kommerziell: Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC NC-SA 3.0)
  • Kommerziell: Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-SA 3.0)

 

Weitere Brotaufstrich-Rezepte:

Ei und Avocado Toast

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David Margaryan: Piano solo

David Margaryan

David Margaryan

Freitag, 1. März 2013

David Margaryan solo

Gewölbekeller unterm Jazzinstitut, 20:30 Uhr

Eintritt: 10 Euro / 8 Euro erm.

 

David Magaryan | piano

Der Kanadier mit armenischen Wurzeln hat sich seit einigen Jahren im Rhein-Main-Gebiet einen Namen gemacht, wo er in unterschiedlichsten Besetzungen zwischen Trio und Sextett auftritt. Kein Wunder, ist sein pianistisches Vermögen, klassisch ausgebildet in der Sowjetrepublik und weiterentwickelt bei einem Jazzstudium an der Hochschule von Montreal, doch von sprühender Brillanz.

Seine Improvisationen über eigene Stücke und bekannte Jazzstandards erklingen bei diesem Solokonzert in neuer Eleganz auf dem Steinway-Flügel des Jazzinstituts.

Mehr Information zum Künstler: www.davidmargaryan.com

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Bohemian Rhapsodie Discovery

Hier das Original:

 

 

Update 29.10.2016: Bohemian Rhapsodie (Wort für Wort) zusammengesetzt aus 260 Filmen:

 

Einige “Bands” haben sich bei ihren Covern an das Origainal-Video angelehnt:

Neuste Entdeckung:  Hayseed Dixie – Bohemian Rhapsody

 

 

Den Rest des Eintrags lesen. »

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Sibylle Berg: Sex II

Sibylle Berg: Sex II

Sibylle Berg: Sex II

Sibylle Berg hat einen Splatter-Roman geschrieben. Das steht nicht draußen drauf. Da steht “Sex II” drauf. Das ist irreführend. Deshalb warne ich euch hier.

Wenn ihr also (im Buchladen oder in der Bibliothek) ein Buch mit dem Titels “Sex II” seht, dann macht nicht den Fehler zu denken: “Oh, Sex ist doch eine der schönsten Sachen der Welt, das nehme ich mir mal mit.”  Wenn ihr dagegen auf Splatter-Filme steht, wo Blut und Gedärme spritzen, dann könnte dieses Buch etwas für euch sein. Doch nur vielleicht, denn neben der drastischen Schilderung von Verstümmelungen, Brutalität, grausamen Tötungen und anderen körperlichen Grausamkeiten enthält das Buch massiv depressives Gedankenmaterial. Wer auch nur 10% von dem glaubt, was er so liest, wird  mit diesem Buch zum Ergebnis kommen, dass die Menschheit (zumindest die der westlichen Zivilisation) zutiefst verkommen und des Überlebens unwert ist. Und dass die effektivste Art dazu beizutragen, der Selbstmord ist.

Und das meine ich nicht witzig. Ich habe mich durch dieses Buch gequält, um herauszufinden, was Frau Berg damit bezwecken will und ob es wenigstens am Ende eine Wendung, eine Aussage, einen irgendwie hervorhebenswerten Gedanken gibt. Gibt es nicht. Das Buch endet genauso depressiv, hoffnungslos und dunkel, wie es ab Seite 15 wurde (Spoiler bewusst gesetzt, damit niemand aus gleicher Neugierde drauf rein fällt) und dazwischen gibt es nur pervers-brutale Abgründe.

Es ist nicht so, dass Sibylle Berg nicht schreiben könnte. Im Gegenteil. Und an den zwei Stellen, an denen sie ihre Protagonistin mal aus der Lethargie heraus kurz zur Wut verirrt, kommen brillante Sätze zu Tage, bei denen das Wort zur Waffe wird. Jörg Fauser wäre stolz. Kurz.

