Archiv der Kategorie Darmstadt

Wer auszieht, eine Wohnung zu suchen…

… sollte das überlegt und gezielt tun. Gerade und besonders auch in Darmstadt, wo der Wohnungsmarkt schwierig ist. Warum? Das will ich im Folgenden begründen.

Nachdem ich eine Weile eine passende Wohnung gesucht habe, bin ich fündig geworden. Ohne Makler-Provision und eine tolle Wohnung mitten in Bessungen. Erfolg brachte die Antwort auf eine Chiffre-Anzeige aus der Zeitung.

Danach wechselte ich die Rolle. Denn nun musste ich einen Nachmieter für meine alte Wohnung finden. Ich schaltete verschiedene Online Anzeigen und eine Anzeige im Echo.

In der Folge war ich doch etwas erstaunt, was ich erleben durfte. Ich habe den Eindruck, dass viele Wohnungssuchende sich schlecht durchdacht und schlecht vorbereitet auf die Suche gehen und damit sich selbst und den Anbietern viel Zeit rauben.

Hier die schlimmsten Fallen:

Falle 1: Offensichtliches Desinteresse

Insgesamt habe ich bisher ungefähr 170 Anfragen erhalten. Viele Anfragen waren von Kürze und Würze:

Besichtigungstermin erwünscht

Oder geringfügig aussagekräftiger:

 

Nun kann ich unmöglich 170 Besichtigungstermine organisieren. Das Zimmer selbst ist zwar nicht groß, aber es gehört immer auch eine Führung durch Keller, Waschküche und Tiefgarage dazu.

Ich muss also auswählen. Wer mir aber gar keine Informationen über sich liefert, ist als erstes aussortiert. Wegen Mangel an ernsthaftem Interesse. Am Anfang habe ich auch solchen „Interessenten“ noch Besichtigungstermine angeboten. In sehr vielen Fällen bekam ich dann gar keine Antwort. Weder eine Zusage, noch eine Absage. Verschwendeter Zeit auf meiner Seite: 10 min – pro Anfrage.

Habe dann schnell beschlossen: Wer sich so wenig für die Wohnung interessiert, dass er/sie nicht ein paar Worte zu sich selbst verliert, ist mir auch keine Antwort wert. Oder vielleicht nur einen Link auf diesen Artikel. Man schauen.

Man muss ja so einen Selbstvorstellungs-Text nicht jedes Mal neu schreiben. Den kann man einmal entwerfen und dann immer wieder verwenden oder ein wenig anpassen.

Falle 2: Schreiben

Auch ausführlichere Anfragen strotzen oft nur so von Fehlern und Nachlässigkeit. Dass ausländische Studenten und Immigranten Deutsch noch nicht perfekt beherrschen: Geschenkt! Das jeder (insbesondere ich!) Fehler macht: Geschenkt. Aber die offensichtliche Gleichgültigkeit, mit der manche Eingeborene ihre Mails und Briefe schreiben, lässt mich unweigerlich darüber nachdenken, wie diese Menschen mit einer Mietwohnung umgehen würden.

Auch beim Ausfüllen einer Selbstauskunft können eine ordentliche (entzifferbare) Schrift und eine gewisse Sorgfalt sowie freundliche Formulierungen von Vorteil sein.

Falle 3: Lesen

Manchmal ist auch die (mangelhafte) Lesefähigkeit ein schier unüberwindliches Hindernis. Wenn ich einer Gesichtbuch-Bekannten 2. Grades trotz voller Besichtigungsliste noch einen Termin anbiete, aber um eine E-Mail  statt einer Gesichtsbuch-Nachricht bitte (ich werde schon meine Gründe haben), bin ich schon verwundert, wenn diese Bitte völlig ignoriert wird. Ist ein Text von 15 Zeilen schon zu lang, um von den jungen Menschen heute vollständig erfasst / verstanden zu werden?

Das Problem scheint insbesondere bei Facebook NutzerInnen verbreitet zu sein.

Sorry.

Gleiches gilt, wenn ich in meiner E-Mail ausdrücklich darum bitte, die Selbstauskunft ausgefüllt zur Besichtigung mitzubringen. Schaffen auch nicht alle. Nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil sie nicht richtig gelesen haben.

 

Falle 4: Dienstleistungen erwarten

Ich bin kein Makler. Ich biete keine Dienstleistungen rund um die Wohnung oder den Besichtigungstermin an. Wer nicht selbst rausfinden kann, wie (mit welchen Straßenbahn- oder Bus-Linien), er  zur Wohnung kommt, dokumentiert eine gewisse Unselbstständigkeit oder Gleichgültigkeit.

 

Falle 5: Besichtigungstermine sind Verabredungen

Wenn ich einen Besichtigungstermin vereinbare, dann stehe ich da und warte. Dann nicht zu kommen, ohne Abzusagen, ist schon unfreundlich. Auch wenn das Interesse an der Wohnung bereits erloschen ist.

Nicht gekommen sind übrigens fast ausschließlich diejenigen, die es schon nicht für nötig hielten, sich in ihrer Erstanfrage selbst vorzustellen.

Richtig dreist jedoch finde ich, erst ohne Absage nicht aufzukreuzen und 2 Tage (!) später um einen neuen Termin zu bitten.

 

Pro-Tipp:

In der Erstanfrage (und auch bei der Besichtigung) möglichst viel über sich selbst erzählen. Darüber entstehen Sympathien. Und nichts verschweigen, nur aus Angst nicht eingeladen zu werden: Wenn es erst später bekannt wird, hat man die Zeit für die Besichtigung verschwendet.

