Charles Hoskinson
Charles Hoskinson – leading the research, design and development of Cardano

Ich habe mich aus Zeitgründen (Corona, Wahlkampf, spannende Projekte im Job) in letzter Zeit weniger mit der Blockchain Szene beschäftigt, auch wenn ich natürlich die neuen Trends, Schlagworte und Coins mitbekommen habe, die so kursieren. Aber Zeit um einen Blick auf die Realität hinter den Worten zu werfen, habe ich selten gefunden.

Das will ich jetzt wieder ändern und dieser Artikel soll der erste Schritt dazu sein.

Die Krypto-Währung ADA (basierend auf der Cardano-Blockchain) hat es in Top-Ten-Listen der Kryptos geschafft und die Meldungen, die mir so unterkamen, klange nicht wie Hype, sondern klangen recht fundiert – daher hab ich Cardano als mein erstes Studienobjekt auserwählt.

Begrenzte Aussagekraft

Die hier veröffentlichten Informationen sind nur die Ergebnisse einer ersten Recherche, nichts als ein erster Eindruck, der sich aus begrenzten Quellen speist und sind keinesfalls als eine abschließende Bewertung zu verstehen. Eine fundierte Bewertung benötigt die Auswertung von deutlich mehr Quellen und eine längere Beobachtung.

Ich werde diesen Artikel daher in Zukunft möglicherweise updaten oder eine neue Bewertung schreiben.

Quick Scam-Check

Bei allen Kryptos gilt mein erster Blick immer der Frage: Könnte es eine Betrugsmasche sein?

Die Cardano Webseite ist umfangreich mit technischen Informationen, aber auch konkreten und glaubwürdigen Anwendungs-Szenarien gefüllt. Nicht immer gut strukturiert, aber die Macher haben scheinbar viel mitzuteilen.

Die Seite ist professionell und durchaus werblich gemacht, aber nicht mit Marketing- und Hype-Floskeln überladen. Vor allem gibt es kein MLM-Programm.

Die Seite ist nicht anoym, auch wenn es nicht einfach ist, sich zu den Menschen hinter Cardano (mit Namen und Bildern) duchzuklicken. Hier sind zumindest keine großen Egos am Werk. Was irritierend ist, ist das es kein Impressum gibt – aber das kann daran liegen, dass es sich um eine internationale, dezentrale, rein virtuelle Organisation handelt – da ist nicht mal klar, welches Rechtssystem greift und ob eine Impressumspflicht besteht / üblich ist (mehr Details zur Organisationsform s.u.). Nutzungsbedingungen und Datenschutz-Informationen sind jedoch sorgfältig erstellt und originär (nicht einfach irgendwo kopiert).

Die Code-Basis ist auf Github einsehbar und bekommt (seit 2017) regelmäßig Updates.

Soweit also keines der typischen Anzeichen für eine Betrugsmasche gefunden. Was keine Sicherheit bedeutet – aber zumindest den Aufwand einer weitergebenden Analyse rechtfertigt.

Die Nakamoto-Analyse

Diese Analyse – angelehnt an die Ansprüche im Bitcoin-Whitepaper – erlaubt eine erste Einordnung in das Feld der Kryptowährungen:

Dobble-Spending
Sicherheit
Theoretisch: Ja
Prakisch: ca. 3 Jahre (?)
TransaktionsbestätigungProof-of-Stake
Coin Mengemax. supply 45.000.000.000 ADA
(unbelegt)
DezentralAngestrebt, aber
nicht erreicht
Open SourceJa
AnonymitätJain, ähnlich Bitcoin.

Kern-Ziele von Cardano

Logo Cardano
  • Skalierbarkeit – hier will Cardano klar aus den Schwächen der Blockchain-Technologien von Bitcoin und Ethereum gelernt haben.
  • Smart Contract: Cardano versteht sich als effiziente Plattform für die Digitalisierung von Verträgen.
  • Begrenzung von Skaleneffekten bei den Rewards: Anders als bei Bitcoin und Etherium sollen bei Cardano größere Pools nicht überproportional mehr Rewards bekommen – es gibt einen Cap.

Weitere Fakten

Durch die Verwendung des Proof-of-Stake Mechanismus vermeidet Cardano die Energie-Verbrauchs-Debatte von Bitcoin.

Es gibt zwei Ada-Wallets:

  • Daedalus Wallet (Desktop Wallet für Windows, Mac und Linux) (Open Source)
  • Yoroi (Light Wallet als Browser-Plug-In für Chrome, Firefox, Edge, Android und iOS) (Angeblich Open Source – aber ich habe bisher keine Source Quelle gefunden.)

Eine Einbindung in Trezor scheint angestrebt zu sein.

Gebühren einer Transaktion: Mindestens 0,155381 ADA (plus eine Gebüht pro Byte-Transaktiongröße) (also derzeit ca. 20 Cent). Das klingt nicht viel, ist aber zu viel für Micropayments (ein wichtiger Aspekt bei Smart Contracts, für die ADA damit definitiv nicht geeignet ist) und wird mit einem steigenden Kurs natürlich immer mehr. Unklar ist, wie sich die Gebühr “dezentral” bestimmt.

Die Weiterentwicklung von Cardano ist in Phasen mit “catchy” Namen unterteilt, die sog. Roadmap gibt jedoch keinerlei Zeiträume an, wann die Phasen abgeschlossen sein sollen.