Das Drama beginnt noch recht Unterhaltsam mit einer frustrierten Großstadt-Autorin, die vor allem an der Oberflächlichkeit und Scheinheiligkeit des eignen Lebens und dem ihrer “Freunde” verzweifelt. Als wenn das nicht schon genug her gäbe, lässt Frau Berg  ihr Alter-Ego eines Morgens mit der Fähigkeit erwachen, durch alle Mauern und in alle Köpfe in ihrer Umgebung zu schauen. Wobei “alle” nicht richtig ist. Natürlich sieht sie fortan nur noch die kaputtesten, fertigsten und perversesten Menschen. Dafür kennt sie sofort deren gesamte Geschichte, ihr Gedanken und sieht ihnen (bevorzugt) beim Sterben oder Töten zu.

Natürlich gab es all diese Dinge, die Sibylle Berg hier beschriebt. Irgendwo, irgendwann. Und wenn man lange und ausdauernd in den übelsten Boulevard-Blättern aus dem Hause Springer liest, dann wird man all die Scheiße, die Frau Berg hier zusammen trägt, auch finden. Aber man muss schon sehr suchen.

Wenn aber alle Menschen so wären wie beschrieben, würde sich die Bevölkerung der betroffenen Städte alle 24h ungefähr halbieren, so penetrant metzelt Sibylle Berg ihr Figuren nieder. Vermehrung dagegen fände kaum noch statt, da sich der titelgebende Sex weitgehend auf Onanie und unproduktive Sexpraktiken beschränkt. Insofern würde sich die von ihr verfluchte Stadtbevölkerung binnen Kurzem selbst ausrotten. Gute oder auch nur durchschnittliche Menschen sieht / durchschaut die namenlose Protagonistin dagegen (fast) nicht.

Zusammengefasst: Dieses Buch ist so negativ, dass es auch einen kommerziellen Misserfolg als Antwort verdient. Das wäre angemessen. “Amerika” von Sibylle Berg habe ich ja noch wirklich gemocht, aber nun werde ich einen großen Bogen um ihre Bücher machen. So etwas muss ich mir einfach nicht geben.

 

Sibylle Berg  (1989): Sex II, Reklam: Leibzig.

Meine Lesezeit: 6 Wochen

Bewertung:  0 (von 5)

 

Weitere Buchkritiken:

Buchkurzkritiken

Douglas Preston & Lincoln Child:  Title: The Wheel of Darkness

Electrifrying: Jeffery Deaver – The Burning Wire

Lee Child: Nothing to loose

 

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Schwerer Fahrrad-LKW Unfall

Gestern habe ich das Ergebnis eines schweren Fahrrad-LKW Unfalls gesehen. Was mit dem Radfahrer passiert ist, weiß ich nicht.

Fahrrad unter Laster

Fahrrad unter Laster (Klick für eine größere Version)

Fahrrad unterm LKW

Fahrrad unterm LKW 2 (Klick für eine größere Version)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich finde die Bilder (trotz Licht-bedingter Unschärfe) recht eindrucksvoll. Lieber Radfahrer: Passt auf euch auf. Liebe Autofahrer: Bitte denkt an uns Radfahrer. Ich habe schon oft ähnliche Situationen erlebt, in denen ich einfach “vergessen” wurde und nur mit Glück oder schneller Reaktion überlebte.

 

Update: Obwohl der Radfahrer “mehrere Meter mitgeschleift wurde”,  kam er mit nur leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Es hätte auch schlimmer enden können: “Da es zunächst geheißen hatte, der Radler sei unter dem Laster eingeklemmt, rückte auch die Feuerwehr mit schwerem Gerät an.”

Quelle: echo-online.de

Welch ein Horror, mehrere Meter mitgeschleift zu werden !

 

Siehe auch:

 

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Sitzenbleiben

Schluss mit Lustig: Sitzenbleiben wird abgeschafft

Schluss mit Lustig: Sitzenbleiben wird abgeschafft

Niedersachsen will das Sitzenbleiben in der Schule abschaffen. Warum? Wieso wird “Sitzenbleiben” negativ gesehen?

