Geradezu direkt an der Schnittstelle zwischen Straßenkunst und Waldkunst bewegen sich Daniel Siering und Mario Shu (aus Potsdam) mit dieser Kunstaktion:

Jan. 21
Gepostet von Carsten in Ist das Kunst, oder kann das weg? | Keine Kommentare
Geradezu direkt an der Schnittstelle zwischen Straßenkunst und Waldkunst bewegen sich Daniel Siering und Mario Shu (aus Potsdam) mit dieser Kunstaktion:

Tags: Daniel Siering, Mario Shu, Straßenkunst, Waldkunst
Jan. 21
Gepostet von arthuro in Arthuro de las Cosas, Englisch, Ist das Kunst, oder kann das weg?, Lyrik | 6 Kommentare
but this song keeps me up
balling
beating
bouncing
bashing
gainst my brain
skull
heart
rebel song
key-ping me awake
through the night
crazy me
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Jan. 18
Gepostet von Carsten in Darmstadt, Fotografie, Ist das Kunst, oder kann das weg? | Keine Kommentare
Eigentlich wollte ich über diese Ausstellung nichts schreiben. Denn zum einen ist sie nur noch wenige Tage zu sehen (bis 21. Januar 2014), zum anderen hat mir auch nach Tagen immer noch niemand von den Darmstädter Tagen der Fotografie geantwortet, obwohl die E-Mail Adresse ausdrücklich angegeben wurde, um Öffnungszeiten zu erfragen. In Darmstadt sind scheinbar nur „Tage der Fotografie“, wenn im Literaturhaus Veranstaltungen stattfinden.
Nun hatte ich heute überraschend doch die Gelegenheit, vor der Veranstaltung zum 100. Geburtstag von Arno Schmidt ins Literaturhaus zu stürmen und mir die Bildserie „Bright Before Me the Signs Implore Me” von Jan Stradtmann anzusehen, zu der sowohl der Titel als auch das Pressebild mein Interesse geweckt hatten. Und damit hatte es sich mit dem „eigentlich“. Nicht wegen der Ausstellung, nicht wegen den Darmstädter Tagen der Fotografie – sondern nur und ausschließlich wegen dieser Bilder von Jan Stradtmann.
„Bright Before Me the Signs Implore Me” ist eine Serie von Ganzkörper-Portraits. Die Personen wurden von Stradtmann in einer (potentiell) alltäglichen Umgebung positioniert. Fast alle Personen schauen auf eine Art unbeteiligt, sehr neutral. Und in jedem Bild ist etwas off: Eine Fußstellung, ein Kleidungsstück, eine Tätigkeit, ein fehlendes Gewehr.
Diese leichten, fast zu übersehenden Verschiebungen der Realität erzeugen eine unwirkliche, kaum zu fassende Stimmung. Dazu kommt, dass es zwar zwischen einzelnen Bilder stilistische, inhaltliche, methodische und thematische Verbindungen gibt, aber eigentlich keine (offensichtliche) Verbindung, die sich über alle Bilder der Ausstellung zieht.
Und trotzdem konnte ich den verbindenden Faden fühlen – ohne ihn jedoch benennen zu können. Ganz stark! Großes Kunst!
Ich jedenfalls habe Feuer gefangen und lechze nach mehr von Stradtmann. Er hat heute einen neuen Fan gewonnen.
Einiges von ihm ist hier zu sehen: www.janstradtmann.de darunter auch die im LIteraturhaus teilweise (aber natürlich viel größer und eindrucksvoller) ausgestellte Serie„Bright Before Me the Signs Implore Me” .