Eine positive Grundeinstellung dagegen ist nie verkehrt: Wer ohne Arbeit ist, kann das schlecht verbergen, doch statt als „Harz 4 Empfänger“ (passiv) kann man sich positiver auch als „Arbeitssuchend“ bezeichnen, ohne etwas Falsches zu sagen.

 

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Nachmieter gesucht für 1-Zimmer-Appartment in Darmstadt

Update: Das Appartment ist vergeben! Kontakt E-Mail-Addresse deswegen entfernt.

Ich suchte kurzfristig eine Nachmieter für mein 1-Zimmer-Appartment in Darmstadt, das zum 15.12.[2013] frei wird.  Noch ist es ohne Makler-Gebühr zu haben.

Ingelheimer Str.1, Darmstadt

Ingelheimer Str.1, Darmstadt

Grundriss (die Wohnung ist unmöbliert, der Grundriss zeigt nur einen Vorschlag)

Grundriss (die Wohnung ist unmöbliert, der Grundriss zeigt nur einen Vorschlag)

Hier die technischen Daten:

 

  • 1 Zimmer Appartment im Verlagsviertel / Bessungen  (Ingelheimerstr.) mit Küchenecke und Bad, und Keller-Raum
  • Zentral gelegen am Ingelheimer Garten, Nähe Hochschule Darmstadt
  • Ca. 28 qm
  • Frei ab 15.12.2013
  • Kaltmiete 300,–
  • plus Duplex Stellplatz in der Tiefgarage:30,–,
  • plus Nebenkosten: 80,–
  • 2 Monatsmieten Kaution

Weitere Infos:

  • 2. Etage mit Fahrstuhl
  • Baujahr: 1994
  • Zentralheizung,
  • überdachter Fahrrad-Stellplatz,
  • Waschküche im Keller mit Münzwaschmaschinen
  • Straßenbahn 10 min
  • Bus 5 min
  • drei Supermärkte in direkter Nähe
  • Bäckerei direkt am Haus

 

Ein paar Angaben zur Person können die Chancen, zur Besichtigung eingeladen zu werden, dramatisch erhöhen.

Bitte die Mieter-Selbstauskunft ausgefüllt und unterschrieben mitsenden.

P.S.: Der Vermieter ist der Meinung, das Zimmer sei zu klein, um darin eine Katze oder andere Tier dieser Größe (oder größer) zu halten.

Blick zum Fenster

Blick zum Fenster

 

So wohne ich jetzt: Balkonfrühstück

 

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Siehe auch: Weitere Beiträge in der Kategorie Me, myself & I.

 

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Die Dyskussion über die Zukunft Darmstadts ist eröffnet

Darmstädter Tagblag berichtet

Darmstädter Tagblag berichtet (klick für eine größere Version)

Erschreckend, schmutzig, faszinierend. Wenn die Ausstellung „Das dystopische Darmstadt“ Recht behält, dann wird das Darmstadt der Zukunft keineswegs grün sein. Sondern grau-blau-braun. Hässliche und ästhetisch-schöne Wolkenkratzer werden sich darin abwechseln, Lui und Fünf-Finger-Turm zu überragen. Seltsame Gestalten werden über die dreckigen Plätze und in den Schluchten wandeln. Wer es sich leisten kann, wird keinen Fuß auf diesen schmutzigen Boden setzen, sondern sich schwebend zwischen oder über den futuristischen Bauten bewegen.

Natürlich wird sie nicht Recht behalten. Jede utopische oder dystopische Fantasie lag bisher falsch. Ja, muss falsch liegen, denn allein ihre Darstellung und Verbreitung erzeugt Reaktionen und Veränderungen – fordert das Denken, verändert die Diskussionen, beeinflusst Entscheidungen. Manchmal führen Dystopien dazu, da Dinge nicht geschehen. Manchmal dazu, das Dinge erst später geschehen. Manchmal nur dazu, das schreckliche Dinge anders getan,  besser verborgen oder geschickter gerechtfertigt werden.

Nicht nur an den WändenZum Beispiel George Orwells 1984: Das ist nicht eingetreten. Jedenfalls nicht so. Der Staat verbreitet kein einzig gültige Wahrheit, der Fernseher ist keine Überwachungsgerät geworden, und Gegner werden nicht mit Ratten gefoltert. Nein, so ist es nicht gekommen. Vielmehr gibt es heute viele Wahrheiten und Meinungen,  überwacht werden wir über unsere Telefone und Computer und Waterboarding ist von US Juristen zur akzeptablen Verhörmethode erklärt worden.

Ja, alle dystopischen Gedankenspiele sind dazu verdammt, falsch zu liegen. Trotzdem sind sie ein guter Anlass, darüber nachzudenken, in was für einer Welt wir und unsere Nachkommen leben wollen.

Die Fotos von Carsten Buchholz setzen dabei an der Gegenwart an und bilden lediglich ab, was bereits geschaffen wurde. Real existierende dystopische Elemente und Ansichten hat er in Darmstadt, aber zum Beispiel auch in Frankfurt, Berlin, Hamburg, Schanghai und Peking gefunden und gelegentlich durch Spiel mit Nähe, Licht, Perspektiven und Farbwerten weiter verfremdet. Elemente, die um sich greifen können oder ins heile Darmstadt hereinschwappen könnten. Die Besucher dürfen keine Kunstfotografie, eine durchgängige ästhetische Linie erwarten, sondern eine Sammlung von sehr unterschiedlichen, raum 5dokumentarischen Fotos, vieles wenig überraschend, manchmal irritierend, immer dunkel und gelegentlich amüsant.