7 Gründe, warum Sitzenbleiben mehr schadet, als nützt:

1. Die Lehrer haben versagt, einem Schüler etwas beizubringen, der Schüler wird dafür bestraft.

2. Weil jemand in 2 Fächer schlecht ist, muss er alle Fächer wiederholen (und zwar komplett, egal wo/was  seine Schwächen sind)

3. In der Regel führt diese Strafe zu Demotivation, nicht zu Motivation. Die wenigsten “Sitzenbleiber” werden wirklich besser, was auch daran liegen kann:

4. Jemandem aus seinem sozialen Umfeld (der mühsam aufgebauten Klassengemeinschaft) zu reißen, kann im Einzelfall sinnvoll sein, ist in der Regel aber nachteilig (eine solche Prüfung erfolgt nicht). Sitzenbleiber bleiben in der neuen Klasse meist Außenseiter.

5. An ungünstigen Lernbedingungen zuhause: Lärm, Familienkonflikte, schlechter Arbeitsplatz, übermäßiger Leistungsdruck, eine Lern-feindliche Einstellung der Eltern, ect. wird nichts verändert, der Schüler wird aber dafür bestraft.

6. Methodische Mängel werden durch Wiederholen eines Jahres nicht beseitigt

7. Länger zurück liegende Versäumnisse (oft die Ursache) werden durch Wiederholen des letzten Jahres nicht beseitigt

 

Individuelle Förderung sieht anders aus. Zum Beispiel so (so ähnlich wird es bereits erfolgreich in Finnland praktiziert):

Lehrende werden an der Schule durch weitere Fachkräfte unterstützt, die eine (ganzheitliche) Entwicklung und Unterstützung aller Anlagen und Begabungen der Lernenden ermöglichen.

Hat ein Lernender ernsthafte Lernprobleme, wird versucht, diese mit einer beschränkten Zahl von zusätzlichen Stunden bei der Speziallehrkraft zu beheben. Ist dieses nicht erfolgreich, wird eine Spezialkonferenz einberufen. Dieser gehören neben dem / der SchülerIn  die   Klassenlehrkraft, ggf. eine Fachlehrkraft, die oben genannten  Fachkräfte  sowie die Schulleitung an. Diese sucht – gemeinsam mit dem  Lerndenden –  nach den Ursachen der Lernprobleme und entwirft einen  Plan, wie diese  gelöst werden sollen. Die Konferenz tagt einmal  monatlich. Eine Kooperation mit den Eltern ist dabei  erwünscht, aber  eine fehlende Unterstützung durch die Eltern darf auf  keinen Fall dazu  führen, dass die Schule den Lernenden im Stich läßt.  Ziel ist es,  gemeinsam einen Weg zu finden, entweder Lernprobleme zu  überwinden oder  Wege zu finden, trotz unüberwindlichen Lernhindernissen  einen  kontinuierlichen Lernfortschritt zu ermöglichen.

Die Wiederholung eines ganzen Schuljahres ist nur auf Antrag des Lernenden möglich.

————

 

Mehr zum Thema Bildung:

Hessisches Kinderförderungsgesetz – Verschlechterung der Kinderbetreuung durch CDU und FDP?

Hessische Bildungsmisere continues…

12 Thesen zu Unterricht, Schule und Studium

Kinder sind Feuer, die entfacht werden wollen!