Siehe auch:
Aktuelle Ausstellungen in / um Darmstadt
bis 26. Januar 2014 Géricault – Bilder auf Leben und Tod, Schirn, Frankfurt
bis 16. Februar 2014: haltlose gründe (Review) – Emmanuel Bornstein | Sven Kroner | Miriam Vlaming, Kunsthalle Darmstadt
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Tags: Jan Stradtmann
Jan. 16
Gepostet von Carsten in Ist das Kunst, oder kann das weg?, Lyrik | 5 Kommentare
Spät kommst Du
dieses Jahr
Gevatter Frost
verräterischer Genosse der Einsamkeit des Langstreckenläufers
zärtlich zerbeißt Du mir die Hände
Deine Todfeindin
bleich und schwach
doch wunderschön
blinzelt mir zwischen den Bäumen zu
als führe sie etwas im Schilde
Eurem Zwist
verdanken wir die
kurze Spanne unserer erbärmlichen Existenz
weil Ihr euch nicht einigen könnt, wer uns zuerst verschlingen darf
Viel zu wenig
wissen wir diese unverdiente Gnade zu schätzen
zu verschwenderisch vergeuden wir die so
geschenkte Zeit
Angeblich stehen
Ihre Chancen gut
die Schnellere zu sein
doch so wie ich Deinem
eisigem Atem nur kurzfristig
trotzen kann
soll – so sagen sie – unser Ende auch Ihr Ende sein
Ihr Imperialismus
nur ein Symptom Ihres eigenen Todes
So gesehen steht
Dein Endsieg längst fest
unser Grab: ein Kaltes
in den endlosen, leeren Weiten
Deines Reiches
Verzeih
wenn ich trotzdem
nächstes Mal dann
doch Handschuhe tragen
werde
Foto: Carsten Buchholz
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Tags: Arthuro de las Cosas, Frost, Laufen, Weltuntergang
Jan. 12
Gepostet von Carsten in Darmstadt, Ist das Kunst, oder kann das weg? | 3 Kommentare
Es ist sozusagen seine Abschiedsvorstellung. Sie ist grandios geworden. Peter Joch, der Direktor der Kunsthalle wechselte zum 1. Januar an ein neues Potsdamer Museum. Die letzte von ihm konzipierte Ausstellung ist noch bis zum 16. Februar in der Kunsthalle zu sehen. Gewissheiten lässt uns Joch nicht zurück, sondern vor allem Verunsicherung:
Die Künstler der Schau lassen durch die Verschleifung von Bildebenen, durch Schwebezustände, Brüche in der Perspektive und ungewöhnliche Blickwinkel einen verwirrenden, haltlosen Raum entstehen. Diesen Nicht-Raum nutzen sie, um Grenzen des Erzählens zu überwinden. Sie thematisieren psychische Desorientierung, die bildnerische Darstellung historischer Katastrophen – und künstlerische Inspiration.
So der Anspruch. Und die auf der Web-Seite der Kunsthalle gezeigten Bilder hatten mich neugierig gemacht.
Malerei und, das vorweg: Keine schöne Kunst. Sondern eine, die mehr Abgründe auftut, als Gründe liefert. Und es sind gar nicht so sehr die oben genannten methodisch-technischen Winkelzüge, die irritieren, sondern tatsächlich die gezeigten Motive und die distanzierte, ja kalte, Haltung der Künstler zu den gezeigten Szenen, die mir die mehrfach einen Schauer den Rücken hinunter jagte. Die Art von Schauer, die Dinge erzeugen, die man schon einmal unangenehm gespürt, gefühlt, erlebt hat.
Nicht, das die Maler und die Malerin auf handelsüblichen Horror setzen würden. Ganz und gar nicht. Es sind vielmehr die Gefühle, die ein schräger, düster-unwirklicher Traum zurück lässt. Oder einer dieser Filme von David Lynch. Twin Peaks. Ja, die Bilder von Emmanuel Bornstein, Sven Kroner und Miriam Vlaming enthalten eine ordentliche Portion Twin Peaks. Jenes absurden, unfassbaren Grauens, das hinter ganz normalem Alltag lauert. Jene Abgründe, die sich auftun, wenn man die gesunde Oberflächlichkeit verlässt und etwas zu genau hinsieht.
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Tags: Emmanuel Bornstein, Kunsthalle Darmstadt, Malerei, Miriam Vlaming, Peter Joch, Quentin Tarantino, Sven Kroner
Jan. 9
Gepostet von Carsten in Brasilien, Fremde Länder, fremde Sitten, Ist das Kunst, oder kann das weg? | 2 Kommentare
Cido Meireles Installation „Rio Oir“ (zu sehen in: Brasiliana) besteht aus zwei getrennten Räumen. Im ersten Raum – der fast vollständig dunkel ist – bestehen die Wände aus einem weichen Schaumstoff mit einer schalldämpfenden Form („Eierkarton“). Eingespielt werden – nacheinander – Geräusche von fließendem Wasser (Flüsse, Wasserfälle und Quellen, aber auch Töne von Wasserhähnen und Toilettenspülungen hat Meireles beigemischt), die in verschiedenen Teilen Brasiliens aufgenommen wurden. Durch ein Fenster ist – allerdings durch eine Spiegelung nur indirekt – ein bunter Schallplattenspieler zu sehen, dessen Platte sich kontinuierlich dreht. Außerdem nimmt man einen Raum auf der anderen Seite wahr, der jedoch nicht direkt zu sehen ist.