Die Zeichnungen von Ingo Lohse dagegen sind große Kunst und folgen einer klaren ästhetischen Linie, Comic-Freunde erkennen hier auf jeden Fall Elemente von Möbius und Seyfried wieder, aber auch aus der deutschen U-Comix Szene und japanischen Meistern. Dennoch schafft Ingo Lohse mit großer Detailbesessenheit und sehr ungewöhnlichen, zukunftsweisenden Ideen hier eine ganz eigenen, unverwechselbaren Stil.

LAnsichtssachenohses – vollständig in Schwarz-Weiß gehaltenen – lebendige Stadtbilder sind um Wahrzeichen und Marken der Stadt Darmstadt herum komponiert und vereinen faszinierende, erschreckende, schöne und hässliche Elemente in einem einzigen Bild. Genauso sehr man sich wünscht, dass Darmstadt nie so wird, genauso sehr reizt es den Betrachter (also: mich) diese Stadt zu betreten und zu erkunden (und natürlich zu fotografieren).

Daneben zeigt Ingo Lohse auch die Menschen der Zukunft in – ebenfalls Schwarz-Weiss gehaltenen – Ganzkörperstudien sowie in 12 farbigen Portraits. In den Ganzkörperstudien schützen sich die Menschen durchgängig mit Masken (vor der salz-haltigen Luft?), der Fokus liegt auf der Mode und den Accessoires. Hier können sich Modeschöpfer noch einige wirklich innovative Ideen klauen.

Ingo LohseBei den farbigen Portraits liegt der Schwerpunkt auf ausdrucksstarken (weiblichen?) Gesichtern, Body-Mods und -Extensions sowie Hutmode. Dabei ist der Übergang zwischen Body-Extensions und Hutmode fließend und stellt den Betrachter manchmal vor interessante Rätsel.

Unplausibel ist übrigens bei Lohses Menschenstudien, dass er für die Zukunft ausschließlich die gemäßigten Rank-und-Schlank-Modelle des Homo Sapiens berücksichtigt. Wenn die Zukunft so krass ist wie beschrieben, dann wird in der Zukunft vom Anorexischen Modell bis zur Jabba-the-Hood-Variante alles vertreten sein.

Trotz aller cooler Outfits und idealer Figur fällt jedoch auf: Keiner dieser Menschen der Zukunft sieht glücklich aus. Ist das unsere Zukunft: Fast unbegrenzte Möglichkeiten, uns selbst zu „gestalten“, doch keine macht uns wirklich glücklich?

Inspirationen zu solchen Fragen bietet die Ausstellung auf vielfältige Weise. Auch weil sie kein Konzept-Ausstellung ist: Die Fotos zeigen keine einheitliche Linie und kein ästhetisches Muster, sondern sind offensichtlich eine Zusammenstellung von zum Thema passenden Fotos aus sehr verschiedenen Kontexten und von sehr unterschiedlicher Qualität. In der Kombination mit Lohses Zeichnungen lädt dieses aber zum individuellen Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden ein.

Noch spannender hätte eine Kombination von Fotos und Zeichnung in einem Bild werden können, wenn die beiden Aussteller vor der Ausstellung dafür Zeit gefunden hätten. Aber das kann auch eine Folge der Ausstellung werden.

Bei der Vernissage las außerdem Tobias Reckermann von der Gruppe „whitetrain“ den Science Fiction Text „CityWatch“ – eine sehr amüsante Schilderung eines Rundgangs durch das Darmstadt im Jahr 2113, die auch soziale und politische Konflikte darstellt. Eine tolle Ergänzung zur Ausstellung, auch wenn der junge Autor sprachlich noch recht konventionell schreibt und inhaltlich vor allem bekannte Muster, Konflikte und Verschwörungstheorien in die Zukunft extrapoliert und mit seinen Visionen nicht wirklich überrascht.

Fakten zur Ausstellung:

 

 

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Das dystopische Darmstadt

Das dystopische DarmstadtWie sieht das Darmstadt des Jahres 2113 aus? Wird die Stadt von Cyborgs, Robotern und Aliens bevölkert sein? Müssen wir Menschen mit Gasmasken auf die Straße gehen? Wird das die große Mode sein? Werden Superreiche in fantastischen Wolkenkratzer-Penthäusern leben, während die Massen in unterirdischen, von Versorgungsrohren durchzogenen Slums hausen? Wird eine Magnetschwebebahn die Stadt in 100 Metern Höhe durchziehen? Oder werden wir fliegende Stadtbusse haben? Wird es einen Büchner-SpacePort geben, der die Erde mit Kolonien auf andern Planeten und fremden Zivilisationen verbindet?

Diesen (und vielen anderen) Fragen zur fernen Zukunft der Stadt widmet sich der  Zeichner Ingo „Kriminalkin“ Lohse in einer Ausstellung im Darmstädter „raum 5“.

Ingo Lohse visualisiert in seinen beeindruckenden Zeichnungen Straßenszenen, Architekturen und Wesen in Stile des Steam-Punk / Cyperpunk, die immer wieder an die genialen Zeichner Moebius und Seyfried erinnern.