Das Wettrudern, oder: warum deutsche Schüler gegen japanische Schüler verlieren mussten

Literaturliste Bildungspolitik (aktualisiert 31.1.2013)

Ausbildungsalternativen: Abi, Lehre, Studium, … (aktualisiert 22.4.2012)

Artikelsammlung Kindergarten / Krippe / Kita (aktualisiert 31.1.2013)

Linksammlung Rahmenbedingungen des Lernens (aktualisiert 18.2.2013)

Dreigliedriges Schulsystem – pro und contra (aktualisiert 1.2.2013)

Linksammlung Lehrerinnen & Lehrer

Internationale Vergleiche, Erfahrungen sowie Pisa & Co. (aktualisiert 06.2.2013)

Konfliktbewältigung an der Schule (aktualisiert 31.1.2013)

Infos rund um Anti-Pädagogik

Linksammlung: Schule und Integration (aktualisiert 30.1.2013)

Soziale Schranken zum / im Studium (aktualisiert 31.1.2013)

Linksammlung Bildungs(politik)konzepte (Erstellt 18.12.2011)

Innovative Methoden individueller schulischer Förderung (Erstellt 28.12.2012)

 

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about blank: noch bis 3. März

Ausschnitt aus 'Teile und Herrsche' von Gregor Gaida

Ausschnitt aus 'Teile und Herrsche' von Gregor Gaida

Heute habe ich endlich die Ausstellung “about blank” in der Kunsthalle in Darmstadt besucht. Keine große Ausstellung, länger als eine Stunde wird der Durchschnittskunstkonsument dort nicht zubringen. Dennoch eine sehenswerte Sache und wer sich inspirieren, anregen oder aufregen lassen will, sollte die Zeit und 4 Euro dafür vor dem 3. März investieren. Ist jedenfalls besser angelegt als das Geld, was ich zwei Tage vorher in “Die Hard 5” gesteckt habe.

Beim Schreiben meines letzten Blog-Artikels habe ich mich an ein schönes Motiv erinnert: Im Buch “War of the Flowers” von Tad Williams (dt: “Blumenkrieg”) haben Geschichten, die von Zwergen erzählt werden, eine besondere Eigenschaft: Sie haben in der Mitte ein Loch.

So verhält es sich auch mit den Kunstwerken, die in der Kunsthalle ausgestellt sind. In ihnen wird (auf sehr unterschiedliche Art) das Fehlen von etwas thematisiert. Das erzeugt beim Betrachter mal Spannung, mal Unruhe, manchmal erinnert es an etwas (ganz anderes), manchmal erzeugt es neue Ideen.

Ausschnitt aus den Feuerwerksarbeiten von Sandra Kranich

Ausschnitt aus den Feuerwerksarbeiten von Sandra Kranich

Mich hat die Ausstellung inspiriert – weit jenseits der im Handzettel “vorgegebenen” Interpretationen (von denen ich kein Freund bin, weil sie im Zweifel den Blick einseitig verengen – mein Tipp: Ansehen, dann lesen, dann wieder ansehen). Deshalb hier ein paar (ausschnitthafte) Foto-Impressionen, überwiegend ohne Kommentierung.  Das Schöne an 3D-Kunstwerken ist ja, das sie viele Seiten haben und auch der Abstand zum Objekt eine Rolle spielt. Deshalb sollten die Bilder hier neugierig machen – vollständig zeigen können sie die Objekte nicht.

Was leider von den Kuratoren nicht verraten wird: Wie die Auswahl der (und Beschränkung auf nur) vier KünstlerInnen zustande kam. Was hebt (zu diesem Thema) Magdalena Abakanowicz, Gregor Gaida, Sandra Kranich und Heike Weber aus der Masse anderer KünstlerInnen hervor? Warum wurden ihre Werke ausgewählt?

 

Ausschnitt aus "King A King B" von Gregor Gaida
Ausschnitt aus “King A King B” von Gregor Gaida

 

Eine (subjektive) Ansicht von Drummer II von Gregor Gaida

Eine (subjektive) Ansicht von Drummer II von Gregor Gaida – wobei ich hier nun beim besten Willen wirklich keinen Drummer sehe.

 

Dreifacher Blank: Das Loch in der Mitte
Höhepunkt der Ausstellung – dreifacher Blank: Das Loch in der Mitte – ein Raum ohne Inhalt, der gleichzeitig ein Loch im Haus ist – und zu dem weder Künstler noch Titel auffindbar sind.