Schon ein kurzer Besuch in diesem Raum vermittelte mir ein großes, schönes Gefühl der Entspannung.
Um in den anderen Raum zu gelangen, muss man zunächst wieder aus der Installation hinausgehen: Die Eingang liegt auf der Rückseite und führt in einen Raum, der komplett mit spiegelnder Alu-Folie ausgeschlagen ist – ich sehe mich also in allen Richtungen – zur Unkenntlichkeit verzerrt – selbst. Dazu wird kontinuierlich verschiedenstes Kinderlachen eingespielt. Durch ein Fenster ist ebenfalls der gespiegelte bunte Schallplattenspieler zu sehen.
Dieser Raum löste in mir ein Gefühl fröhlicher Leichtigkeit aus, das sich auch jetzt, Tage nach dem Besuch, allein durch Erinnerung an dieses Erlebnis reproduzieren lässt.
Wer einen kleinen Eindruck bekommen will, kann hier zumindest das Lachen hören, das die Schirn dankenswerter Weise im Schirn Magazin veröffentlicht hat:
Der Titel „Rio Oir“ ist ein Palindrom. Und ein Sprachspiel: „Rio“ ist das spanische und portugiesische Wort für Fluss, auf Spanisch heißt „rio“ auch „ich lache“ und „oir“ „hören“.
Ich war so fasziniert, das ich glatt vergessen habe, zu fotorafieren – deshalb habe ich oben Bilder von anderen Web-Seiten eingebunden.
Besprechung der gesamten Ausstellung „Brasiliana“, die am 5.Januar 2014 endete.
Artikel zu Cido Meireles im Schirn Magazin.
Im Web sind die Informationen zu Cido Meireles noch dünn, die Wikipedia-Seite zu Cido Meireles ist kaum mehr als ein Stub
Zusammenstellung von verschiedenen Werken Cido Meireles
Cildo Meireles im Portikus, Frankfurt a.M. (31.01.04 – 07.03.04)
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Tags: Cido Meireles, Lachen, Rio Oir, Schallplattenspieler, Schirn, Wasser
Jan. 8
Gepostet von Carsten in Fremde Länder, fremde Sitten, Ist das Kunst, oder kann das weg? | 1 Kommentar
Die Weihnachts-Gala 2013 im Zirkus Barum in Göttingen (eine Mischung aus Varietee und Zirkus) war bis kurz vor der Pause eine mittelmäßige Show, die vor allem von kitschigen Gesangs. und Tanzeinlagen und unwitzigen schlechten Clown runter gezogen wurde. Und wäre es wohl auch geblieben, wenn der Zirkus nicht aus Kolumbien wagemutige Truppe von Artisten ins Programm geholt hätte: Los Talentos / The Robles. Deren Kunst-Stücke möchte ich mit euch teilen:
Ihre Mitglieder haben insgesamt drei Nummern zum Programm beigetragen (auch wenn der Zirkus Barum das in der Werbung etwas zu verschleiern versucht).
Kurz vor der Pause wurden Motorräder angekündigt. Motorräder? In einer so kleinen Manege? Dachte ich: Aber es gibt ja noch die dritte Dimension:
Sehr beeindruckend auch das Wheel of Death (Todesrad):
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Tags: Globe of Death, Hochseil, Kolumbien, Los Talento Star, Slasa, The robles, Todesrad, Wheel of Death, Zirkus Barum
Jan. 6
Gepostet von Carsten in Brasilien, Hessen, Ist das Kunst, oder kann das weg? | 1 Kommentar
Gestern war ich in Frankfurt in der Schirn und habe dort zwei Ausstellungen gegeneinander antreten lassen: GÉRICAULT. BILDER AUF LEBEN UND TOD gegen BRASILIANA. INSTALLATIONEN VON 1960 BIS HEUTE
Ich halte viel vom innovativen / künstlerischen Potential Brasiliens (insbesondere seit ich Vílem Flusser gelesen habe, aber auch durch meine eigenen – nicht repräsentativen – Aufenthalte dort) und die Ausstellung Brasiliana war zum letzten Mal geöffnet. Also höchste Zeit! Die Schirn hatte ich durch die Yoko Ono-Ausstellung noch sehr positiv in Erinnerung. Die Géricault-Ausstellung habe ich dann erst zufällig beim Besuch der Schirn-Web-Seite entdeckt und was ich dort las, klang sehr interessant. Als sie mir dann auch noch von Peter Brunner empfohlen wurde, war klar: Die will ich auch sehen!
