dein Kassenzettel ist ein Stimmzettel - jedes verdammte Mal

Der Internet-Händler Amazon hat den Handel revolutioniert. Nicht alleine – und vieles wäre auch ohne Amazon so gekommen, wie es heute ist. Doch Amazon war am konsequentesten und hat sich seinen Erfolg verdient. Trotzdem kaufe ich nicht (mehr) bei Amazon. Jedenfalls nicht, wenn ich es irgendwie vermeiden kann. Warum?

Nun es gibt eigentlich nicht den einen Grund. Sondern eine ganze Liste von Gründen, die mich dazu bewegt, um den Online-Handelsriesen einen großen Bogen zu machen. Denn so bequem es auch sein mag, alles auf einer Plattform einkaufen zu können: Ganz schnell kann sich diese Bequemlichkeit – wie ich im folgenden zu belegen gedenke – zu handfesten Nachteilen verwandeln, die (für mich (und dich?) ganz persönlich) schwerer wiegen als die paar Minuten Bequemlichkeit, die mir/dir der Online-Monopolist verschafft.

Hier meine Liste:

  • Für mich persönlich ist die Sache mit den Paketdiensten oft anstrengender als die Ware selbst zu kaufen.
  • Amazon zerstört den lokalen Handel. Wenn ich alles online kaufe, werden unsere Innenstädte bald ausgestorben sein. Das will ich nicht. Deshalb kaufe ich so viel wie sinnvoll möglich in der Darmstädter Innenstadt. Zumindest, so lange ich es mit dem Rad transportieren kann.
  • Amazon schadet den lokalen Geschäften und Betrieben – die hier vor Ort Arbeitsplätze schaffen und
  • Amazon interessiert sich nicht für Nachhaltigkeit, Qualität und fairen Handel – nach solchen Kriterien kann ich dort nicht sinnvoll suchen / auswählen und Informationen dazu sind fast nie vorhanden. Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltstandards werden bei Amazon ausgeblendet
  • Amazon schafft unqualifizierte (Hilfs-)Arbeitsplätze während des qualifizierte Arbeitsplätze anderswo vernichtet
  • Amazon bildet nicht aus
  • Amazon beutet seine ArbeiterInnen aus
Klimaanlage (A/C); Bei Amazon nur für Roboter – nicht für Menschen
  • Amazon geht (auch illegal) gegen ArbeiterInnenzusammenschlüsse vor – Betriebsräte, Gewerkschaften, Interessensgruppen gibt es bei Amazon nicht. Damit ist Amazon auch für viele deutsche Großunternehmen ein Vorbild – wo Gleiches angestrebt wird.
  • Bei Amazon gibt es keine Tarifgehälter
  • Die Handelsgewinne von Käufen bei Amazon fließen in die USA – und sind damit den europäischen Wirtschaftskreisläufen entzogen. Das schwächt die Wirtschaft in Europa und stärkt die Wirtschaft in den USA. Während ich das im Einzelfall überhaupt nicht als Problem sehe, ist das bei dem Ausmaß, den es bei Amazon angnommen hat für mich schon ein Problem, der hier in Europa Arbeitsplätze kostet (vielleicht auch mal meinen / deinen).
  • Amazon nähert sich einem Monopol b.z.w. hat eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Das ist langfristig schädlich für das Produktangebot und führt zu höheren Preisen. Insbesondere dann, wenn immer mehr Wettbewerber aus dem Markt ausscheiden.
  • Amazon ist keine neutraler Anbieter: Der Konzern hat mehrfach Produkte aus seinem Sortiment entfernt, die ihm / einzelnen Mitarbeitern “unangemessen” erschienen (aus politischen oder religiösen Gründen – obwohl sie völlig legal waren). (Beispiel 1, …)
  • Amazon zahlt keine Steuern: Als globaler Konzern hat Amazon – trotz Milliardengewinnen – die Steuervermeidung perfektioniert. Während alle ArbeiterInnen und auch kleine und mittlere Geschäfte unser Gemeinwesen finanzieren, drückt sich einer der reichsten Konzerne mit (legalen wie illegalen) Steuertricks davor, auch noch den kleinsten Beitrag zu leisten. Im Gegenteil – vielfach läßt er sich den Aufbau von Niederlassungen sogar noch mit Steuergeldern finanzieren. (Quellen: 2018 – Yahoo Finance)
  • Ich möchte nicht alle Informationen über meine Einkäufe bei einem einzigen Konzern gespeichtert sehen. Ich vertraue Amazon weder darin, dass es sie nicht selbst auswertet / missbraucht – noch darin, dass er diese nicht an Dritte verkauft oder (auch ohne dazu gezwungen zu sein) an staatliche Institutionen weiter gibt.
  • Ich möchte nicht mal alle Informationen über meine Einkäufe und Zahlungsmittel an einem einzigen Ort gespeichert sehen, wo sie durch Hacker oder von Insidern missbraucht und gegen mich verwendet werden können.
  • Amazon hat (ohne dazu gezwungen gewesen zu sein) der Enthüllungsplattform Wikileaks nicht nur den Zugang zu Paypal abgeschnitten, sondern auch deren Gelder einbehalten – auf Wunsch der US-Regierung.
Warum Bücher beim Buchhändler bestellen.

Keiner dieser Gründe allein ist für mich auschlaggebend und auch andere Händler sind weit davon entfernt, unschuldig zu sein. Doch die Häufung der Kritikpunkte ist – für mich – ziemlich einmalig und machen Amazon für mich sehr zum Gegenteil von nachhaltigem und verantwortungsvollem Konsum.

Ich habe nicht erst kürzlich aufgehört bei Amazon zu kaufen, sondern schon länger. Ich komme jetzt erst dazu die Liste fertigzustellen. Viele Punkte sind auch schon älter – falls sich da was geändert haben sollte und ich es nicht mitbekam, freue ich mich über den Hinweis (bitte mit Quelle) als Kommentar. Aus gleichem Grund habe ich zu den meisten Punkten keine Quelle mehr parat – freue mich aber auch da über Ergänzungen. Und im Zweifel solltet ihr eh immer selbst recherchieren.

Ich habe übrigens deshalb noch auf nichts verzichten müssen – und vieles mit ein bischen Recherche sogar günstiger bekommen, als bei Amazon. Beim meinem lokalen Buchhändler kaufe ich sogar viel einfacher ein, als bei Amazon: Ich schicke ihm völlig formlos eine E-Mail, und am nächten Tag kann ich das Buch abholen. Kein Login, keine Zahlungsinformation, kein DHL-Paketbote….

Siehe dazu auch:

„Sie zahlen nicht mal Steuern“: Eine Kampfansage gegen Amazon erobert das Netz  (wobei die Kritik hier m.M. (s.o.) eben zu kurz greift – aber zumindest zur öffentlichen Diskussion führt)