 

 

Teil der Serie 'kilim' von Heike Weber
Teil der Serie ‘kilim’ von Heike Weber

 

Die Fotos wurden -mit freundlicher Genehmigung der Ausstellungsaufsicht – mit einer Handy-Kamera erstellt. Für bessere Aufnahmen empfehle ich den Katalog.

 

Siehe auch:

5. September bis 3. Oktober in Darmstadt: Anders sein – anders sehen

 

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Zero Dark Thirty – Zuschauer die auf Amerikaner starren

Szenebild aus "Zero Dark Thirty"

Szenebild aus "Zero Dark Thirty"

Ich habe diesen Film “Zero Dark Thirty” nicht gesehen. Ich hatte den Trailer im Kino gesehen – und gedacht: Man, sieht der Langweilig aus. Und: Wirkt wie ein Propaganda-Film der US-Regierung.

Jetzt, drei Filmkritiken später, die das Gegenteil behaupten, wundere ich mich, warum ich immer noch kein Interesse an diesem Film habe.

Es geht eigentlich nur um ein Versteckspiel. Ein Mann versteckt sich und der größte und mächtigstes Geheimdienst der Welt muss ihn suchen. Und setzt dabei Mittel ein, die nun, mit gängigen christlichen Überzeugungen nicht in Einklang zu bringen sind.

Und wenn sich etwas Gemeinsames aus diesen drei Kritiken herauslesen lässt, dann: “Zero Dark Thirty” zeigt die Folter ausführlich und unverfälscht. Und das er kein primitiver Propagandafilm sei.

Worin sie sich nicht einig sind, ist

a) ob der Film einen Versuch darstellt, Folter zu rechtfertigen (und sei es nur über den Erfolg, der der Methode recht gibt – sehr unchristlich)

b) ob der Film – neben der Folter – etwas Wichtiges darstellt, dass einen Kinobesuch rechtfertigen würde.

Die FAZ findet:

Ohne jedes erzählerische Ornament fragt er, was das ist, die ganze Wahrheit, wenn nur Bruchstücke von Informationen zur Verfügung stehen. Der Film ist sozusagen ein Film über sich selbst. Intelligent. Brillant.

Auch n-tv bewertet den Film, trotz Kritik, insgesamt freundlich:

Allerdings gelingt “Zero Dark Thirty”, den die Macher als Hybrid zwischen Dokumentation und Fiktion verstanden haben wollen, ein aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen der CIA. Der Geheimdienst kommt dabei nicht sehr gut weg, und das nicht nur, weil die Folter von Gefangenen permanent moralische Grenzen überschreitet. Offenbart werden auch eitle Machtkämpfe und das Gerangel um Zuständigkeiten, das die eigentlichen Ziele aus dem Blick geraten lässt.

Dagegen findet, die Süddeutsche Zeitung, das die Schwächen überwiegen:

“Zero Dark Thirty” ist ein Film mit viel zu vielen Längen und zu wenig Inspiration, und irgendwie muss man sagen: Die Kontroverse, die innere Debatte, die er einem aufzwingt, ist auf verquere Weise noch das Interessanteste an ihm. Jeder Film ist ein wenig mehr als das, was seine Schöpfer abgeliefert haben, wir spinnen ihn im Kopf weiter. Was wir denken und empfinden, ist Teil der Vorstellung – auch der innere Widerstreit oder der Protest, den er provoziert. Für seine eigene Haltung ist letztlich jeder selbst verantwortlich, auch als Zuschauer, egal, was auf der Leinwand zu sehen ist.