Natürlich handelt es sich um ein ungleiches Duell: Sie unterscheiden sich drastisch sowohl in der Zeit in der und den Orten, an denen die Werke geschaffen wurden, den Methoden, als auch in der Größe und der Anzahl der Exponate. Théodore Géricault lebte von 1791–1824 in Frankreich und England und hat gemalt und gezeichnet. Die Brasilianer haben ihre Werke (8 großräumige (Multi-Media-) Installationen) seit 1960 erschaffen.
Aufgrund der Schwere des Thema habe ich Géricault den Vortritt gelassen – ob meine Bewertung anders ausgefallen wäre, hätte ich die andere Reihenfolge gewählt, kann ich nicht sagen. Beide Ausstellungen enthielten Werke, die mir gar nichts sagten, beide enthielten aber auch Werke, die mich stark beeindruckten.
Die Géricault Ausstellung rückt zwei Themenkomplexe des bedeutenden französischen Malers der romantischen Schule in den Mittelpunkt: Das physische Leiden des modernen Menschen sowie die psychische Qual, die seine Porträts von Geisteskranken zeigt. Diese damals komplett neuartigen Darstellungen von existenziellen Situationen, von Wahnsinn und Krankheit, von Leiden und Tod stehen beispielhaft für Géricaults besondere Modernität, die solchen mit Abscheu und Ekel besetzten Themen eine verstörende Aktualität verleiht. Angesiedelt zwischen einem romantischen Geschmack an Horror und dem unsentimentalen Blick der Wissenschaft bieten Géricaults Bildern von Tod und Wahnsinn einen faszinierenden Einblick, wie in dieser Zeit die Wahrnehmung des modernen Menschen entstand.
Bei seinen frühen Soldaten- und Kriegsbildern tritt wohl Kunsthistorisch (las ich, ich bin da keine Experte) zum ersten Mal das Leid des einfachen Soldaten vor die Darstellung der Schlachten, Feldherren und Könige. Mehrfach fühlte ich mich an das Werk des – viel, viel später aktiven – deutschen Zeichners A. Paul Weber erinnert, der ähnliche Themen, Motive und Stilmittel nutzte, um in seinen Bildern eine politische Aussage zu transportieren.
Der besondere Verdienst der Schirn liegt bei dieser Ausstellung darin, nicht nur Werke Géricault auszustellen, sondern sie zum einen in einen Kontext zu anderen Kunstwerken ähnlich arbeitender Zeitgenossen zu stellen, die in nicht geringer Zahl in der Ausstellung zu sehen sind und von denen einige (besonders faszinierend!) der todkranken bzw. sterbenden Géricault zeigen. Dabei sind auch erste Fotografien von Geisteskranken, die ich mindestens genauso faszinierend fand, wie die Zeichnungen und Gemälde (aber ich bin halt Fotograf). Zum Anderen hat die Schirn auch historische medizinische Fachbücher und Modelle der entsprechenden Zeit in die Ausstellung aufgenommen, die die gleichen Themen aus wissenschaftlicher Perspektive zeigen – deren – oft namenlose – Schöpfer aber offensichtlich genauso fasziniert waren.
Ein toller Ansatz. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Januar zu sehen.
Da wo die absolute Stärke der Géricault-Ausstellung liegt, liegt ausgerechnet die größte Schwäche der Brasiliana-Ausstellung.
Angesichts des großen Zeitraumes (63 Jahre – Géricault ist gerade einmal 31 Jahre alt geworden), der geringen Zahl der Exponate, der unglaublichen Größe des Landes Brasilien, der massiven wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zerrissenheit des Landes sowie der extrem bewegten Geschichte Brasiliens und der der Welt außen herum
(nur zur Erinnerung, in diese Zeit fällt z.B.:
Tags: Brasiliana, Cido Meireles, Géricault, Henrique Oliveira, Kunst, Schirn
Jan. 2
Gepostet von Carsten in Home Improvements, Ist das Kunst, oder kann das weg?, Me, myself & I | Keine Kommentare
Willkommen in 2014!