Ich steuere ein paar Fotos bei, die Spuren der Zukunft im Jetzt suchen: In Details, Ausschnitten, anderen Blickwinkeln, Überbelichtungen und Spiegelungen zeigen sie ungewollte und doch schon heute reale Kratzer im Lack der humanoiden „Zivilisation“.

Im Rahmen der Vernissage am Freitag, 11.10.2013 wird auch Tobias Reckermann von der Gruppe „whitetrain“ den Science Fiction Text „CityWatch“ lesen. Abgerundet wird die Veranstaltung mit Musik (von Konserve) aus der Creative Commons-Musikszene.

11.10., ab 19 Uhr, Eintritt frei!

Whitetrain

Freitag, 19 Uhr: Tobias Reckermann von der Darmstädter Gruppe „whitetrain“ liest den Science Fiction Text „CityWatch“. Der Eintritt ist frei.

 

Das die Visionen überwiegend duster geraten, sollte nicht überraschen. Die Welt schönträumen kann sich jeder, doch die Abgründe vorherzusehen, die sich – oft unbeabsichtigt – aus menschlichen Entscheidungen ergeben, ungleich mehr Kreativität und Arbeit. Und nicht selten sind es naive Utopien, die ins Verderben führen, während manche Dystopien (1984, Schöne neue Welt) als Warnung vielleicht noch Schlimmeres verhindert haben.

Ingo Lohse lebt und arbeitet seit 2005 als freischaffender Illustrator, bildender Künstler, Grafiker und Designer im Bereich Print und Web in Darmstadt. Er ist Mitglied der Gruppe Illustratoren Darmstadt und hat letztes Jahr den Kalender „Das dystopische Darmstadt 2013“ veröffentlicht.

Ingo Lohse - Das dystopische Darmstadt

Zeichung von Ingo Lohse

whitetrain ist verlagszeichen und aktionsname einer freiflottierenden gruppe junger darmstädter autoren und illustratoren im bereich horror, fantasy und sciencefiction, nebst regelmäßigen streifzügen durch die philosophie. nach langjähriger Vorgeschichte auf freien lesebühnen und in unabhängigen publikationen rollt der whitetrain als untergrundbahn seit 2010, veranstaltet regelmäßig öffentliche lesungen mit hang zur szenischen darstellung und veröffentlicht verschiedene fortlaufende publikationen, darunter vor allem das Storymagazin „leben im nebel“.

 

Öffnungszeiten:

  • Donnerstags: 18:00-21:00 Uhr
  • Freitags: 16:00-18:00 Uhr
  • Samstags: 15:00-18:00 Uhr
  • Sonntags: 15:00-18:00 Uhr
  • Finissage: Freitag 8.11.2013 | 19.00 Uhr

 

Das Blog zur Ausstellung:

http://dystopischesdarmstadt.tumblr.com/

 

 

Ingo Lohse

Ingo Lohse visualisiert in seinen beeindruckenden Zeichnungen Straßenszenen, Architekturen und Wesen in Stile des Steam-Punk / Cyperpunk, die immer wieder an die genialen Zeichner Moebius und Seyfried erinnern.

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Justus-Liebig-Schule prüft Rückkehr zu G9

Heute hat die Gesamtkonferenz der Justus-Liebig-Schule (Lio) folgendem Antrag zur Prüfung einer Wiedereinführung von G9 an der Schule zugestimmt:

Antrag zur Prüfung der Wiedereinführung von G9 an der Justus--Liebig Schule in Darmstadt

Antrag zur Prüfung der Wiedereinführung von G9 an der Justus–Liebig-Schule in Darmstadt

Das ist erstaunlich, weil die Justus-Liebig-Schule damals als erste Schule in Darmstadt auf G8 („Turbo-Abi“) umgestiegen ist und der Schulleiter der Lio, Wolfgang Germann, bis vor kurzem noch kein (öffentliches) Wort der Kritik für G8 übrig hatte. Dem Echo sagt er noch am 12. September 2012, an seiner Schule gehe es in Hinblick auf G8 „unaufgeregt und entspannt“ zu. Er scheint jedoch sein Ohr eher am Konzept der hessischen FDP Kultusministerin gehabt zu haben als an der Stimmung seiner Schülerschaft. Denn bereits 3 Monate später berichtet das Echo von einer Umfrage unter SchülerInnen seiner Schule, der zufolge gerade einmal jeder siebte Lio-Schüler positive Worte zu G8 findet. Eine Unzufriedenheit, die bis heute nicht abgeebbt ist. Auch der Landesschülerrat verteilte mieserable Noten für das G8 Konzept der hessischen CDU-FDP-Landesregierung.

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Mittwoch, 2.Oktober – Stadt Darmstadt: What’s up mit den US-Army Gebieten?

Die Stadtverordnetenvorsteherin Doris Fröhlich lädt (für den Magistrat der Stadt Darmstadt) die BürgerInnen am Mittwoch, 2. Oktober um 19 Uhr zu einer Infoveranstaltung zum derzeitigen Stand des Konversionsprozesses (Kelley-Barracks/ Nathan-Hale-Depot / Lincoln- Siedlung) ein:

Mittwoch, 2. Oktober um 19 Uhr im Justus-Liebig-Haus, Große Bachgasse 2

Die Veranstaltung ist für alle Interessierten öffentlich zugänglich. Während der Veranstaltung soll es die Möglichkeit zu Fragen und zur Diskussion geben.