Auch diese Begründung weckt eigentlich mein Interesse an dem Film. Trotzdem bleibt mein Interesse schwach. Das liegt an einem Punkt, der in all den Kritiken nicht vorkommt: Auch wenn es berechtigt ist, zu fragen, was Verfolgung, Folter und Tötung mit den Menschen macht, die solche barbarischen Dinge geschehen lassen, anordnen, beobachten und durchführen – die Geschichte bleibt unvollständig, wenn sie diejenigen ausblendet, an denen solche Taten verübt werden. Quasi eine Geschichte mit einem Loch in der Mitte. Diese Loch wird vor allem dann ein schmerzhaftes Loch, wenn ich lese, dass es dem CIA vor allem darum gehe, die Verhöropfer zu “brechen” (die Ex CIA Beamten Michael Hayden, General a. D. und ehemaliger Direktor der CIA, John Rizzo, früherer höchster Jurist des Geheimdienstes, sowie Jose Rodriguez, ehemals Leiter des National Clandestine Service äußerten sich bei einer Veranstaltung des American Enterprise Institute zum Film “Zero Dark Thirty”).

Ich fordere ja nicht, dass das so ausführlich passiert, wie das Clint Eastwood (ausgerechnet Clint Eastwood!) mit Flags of Our Fathers und Letters from Iwo Jima tut. Aber eine Seite eine Konfliktes nur als Statisten zu behandeln, wird dem Thema nicht gerecht. Unklar ist natürlich auch, wie viele Opfer der CIA-Ermittelungen sich überhaupt zu einer Seite gezählt haben – manch einer mag zu unrecht verdächtigt oder nur zufällig in Kontakt mit Al-Quaida gekommen sein, als Lieferant oder Vermieter. Nie wurde ein rechtsstaatliches Urteil gefällt, nie hatten sie eine Chance  sich zu verteidigen. Selbst wenn sie wirklich nichts zu sagen hatten: Glauben konnte der CIA ihnen das nur, nachdem er sie zerstört hatte.

Insofern ist das ein Film, bei dem Zuschauer auf US-Amerikaner starren. Er sagt nichts über die Welt da draussen, sondern nur etwas über die Wirklichkeit in ihren Köpfen. Deshalb werde ich mir diesen Film nicht im Kino ansehen. Vielleicht schaue ich ihn über Videoload, wenn es als Video herauskommt. Und falls ich mich geirrt haben sollte, werde ich das hier natürlich korrigieren.

 

Update: US-Historikerin Karen Greenberg liefert (wieder  in der Süddeutschen Zeitung) eine detaillierte Analyse darüber, wie der Film dazu beiträgt, den Amerikanern zu lehren, die Folter zu lieben.Sie bestätigt meine Kritik.

 

Mehr Infos:  Bericht des WDR über den Film

 

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Akademie für Tonkunst: Abschiedskonzert Jürgen Wuchner

Jürgen Wuchner

2012 erhielt Jürgen Wuchner den Musikpreis der Stadt Darmstadt. Da war er schon viele Jahre als Kontrabasslehrer und Leiter diverser Jazzensembles an der Akademie für Tonkunst tätig (an der er früher selbst studiert hatte). Nachdem er nun – im Januar 2013 – das 65. Lebensjahr erreichte, wird er im Rahmen der Tage für Neue Musik mit einem Konzert aus den Diensten der Darmstädter Akademie verabschiedet, bei dem er zum einen selbst am Kontrabass mit den Kollegen Lutz Mandler und Thomas Bachmann zu hören ist, bei dem er zum anderen ein letztes Mal das Jazzensemble der Akademie für Tonkunst leiten wird.

I. Bachmann / Mandler / Wuchner: “Improvisorium III”

Lutz Mandler – Trompete, Alphorn, Didgeridoo und Schneckenhorn
Thomas Bachmann – Tenorsaxophon
Jürgen Wuchner – Kontrabass

“Improvisorium” ist ein Klanglabor, in dem die drei Musiker aus dem Vollen schöpfen: Jeder auf der Suche nach immer neuen Klangmöglichkeiten seines Instruments und alle gemeinsam mit dem Ziel der perfekten Synthese.