Ich hoffe, ihr seid genauso toll rübergekommen wie ich. Von der Party bin ich noch ein wenig groggy, aber das wird sich legen. Super spannende Leute kennengelernt! Wow!
Hier geht es weiter, mit Kunst, Kultur, Musik, Essen, Technik, Darmstadt und natürlich auch Politik. Tippfehler im Preis enthalten, solange ich mir keinen Korrekturleser leisten kann.
Zu Weihnachten habe ich diesen 2014er-Kalender bekommen:
Nicht exakt mein Geschmack, aber interessant. Bin am überlegen, ob und wie ich diese Eindrücke mit euch teile – ohne die Rechte der Eigentümer der Rechte zu verletzen. Vielleicht inszeniere ich das irgendwie. Mal sehen.
Und meine Filmkurzkritiken will ich überarbeiten. Aber ich bin da zerrissen. Idee: Ich frage euch! Würdet ihr abstimmen? Ich weiß ja, ihr seid online sehr schüchtern – aber ein kurzer Klick?
Whats new @ Neun mal Sechs? Nun, erwartet Postings über Tango Argentino und Spanisch.
Anyway: Welcome on board of Flight 2014 to the Future. Please stop smoking and fasten seat belts. The crew of Neun mal Sechs wishes you an incredible flight and many new experiences! Kick it! Go for it! Shake it! The future is wide open!
Tags: Darmstadt, Essen, Kultur, Kunst, Musik, Politik, Technik
Okt. 13
Gepostet von Carsten in Darmstadt, Ist das Kunst, oder kann das weg? | Keine Kommentare
Erschreckend, schmutzig, faszinierend. Wenn die Ausstellung „Das dystopische Darmstadt“ Recht behält, dann wird das Darmstadt der Zukunft keineswegs grün sein. Sondern grau-blau-braun. Hässliche und ästhetisch-schöne Wolkenkratzer werden sich darin abwechseln, Lui und Fünf-Finger-Turm zu überragen. Seltsame Gestalten werden über die dreckigen Plätze und in den Schluchten wandeln. Wer es sich leisten kann, wird keinen Fuß auf diesen schmutzigen Boden setzen, sondern sich schwebend zwischen oder über den futuristischen Bauten bewegen.
Natürlich wird sie nicht Recht behalten. Jede utopische oder dystopische Fantasie lag bisher falsch. Ja, muss falsch liegen, denn allein ihre Darstellung und Verbreitung erzeugt Reaktionen und Veränderungen – fordert das Denken, verändert die Diskussionen, beeinflusst Entscheidungen. Manchmal führen Dystopien dazu, da Dinge nicht geschehen. Manchmal dazu, das Dinge erst später geschehen. Manchmal nur dazu, das schreckliche Dinge anders getan, besser verborgen oder geschickter gerechtfertigt werden.
Zum Beispiel George Orwells 1984: Das ist nicht eingetreten. Jedenfalls nicht so. Der Staat verbreitet kein einzig gültige Wahrheit, der Fernseher ist keine Überwachungsgerät geworden, und Gegner werden nicht mit Ratten gefoltert. Nein, so ist es nicht gekommen. Vielmehr gibt es heute viele Wahrheiten und Meinungen, überwacht werden wir über unsere Telefone und Computer und Waterboarding ist von US Juristen zur akzeptablen Verhörmethode erklärt worden.
Ja, alle dystopischen Gedankenspiele sind dazu verdammt, falsch zu liegen. Trotzdem sind sie ein guter Anlass, darüber nachzudenken, in was für einer Welt wir und unsere Nachkommen leben wollen.
Die Fotos von Carsten Buchholz setzen dabei an der Gegenwart an und bilden lediglich ab, was bereits geschaffen wurde. Real existierende dystopische Elemente und Ansichten hat er in Darmstadt, aber zum Beispiel auch in Frankfurt, Berlin, Hamburg, Schanghai und Peking gefunden und gelegentlich durch Spiel mit Nähe, Licht, Perspektiven und Farbwerten weiter verfremdet. Elemente, die um sich greifen können oder ins heile Darmstadt hereinschwappen könnten. Die Besucher dürfen keine Kunstfotografie, eine durchgängige ästhetische Linie erwarten, sondern eine Sammlung von sehr unterschiedlichen,
dokumentarischen Fotos, vieles wenig überraschend, manchmal irritierend, immer dunkel und gelegentlich amüsant.