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Nach der Show ist vor dem Spiel: Anderwelt

Julia Lehn als Julia in Anderwelt

Brilliant: Julia Lehn als Julia in Anderwelt

Game- und Casting- Shows jetzt auch im Theater? Muss das sein? Reicht es nicht, wenn der Schwachsinn die TV-Bildschirme verseucht? Müssen wir uns wirklich daran weiden, wie Menschen in  „Gewinner“ und „Verlierer“ eingeteilt werden?

Denn um nichts anderes geht es in diesen Veranstaltungen und sie dienen den glotzenden Zuschauern offensichtlich dazu, sich von der eigenen Rolle als Verlierer im Spiel des Lebens abzulenken. Denn echte Gewinner gehen  nicht in Game- oder Casting-Shows, wo sie nach Regeln der Regie vor einem Millionenpublikum vortanzen müssten. Echte Gewinner gehen raus und gestalten ihr Leben. Sie machen, was sie wollen. Sie kämpfen um das, was sie wollen und haben Spaß, wie sie es wollen.

Genau darum dreht sich das Stück „Anderwelt“, das am Freitag, 27.9.2013 vom Theater Lakritz im Mollerhaus uraufgeführt wurde. Was Julia Lehn und Andreas Konrad in „Anderwelt“ unter der Regie Nicole und Marielle Amsbeck im Theater Moller Haus auf die Bühne bringen, regt dazu an, über TV-Shows, und über unsere Auffassung von Spielen neu nachzudenken. Auf sehr unkonventionelle Weise: Durch das gespielte Vorbild. Geht das? Nachdem ich das Stück gesehen habe, kann ich sagen: Ja.

Gleich zu Anfang fühlte ich mich an „Die Tribute von Panem“ erinnert. Es muss an den Eingangsstatements der Beiden gelegen haben – die zwar dem Zweck dienten, die Zuschauer auf die eigene Seite zu ziehen, aber noch wenig half, den Figuren Tiefe und Identifikationsfläche zu geben. Die Zuschauer auf ihre Seite ziehen, das ist es, worum es den beiden Figuren in der ersten Phase von „Anderwelt“ geht.

So müssen sich die Beiden  im Folgenden an sinnlosen und trotzdem amüsanten Aufgaben messen, sich auf die kühlen Anweisungen der gesichtslosen Moderation aus dem Off hin selbst erniedrigen, sich blamieren und: sich selbst bestrafen. Am Ende „darf“ das Publikum per Akklamation einen Sieger bestimmen. Ein SMS-Voting mit animiertem Multi-Media-Ergebnisbalken wäre hier noch besser gewesen. So bleibt die Illusion unangefochten, dass das Publikum bei Game- oder Casting- Shows tatsächlich einen Einfluss auf die Entscheidung hat.

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CDU fördert Linksradikalen mit 840.000 €

Freide den Hütten - Kreig den Palästen

Diese Parole ist bei linksextremistischen Gesetzesbrechern „en vogue“ – warum unterstützt die hessische CDU so etwas? Bildquelle: „rotefahne.eu“.

In Hessen deutet sich ein politischer Skandal an, der die Karten für die Hessen-Wahl am Wochenende völlig neu mischen könnte. Steuergelder des Landes Hessen werden zur Verbreitung linksradikalen Gedankengutes verwendet und ein polizeibekannter Aufwiegler erhielt und erhält öffentliche Würdigung und Unterstützung – von völlig unerwarteter Seite: Amtsträger und Parteifunktionäre des konservativsten aller CDU-Landesverbände sollen in diese Affäre verwickelt sein – unter anderem aus dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Der parteilose Linksradikale G. Büchner wird in einschlägigen Kreisen für seine revolutionären Ansichten verehrt und idealisiert. Er gilt nach Informationen des hessischen Rundfunks als „unerschrockener Aktivist“.  Büchner stammt aus Riedstadt-Goddelau und kam beim Studium in Straßburg in Kontakt mit französischen Radikalen. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, verdingte er sich auch als Autor kommerziell wenig erfolgreicher Sozialdramen. Generell jedoch gilt er als arbeitsscheu – ein Bild, dass er selbst durch öffentliche Äußerungen pflegt wie: „Unser Leben ist der Mord durch Arbeit; wir hängen fünfzig Jahre lang am Strick und zappeln; aber wir werden uns losschneiden“.

Überregional bekannt wurde Büchner durch die Gründung verfassungsfeindlicher Gruppen in Gießen und Darmstadt sowie politische Schriften und Flugblätter, in denen er gegen die Wohlhabenden hetzt und zur Abschaffung des Privateigentums, zu Gesetzesübertretungen und Gewalt aufruft. Er hat wiederholt gesuchte Terroristen mit Falschaussagen, Verstecken und Fluchtmöglichkeiten unterstützt. Wegen der Beteiligung an terroristischen Plänen wurde nach ihm gefahndet – durch Flucht ins Ausland konnte er sich der Verhaftung jedoch entziehen.

Kennern der links-extremistischen Szene ist völlig unbegreiflich, warum auch Mitglieder der hessischen CDU Büchners Machenschaften und radikalen Ansichten öffentlich würdigen. Mindestens 840.000 € aus den Kassen der Landesregierung wurden nach Informationen des Hessischen Rundfunks dafür missbraucht.

Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, der ungenannt bleiben möchte, konnte ausschließen, dass Büchner ein V-Mann sei: „Der VS unterstützt keine Personen aus dem linksradikalen Umfeld mit finanziellen Zuwendungen. Solche Programme beschränken sich ausschließlich auf Rechtsradikale.“ Auch sei er nicht in einem Aussteiger- oder Zeugenschutzprogramm untergebracht: „Die Unterstützung dieses Büchners durch die Landesregierung ist uns ein völliges Rätsel und widerspricht all unseren Richtlinien.“ Allerdings könnte es sein, dass der Verfassungsschutz die Politik unzureichend informiert habe. Schließlich habe man selbst Büchner nach seiner Flucht „ein wenig aus den Augen verloren.“

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Ergebnisse der U18 Wahlen in Darmstadt

Am Freitag, 13.September haben 1995 Kinder und Jugendliche in Darmstadt gewählt. Die U 18-Wahl ermöglichte ihnen eine Woche vor der Bundestagswahl in insgesamt 14 Wahllokalen auch ihre Stimme für die zur Wahl antretenden Parteien abzugeben. Hier die Ergebnisse:

 

U18 Wahl

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Alles nur Theater? Theaterförderung steht am 22.9. zur Wahl!

Moderation und Freie Szene e.V. Darmstadt

Moderatorin Olga Zitzelsberger (Mitte) sowie Rainer Bauer und Ann Dargies vom Freie Szene Darmstadt e.V.

Gestern versammelten sich auf Einladung des Freie Szene e.V. Vertreterinnen von verschiedenen Parteien im Theater Moller Haus in Darmstadt, um über die Förderung der Freien Theater Szene in Hessen zu diskutieren. Kurz: Es ging um Geld.

Eingeladen waren die bereits im Landtag vertretenen Parteien. Auch wenn mich die Ziele anderer Parteien – beispielsweise der Piraten – dazu interessiert hätten; mehr Teilnehmer hätten die Runde gesprengt. Bemerkenswert war zunächst, dass alle eingeladenen Parteien gekommen waren. Wenn auch mit unterschiedlichem Gewicht: Lediglich die Grünen waren mit einer leibhaftigen Landtagskandidatin vertreten: Hildegard Förster-Heldmann. Prominenz brachte die FDP aufs Podium: Leif Blum, der als umstrittener Steuer-Spar-Experte zumindest eine ausreichende Finanzkompetenz mitbrachte. CDU und Linke hatten mit Irene Jost-Göckel (CDU) und Thomas Frischkorn (Die Linke) fachkundige, aber amts- und einflusslose Mitglieder entsendet. Die SPD wurde durch Katrin Kosub vertreten, nachdem die ursprünglich nominierte Dagmar Metzger wegen Urlaub abgesagt hatte. Frau Kosub war jedoch mit dem Thema wenig bis gar nicht vertraut und obwohl sie sich redlich bemühte und ihr Nicht-Wissen offen eingestand, konnte sie inhaltlich zum Thema wenig beitragen. Sie ist da von ihrer eigenen Partei vorgeführt worden.

SPD Ersatz-Vertreterin: Katrin Kosub statt Dagmar Metzger

SPD Ersatz-Vertreterin: Katrin Kosub kam statt Dagmar Metzger

Moderiert wurde die Diskussion kompetent und engagiert von Olga Zitzelsberger von der TU Darmstadt. Auf dem Podium saßen außerdem Jan Deck vom Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste Hessen e.V.  sowie Rainer Bauer und Ann Dargies vom Freie Szene e.V.

In ihrer Eröffnung relativierte Ann Drargis (unabsichtlich?) zunächst die Bedeutung der Veranstaltung (jedenfalls für mich), indem sie sagte: „Kultur ist genauso wichtig wie eine warme Mahlzeit pro Tag.“ Angesichts der Tatsache, dass viele Menschen froh wären, wenn sie überhaupt eine einzige ordentliche Mahlzeit pro Tag hätten, diskutieren wir hier über ein Luxusproblem. Neben anderen Luxusproblemen, die in diesem Wahlkampf thematisiert werden.

Erwartungsgemäß haben alle auf dem Podium die Arbeit der freien Szene gelobt. Doch in den Lobeshymnen war eine vergiftete Spitze enthalten. Denn das vorherrschende Thema war die Nützlichkeit der freien Theater für die Gesellschaft. Nicht die Kunst oder die Kultur an sich, sondern die an sie geknüpften Erwartungen. Für die CDU ist zum Beispiel das Wichtigste die Hinführung von bildungsfernen Schichten zum Theater. Thomas Frischkorn sieht die Gesellschaft in Produzenten und Konsumenten gespalten und die Mehrheit in die Rolle als Konsumenten gedrängt. Er will sie – mit Hilfe des Theaters – rausholen.

Leif Blum, der als umstrittener Steuer-Spar-Exerte zumindest Finanzkompetenz mitbrachte.

Leif Blum, der als umstrittener Steuer-Spar-Exerte zumindest Finanzkompetenz mitbrachte.

Leif Blum von der FDP will die Theater gar an die Schulen bringen. Ich frage mich: Sollen Theater jetzt da einspringen, wo die CDU-FDP-Landesregierung (unter einer FDP-Ministerin) die kulturelle Arbeit an den Schulen in den letzten Jahren finanziell und zeitlich ausbluten ließ? Ehrenamtliche Theaterleute sollen jetzt als günstigere Pädagogen eingesetzt werden? Eine Schauspielerin aus dem Publikum brachte das gut -später- auf den Punkt: „Kunst wird als gesellschaftliche Feuerwehr missbraucht“ – so ihre berechtigte Schlussfolgerung.