 

II. Jazzensemble der Akademie

u.a. mit Anne Heß, Piano; Holger Henning, E-Gitarre; Max Apel, Drums; Jan-Otto Heiland, Doublebass; Ole Heiland, Tuba. Leitung: Jürgen Wuchner

 

Außerhalb der Akademie wird Jürgen Wuchner aber weiterhin das Jazzleben Darmstadts befeuern, als Musiker genauso wie als Lehrer, in seiner eigenen Jazz & Pop School oder als künstlerischer Leiter des jährlichen Sommerworkshops “Jazz Conceptions” (in diesem Jahr vom 8. bis 13. Juli 2013).

 

Samstag, 16. Februar 2013
Großer Saal, Akademie für Tonkunst, 19:00 Uhr (!)
Eintritt: frei

Eine Veranstaltung der Akademie für Tonkunst Darmstadt

 


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Georg Büchner. Darmstädter Linksradikaler.

Georg BüchnerDas ständige Gedöns der Darmstädter Bildungsbürger mit der “Revolution” war mir ja schon immer reichlich suspekt. Insbesondere, weil ich den Eindruck habe, dass viele, die da ihren Georg Büchner hochhalten, sich in ihrem bildungsbürgerlich-kuturellen Wohlstandsgebilde sehr bequem eingerichtet haben und ihnen ein solcher Umsturz der Verhältnisse – sollte er denn tatsächlich kommen – so gar nicht gelegen käme.

Natürlich kann ich mich irren und vielleicht steckt hinter der bürgerlichen Fassade doch eine tiefliegende Unzufriedenheit und eine Sehnsucht nach einer anderen Welt. Immerhin stellen die Grünen in Darmstadt die größte Fraktion im Stadtrat und es gibt eine lange Tradition auch unkonventionelle Gruppen wie Uffbasse oder die Piraten mit Sitzen in dieses Gremium zu entsenden.

Andererseits: Das Motto des – von Büchner maßgeblich mit geprägten – Hessischen Landboten war die Parole „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“. Und wenn ich meinem – hier allerdings nur oberflächlichem Wissen (und der Wikipedia) trauen kann, dann gehörte Büchner eher zum radikaleren Flügel des Landboten.

So gesehen war Büchner ein Linksradikaler.

Würde er heute leben, wäre vielleicht nicht gerade die hessischen Landbevölkerung (der es dank üppiger EU Subventionen prächtig geht)  Grund für seinen revolutionären Eifer. Doch es gibt heute Millionen Menschen auf der Erde, denen es noch viel beschissener geht als den gemeinen Hessen zwischen 1831 und 1837. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Büchner angesichts solcher Zustände heute weniger radikal für deren Wohlergehen streiten würde. Und verglichen mit deren Hütten sind selbst die einfachen Eigenheime der Darmstädter Bildungsbürger fantastische Paläste. Und was mit den Palästen – nach Büchner – doch bitte passieren solle:  siehe oben.

So gesehen wäre Büchner wohl auch heute: Ein Linksradikaler.

Folglich wird es zu Georg Büchners 200. Geburtstag in Darmstadt eine offizielle Landesausstellung zu Leben und Werk eines Linksradikalen geben. Was nicht ohne Witz ist. Unter dem Titel Georg Büchner. Revolutionär mit Feder und Skalpell” wird vom 13. 10. 12013 bis zum 16. 2. 2014 im Darmstadtium eine multimediale Präsentation zu Leben und Werk des Dichters, Revolutionärs und Naturwissenschaftlers zu sehen sein. Unter der Schirmherrschaft des Bundeskulturministers Bernd Neumann und des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU).

Schon deshalb darf man gespannt auf die Ausstellung sein.