Die Zeichnungen von Ingo Lohse dagegen sind große Kunst und folgen einer klaren ästhetischen Linie, Comic-Freunde erkennen hier auf jeden Fall Elemente von Möbius und Seyfried wieder, aber auch aus der deutschen U-Comix Szene und japanischen Meistern. Dennoch schafft Ingo Lohse mit großer Detailbesessenheit und sehr ungewöhnlichen, zukunftsweisenden Ideen hier eine ganz eigenen, unverwechselbaren Stil.
L
ohses – vollständig in Schwarz-Weiß gehaltenen – lebendige Stadtbilder sind um Wahrzeichen und Marken der Stadt Darmstadt herum komponiert und vereinen faszinierende, erschreckende, schöne und hässliche Elemente in einem einzigen Bild. Genauso sehr man sich wünscht, dass Darmstadt nie so wird, genauso sehr reizt es den Betrachter (also: mich) diese Stadt zu betreten und zu erkunden (und natürlich zu fotografieren).
Daneben zeigt Ingo Lohse auch die Menschen der Zukunft in – ebenfalls Schwarz-Weiss gehaltenen – Ganzkörperstudien sowie in 12 farbigen Portraits. In den Ganzkörperstudien schützen sich die Menschen durchgängig mit Masken (vor der salz-haltigen Luft?), der Fokus liegt auf der Mode und den Accessoires. Hier können sich Modeschöpfer noch einige wirklich innovative Ideen klauen.
Bei den farbigen Portraits liegt der Schwerpunkt auf ausdrucksstarken (weiblichen?) Gesichtern, Body-Mods und -Extensions sowie Hutmode. Dabei ist der Übergang zwischen Body-Extensions und Hutmode fließend und stellt den Betrachter manchmal vor interessante Rätsel.
Unplausibel ist übrigens bei Lohses Menschenstudien, dass er für die Zukunft ausschließlich die gemäßigten Rank-und-Schlank-Modelle des Homo Sapiens berücksichtigt. Wenn die Zukunft so krass ist wie beschrieben, dann wird in der Zukunft vom Anorexischen Modell bis zur Jabba-the-Hood-Variante alles vertreten sein.
Trotz aller cooler Outfits und idealer Figur fällt jedoch auf: Keiner dieser Menschen der Zukunft sieht glücklich aus. Ist das unsere Zukunft: Fast unbegrenzte Möglichkeiten, uns selbst zu „gestalten“, doch keine macht uns wirklich glücklich?
Inspirationen zu solchen Fragen bietet die Ausstellung auf vielfältige Weise. Auch weil sie kein Konzept-Ausstellung ist: Die Fotos zeigen keine einheitliche Linie und kein ästhetisches Muster, sondern sind offensichtlich eine Zusammenstellung von zum Thema passenden Fotos aus sehr verschiedenen Kontexten und von sehr unterschiedlicher Qualität. In der Kombination mit Lohses Zeichnungen lädt dieses aber zum individuellen Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden ein.
Noch spannender hätte eine Kombination von Fotos und Zeichnung in einem Bild werden können, wenn die beiden Aussteller vor der Ausstellung dafür Zeit gefunden hätten. Aber das kann auch eine Folge der Ausstellung werden.
Bei der Vernissage las außerdem Tobias Reckermann von der Gruppe „whitetrain“ den Science Fiction Text „CityWatch“ – eine sehr amüsante Schilderung eines Rundgangs durch das Darmstadt im Jahr 2113, die auch soziale und politische Konflikte darstellt. Eine tolle Ergänzung zur Ausstellung, auch wenn der junge Autor sprachlich noch recht konventionell schreibt und inhaltlich vor allem bekannte Muster, Konflikte und Verschwörungstheorien in die Zukunft extrapoliert und mit seinen Visionen nicht wirklich überrascht.
Fakten zur Ausstellung:
Tags: Carsten Buchholz, Comics, DDD, dystopisches Darmstadt, fotos, Ingo Lohse, Science Fiction, Vision, Zeichnungen, Zukunft
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