von Arthuro de las Cosas

Blaues Wasser unter weißer Sonne.
Weiße Häuser.
Weiße Wände.
Gedeckte Tische warten auf den Abend.

Draußen treibt etwas auf dem Meer.

Das stille Meer bringt alles zurück.
Plastik und Holz.
Schaum und Haut.
Eine rote Jacke.
Ein einzelner Schuh.

Die Möwen kommen später.

Die Olivenbäume glänzen im Licht.
Die Hotels öffnen ihre Türen.
Der Kaffee ist heiß.
Der Morgen ist klar.

Niemand fragt,
was in der Nacht angekommen ist.

Das stille Meer sagt nichts.
Es trägt die Namenlosen heran
und nimmt ihre Namen wieder mit.

Kein Grab im Dorf.
Keine Glocke.
Kein Schild.

Nur eine Zahl,
wo vorher ein Mensch war.

Weiter im Norden
frieren die Wälder.

Menschen gehen zwischen den Bäumen,
leise,
damit niemand sie hört.

Draht glänzt im Mondlicht.
Stiefel stehen im Schnee.

Die eine Seite sagt:
Bleibt dort.

Die andere sagt:
Geht zurück.

Ein Kind lernt Grenzen,
ohne je eine Karte gesehen zu haben.

Eine Mutter schläft
im Mantel.

Der Wald hat Zeit.
Der Winter auch.

Europa ist warm
auf der anderen Seite des Zauns.

Das stille Meer.
Der gefrorene Boden.
Das geschlossene Tor.
Die gefundenen Körper.

Der Regen nimmt die Spuren.

Der Wind nimmt die Namen.

Die Sonne bleicht die Rettungswesten.

Und niemand
war verantwortlich.

Morgen fahren die Fähren wieder.

Morgen liegen Menschen am Strand.

Morgen öffnen die Cafés.

Morgen werden die Fahnen wieder hängen,
sauber und blau
über den Grenzen.

Und Europa wird fragen:

Warum
ist das Wasser
so kalt?

Siehe auch:

Vorstellung Arthuro de las Cosas

Bisher veröffentlichte Texte von Arthuro de las Cosas hier im Blog:

Deutsch

Die Tage der Schildkröte

The DeeJay is my Doctor

Gas A

Supernova

Endlich wieder Kriege führen

Todfeinde zu unseren Gunsten

Schwerer Rückfall

Die Sehnsucht des Dichters nach dem .

Englisch

Silence of the sheep

in music

crazy me

There is more to life

w/ and w/out you

Murder my Sweet

memories of the blazing sun