Der Anspruch der Ausstellungsmacher:

Ungefiltert und zugleich wie in einem Brennglas versammeln sich in Büchners Werk die Erfahrungen eines Lebens zwischen Unterdrückung und Freiheitshoffnung, zwischen spekulativer Philosophie und nüchterner Wissenschaftlichkeit, zwischen der Euphorie des Gipfelblicks und klaustrophobischer Angst. Georg Büchner war ein Meister des Wortes und der szenischen Gestaltung. Beides, Worte und szenische
Gestaltungen, aber auch werkzentrale Elemente wie das Lachen waren für Büchner Waffen: Formen der Notwendigkeit, der Notwehr und zugleich Mittel der Befreiung sowie der Freiheit. Diese Erkenntnis ist leitend für die Ausstellung – sie gilt für alle literarischen, politisch-agitatorischen und wissenschaftlichen Aktivitäten Büchners.

Die suggestive Ausstellungsinszenierung im Darmstadtium mit Originalmanuskripten, Multimedia-Installationen, zeithistorischen Objekten, Gemälden, Filmprojektionen und Hörstationen wird den Besucherinnen und Besuchern erlauben, sowohl räumlich als auch gedanklich in die Welt Büchners einzutauchen – und zugleich erstmals die faszinierende Möglichkeit eröffnen, einem der großen Schreibstrategen der Weltliteratur bei der Arbeit zuzuschauen. Dank einer eigens für die Ausstellung
konzipierten Medientechnik können Büchners Textmontagen und -collagen unmittelbar nachvollzogen werden und erschließen damit sein Werk auf gänzlich neue Weise. Der zeitliche Bogen der Schau spannt sich von der Leipziger Vielvölkerschlacht, an deren zweitem Tag Büchner geboren wird, bis zur Rezeption des Revolutionärs mit Feder und Skalpell in den Attac- und Occupy-Bewegungen unserer Tage.

Quelle: Pressemitteilung zur Ausstellung der Stadt Darmstadt (PDF, ab Seite 4)

Jan-Christoph Hauschild Georg Büchner: Verschwörung für die Freiheit

Jan-Christoph Hauschild „Georg Büchner: Verschwörung für die Freiheit”

Siehe auch:

Aufrührerische Büchner Zitate

CDU fördert Linksradikalen mit 840.000 €

Interview mit S. Peter Brunner zu Büchner 200

 

Wer sich nicht ausschließlich auf die Darstellung der Person Büchners durch das Institut Mathildenhöhe als Quelle verlassen will, kann sich vorab schon mal hier informieren:

 

VHS-Kurs „Georg Büchner & seine ZeitGenossen”, ab Mittwoch, 27. Februar 2013 (ff) im Prälat-Diehl-Haus, Ober-Ramstadt.  Ein Kurs über die Frage, was aus Georg Büchner hätte werden können. Mehr Infos geschwisterbuechner.de
Flyer dazu, Einzelheiten und Anmeldung direkt bei der Volkshochschule

 

Aufführung des Büchner-Films „Eine Deutsche Revolution” , Donnerstag, 16. Mai 2013 , Saalbau-Kino, Pfungstadt.

Deutschland 1982 unter der Regie von Helmut Herbst. Darsteller u.a.  Peter Becker, Bazon Brock, Marquard Bohm, Peter O. Chotjewitz. Nach dem Roman von Kasimir Edschmid. Film mit Rahmenprogramm, anlässlich des 200. Geburtstags von Georg Büchner. Saalbau Kino Pfungstadt

 

Katalog zur Ausstellung: “Georg Büchner : Revolutionär, Dichter, Wissenschaftler 1813 – 1837 ” (1987) Stroemfeld 1987. ISBN: 3-87877-279-3 (Erst seit kurzem beim Verlag vergriffen, aber laut geschwisterbuechner.de leicht und günstig antiquarisch zu finden)

 

Buch: Hintergrund-Infos und Info zur Lesung am 19.2., Rezension von Peter BrunnerBericht von der Lesung am 19.2. mit Audio-Hörprobe von Peter Brunner.

 

 

 

Wikipedia-Artikel zu Georg Büchner

 



 

 

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