Ich finde es bedenklich, wie weit die Ökonomisierung der Gesellschaft schon vorangeschritten ist. Wenn Kunst und Kultur nur noch ihre Berechtigung daraus gewinnen, wie nützlich sie von der Gesellschaft angesehen werden, dann ist Deutschland (oder zumindest Hessen) als Land der Dichter und Denker und Kulturnation abgemeldet.

Ach ja, die SPD gab den Vorrednerinnen in dieser Runde ausdrücklich recht…

Schwerpunkt der Veranstaltung war natürlich das liebe Geld. Im Zentrum stand die Petition „1 Million für sechs Millionen“, die eine Millionen Euro mehr an Unterstützung für Freie Szene in Hessen fordert.

Zeit für die beiden Regierungsvertreterinnen zunächst mal ihre Taten der Vergangenheit zu loben.  Die CDU hob hervor, das von ihr voran getriebene Ehrenamtsgesetz helfe „den Theater-Gruppen“ – was jedoch emotionale Reaktionen weckte und Unruhe im Publikum erzeugte. Denn viele Angehörige der freien Szene sind ausgebildete und professionelle KünstlerInnen. Ein Mißverständnis? Oder Unwissenheit bei der CDU?

So merkte die Moderatorin auch an, im CDU Wahlprogramm stehe nur was von den großen Bühnen und von den Ehrenamtlichen. Professionelle freie Szene komme darin gar nicht vor.

Leif Blum verwies auf die großen finanziellen Herausforderungen bei den großen kulturellen Institutionen,  die in der Vergangenheit die Mittel der Landesregierung gebunden hätten. Trotzdem habe die FDP weitere Spielräume gesehen, die sie gern genutzt hätte, wenn „wir einen mutigeren Koalitionspartner gehabt hätten.“ Der eigenen Mut ging jedoch auch nicht weit, denn schon im nächsten Statement schloss er kategorisch jedes Gespräch mit anderen Parteien als der CDU nach der Wahl aus.

 Hildegard Förster-Heldmann - einer leibhaftige Landtagskandidatin

Hildegard Förster-Heldmann – eine leibhaftige Landtagskandidatin

Auch Hildegard Förster-Heldmann konnte auf Anstrengungen ihrer Partei verweisen: In Darmstadt habe man die Kultur und damit auch das Theater in den Einspar-Runden der Haushaltskonsolidierung weitgehend ausgenommen. Für die Grünen sei die Kultur keine Verschiebemasse, bei der eingespart werden könne. Darmstadt sei das Vorbild. Auch hätten sie in den Förderrichtlinien der Stadt zahlreiche Vereinfachungen vorgenommen und Erleichterungen geschaffen. Zum Beispiel würden die Fördergelder in Darmstadt inzwischen nicht mehr irgendwann im Haushaltsjahr überwiesen, sondern verlässlich zur Jahresmitte (was mir als positive Veränderung tatsächlich schon vorher zugetragen worden war). In der Diskussion musste sie jedoch auch feststellen, dass manches entweder bei der Umsetzung noch hängt, oder die Verbesserungen noch nicht ausreichend kommuniziert sind: Ein Künstler kritisierte, dass die Prüfung der Theaterkasse durch das Revisionsamt mehr koste, als das Theater in den betreffenden Jahren erhalten habe.

Wichtiger als die Vergangenheit war den Anwesenden jedoch der Ausblick auf die Zukunft. Hier unterstütze Förster-Heldmann die Forderung der Petition „Ein Million für sechs Millionen“ und betonte, dass dieser Betrag nicht ausreichen werde, sondern nur ein erster Schritt sein könne. Ihrer Meinung brauchen Kommunen einen größeren finanziellen Gestaltungsspielraum, damit Kultur keine „freiwillige Leistung“ sein dürfe. Die gesamte Förderungssystematik bedürfe einer sorgfältigen Analyse, die vor grundlegenden Änderungen nicht zurückschrecken dürfe.

Katrin Kosub schlug auch gleich konkret vor, Förderung als Drittelfinanzierung zu regeln: Die Förderung solle je zu einem Drittel vom Land und von der Kommune kommen, während sich das fehlender Drittel aus den Auftritts-Einnahmen finanzieren sollen. Mir als Laie blieb jedoch verborgen, wie es eine verlässliche und planbare Theater-Finanzierung geben kann, wenn die Höhe der Gesamtförderung von einer so gezielt planbaren Variable wie den Eintrittserlösen abhängen soll.  Vielleicht eher für die großen Bühnen ein Modell, wo ja nur ein kleiner Teil der Karten im freien Verkauf umgesetzt wird. // Ironie off//

 Irene Jost-Göckel sorgte für Emotionen im Publikum

Irene Jost-Göckel sorgte für Emotionen im Publikum

Zur Forderung der Petition sagte Frau Kosub, eine Verdopplung sei das Mindeste, was in den nächsten Jahren passieren müsse. Unklar war, ob sie damit der Petition bewusst widersprechen wollte, oder ob sie nur nicht verstand, dass die Petition nicht weniger als eine Verdreifachung der geringen Mittel für die freien Theater forderte.

Eine Verdopplung (aber definitiv nicht mehr) kündigte auch Leif Blum für den Fall einer FDP-Regierung an: Seine Partei wolle die Förderung umkrempeln und bessere Rahmenbedingungen schaffen. Was ihm die Rückfrage von Hildegard Förster-Heldmann einbrachte: „Herr Blum, wenn Sie so tolle Ideen haben, warum haben Sie das in den letzten Jahren nicht gemacht?“ Unklar blieb auch, ob er diese Zusage unter einen Mut-Vorbehalt seitens des Koalitionspartners stellte.

Der präsentierte jedoch völlig andere Vorstellungen. Mit der CDU werde Theaterförderung eine „freiwillige Leistung bleiben“, stellte Irene Jost-Göckel klar. Nicht das Land, sondern die Kommunen müssten mehr für die Theaterschaffenden tun. Darüber hinaus empfahl sie Crowd-Funding als Finanzierung für Theater – was meiner Nebensitzerin spontan entlockte: „Die CDU braucht ’ne Bewusstseinserweiterung!“.  Zur Forderung der Petition sagte Irene Jost-Göckel: „Ich persönlich würde das unterstützen.“ Gegenfrage: „Aber was macht die CDU?“ Göckel: „Das haben wir nicht im Programm.“

Thomas Frischkorn will eine grundsätzliche Umverteilung des Reichtums.

Thomas Frischkorn will eine grundsätzliche Umverteilung des Reichtums.

Für Thomas Frischkorn stand fest, dass das wichtigste Problem im Bereich der Freien Theater die prekäre Beschäftigungslage der Kulturschaffenden sei: “Unsere Gesellschaft ist ökonomisch so leistungsfähig wie nie – aber die öffentliche Hand diskutiert nur über das Sparen.“ Es müsse mehr Geld in öffentliche Aufgaben fließen. Der Linken gehe es „um Planungssicherheit – für das Leben der Menschen, nicht nur für die Projekte.“ Es seien in diesem Land in den letzten Jahren ungeheure Reichtümer angehäuft worden, die nur bei den normalen Menschen nicht ankämen. Eine grundsätzliche Umverteilung des Reichtums sei notwendig, um auch der freien Szene helfen zu können.

Dass es in der Tat nicht nur um abstrakte Kulturprojekte geht, sondern an der Substanz der Betroffenen nagt, wurde auch in den Beiträgen aus dem Publikum deutlich:

  • „Wir müssen unsere eigene Arbeit als Eigenanteil in die Förderanträge einbringen – dass heißt wir arbeiten für lau.“
  • „Gute Künstler wandern in andere Bundesländer ab, wo besser gefördert wird.“ Einwurf Leif Blum: „Mit unserem Geld“.
  • Künstlerin: Qualität hängt an Geld – der Freiraum ist notwendig, aber „ich kann trotzdem nicht meine Miete bezahlen“.
  • Ausgebildeter Regisseur finanziert mit einer Lehrerstelle seine Theatertätigkeit
  • Letzte Woche in einer Darmstädter Theatergruppe: Schauspieler durch die vielen Engagements, die er zum Überleben braucht, so unter Stress, dass er nicht mehr sprechen konnte.
  • „Wir werden hin und her geschoben: Mal zum Kulturamt, mal zum Sozialamt“
Rainer Bauer: „Wenn ich im Kulturamt in Besprechungen sitze, bin ich als Künstler immer der Einzige am Tisch, der dafür nicht bezahlt wird.“

Rainer Bauer: „Wenn ich im Kulturamt in Besprechungen sitze, bin ich als Künstler immer der Einzige am Tisch, der dafür nicht bezahlt wird.“

Eine vielsagende Pointe konnte auch Freie Szene-Vorstand Rainer Bauer beitragen: „Wenn ich im Kulturamt in Besprechungen sitze, bin ich als Künstler immer der Einzige am Tisch, der dafür nicht bezahlt wird.“

Katrin Kosub nahm aus der Veranstaltung immerhin mit: „Die Lage ist noch schlimmer, als ich mir das vorstellen konnte.“

Hildegard Förster-Heldmann betonte, wie wichtig es sei, dass die Kulturschaffenden und ihre Freunde auch wählen gehen, damit sich etwas ändern könne.

Moderatorin Olga Zitzelsberger resümierte über die Situation, viele Künstlerinnen täten „ alles, um am Leben zu bleiben und bringen auch noch Kultur unter die Leute.“ Das Maß an Selbstausbeutung in der Freien Szene sei sehr hoch. Was fehle, sei eine dauerhafte Finanzierung: „Wir sind so reich, warum verteilen wir nicht um?“

Mir hat diese Veranstaltung gezeigt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Parteien gibt. Und selbst wenn eine Stimmabgabe nicht die großen Probleme löst: Sie kann einen kleinen, aber vielleicht entscheidenden Teil dazu beitragen, dass die Situation für einen selbst oder für andere etwas erträglicher wird. Wer am Wahltag Zuhause bleibt, trägt nur dazu bei, dass es noch schlimmer wird.

Und: Die meisten „Politiker“ auf dem Podium verdienen auch nichts an ihrem Einsatz für die Demokratie. Und Demokratie ist eine wichtige Voraussetzung für freie Kunst.

Was mich noch interessiert hätte: Zu diskutieren, wie ein garantiertes Grundeinkommen die Situation der Freien Szene verändern würde. Aber dazu hätte auch ein Pirat auf dem Podium sitzen müssen. Vielleicht einmal nach der Wahl?
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