Organisation

Haupt-Webseite: https://cardano.org/

Die Cardano Foundation (mit Sitz in der Schweiz) ist Eigentümerin der Markenrechte an Cardano und auch rechtliche Eigentümerin des Protokolls. Ihr fließen die für die Weiterentwicklung gedachten Erlöse von Cardano zu. https://cardanofoundation.org/ (Rechtsform und Eigentümerschaft unbekannt)

EMURGO ist eine kommerzielle Einheit mit Niederlassungen in Singapore, Japan, the USA, India, and Indonesia, die sich an Firmen wendet, die Cardano nutzen wollen. https://emurgo.io/ (Rechtsform und Eigentümerschaft unbekannt)

IOHK is a technology and engineering company that builds cryptocurrencies and blockchains for academic institutions, enterprise, and government entities. IOHK is contracted to design, build, and maintain the Cardano platform. https://iohk.io/ (Rechtsform und Eigentümerschaft unbekannt)

Die Community versammelt sich unter https://forum.cardano.org/ – Userzahl unbekannt – ich würde auf ca. 5.000 aktive Nutzer:innen im englischsprachigen Teil tippen, im deutschsprachigen Bereich vielleicht1.000. Außerdem gibt es Foren auf Japanisch, Koreanisch, Chinesisch, Spanisch und Portugisisch.

Wichtig ist noch zu verstehen, dass Cardano nicht dem anarchistischen Ansatz von Bitcoin (“be your own bank”) folgt, sondern ausdrücklich mit Regierungen und Regulierungsbehörden zusammenarbeiten will und sich Geschäft aus der Zusammenabrbeit mit dem Bankensektor erhofft.

Bewertung

(vorläufig, auf Basis der bisher gefundenen Informationen)

Cardano hat von der Technology, dem Team und der Marketing-Power das Potential zum ernsthaften Herausforderer von Ethereum zu werden. Besonders, weil es da ansetzt, wo Ethereum seine bisher größte Schwachstelle offenbart hat: Der Skalierbarkeit.

Denn sowohl Bitcoin als auch Ethereum sind (obwohl sie sich als Herausforderer des gobalen Bankensystems verstanden) schon nach relativ kleinen Adaptions-Erfolgen an die Grenzen der Benutzbarkeit gestossen – die Transaktionsgebühren sind in einen Bereich gestiegen, der normale Geschäftstransaktionen unrentabel macht. Bitcoin hat das inzwischen (zumindest vorläufig) in der Griff bekommen und viele Bitcoin Anhänger sind inzwischen davon weg, Bitcoin als Zahlungsmittel zu sehen und fokussieren auf seine Wertaufbewahrungsfunktion (als Alternative zu Gold). Ethereum dagegen steckt tiefer im Gebühren-Sumpf denn je: Erst neulich wollte ich eine Transaktion im Wert von rund 2k€ tätigen – und sollte etwa den gleichen Betrag an Gebühren bezahlen. Hab ich dann natürlich nicht gemacht.

Insofern hat Cardano hier viel Raum (und Aufmerksamkeit) um sich besser zu positionieren. Ob das Konzept trägt? Das vermag ich heute noch nciht zu bewerten. Es könnte auch so kommen, wie bei ewigen Wunderkind IOTA, dass trotz ständigen Kooperationsankündigungen mit prominenten Partnern technisch nicht von der Stelle zu kommen scheint.

Bisher jedenfalls ist die Cardano Blochchain eine “Ghostchain”, die kaum Transaktionen aufweist und die Smart Contract Technik ist noch in der Entwicklung. Insofern ist der aktuelle Ada-Kurs von rund 1 Euro noch als Spekulation auf das Potential zu verstehen.

Größter Kritikpunkt an Cardano ist für mich die Behauptung von Dezentralität. Zwar wird versichert, das die “Community” über die zukünftige Entwicklung abstimmen dürfe – aber Details dazu, wie, wer und nach welchen Verfahren abstimmen darf, habe ich bisher nicht gefunden. Hinzu kommt die undurchsichtige Stuktur mit der Foundation und zwei Firmen. Weder die Machtverteilung und Entscheidungskompetenzen zwischen ihnen sind transparent, noch welche Gesellschaftsformen sie haben und wer die Eigentümer:innen sind.

Wenn ich wetten dürfte, dann würde ich vermuten, die wahren Entscheidungen werden in der IOHK (Input-Output HK – Hong Kong?) beim Gründer Charles Hoskinson gefällt (hier werden auch eine große Zahl von Entwickler:inne:n u.a. beschäftigt). Und die Foundation ist eher sowas wie eine Frühstücks-Foundation. Aber das ist natürlich reine Spekulation (und zeugt vermutlich mehr davon, wie ich es organisieren würde 🙂 ). Und: Bei Ethereum ist das durchaus ähnlich.

Was mich auch irritiert: Welche unelegante Methode gewählt wurde, um den Skaleneffekten beim Staking zu begegnen. Von einem Team, dass so viele Ökonomen und IT-ler vereint, hätte ich mehr erwartet – zumal die Methode durch die Gründung mehrerer Pools super-leicht auzuhebeln ist.

Next Steps

Ich werde mir noch mehr der offiziellen Cardano Dokumentation zu Gemüte führen und mich mit dem ADA-Staking in Theorie und Praxis beschäftigen.

Aber vor allem noch ein paar weitere Analysen wie diese machen.

Update 30.3.2021: Ich hab das Daedalus Wallet installiert. Unter Windows hat es nicht erkannt, dass ich einen Account verwende, der keine Admin Rechte hat und hat die Installation ohne Meldung abgebrochen (statt die Windows Methode zur Installation mit Admin-Rechten zu verwenden). Das war schwach. Die Security-Maßnahmen wurde sehr gut impementiert. Das Laden der Blockchain dauerte bei mir (via VPN) ca. 7h. Das UI sieht auf den ersten Blick sehr gut und verständlich aus.

Disclaimer: Was ich hier über Kryptowährungen & Blockchain-Technologie schreibe, bedeutet weder Zustimmung oder Ablehnung zu diesen Technologien. Ich betrachte sie wie das Rad, den Buchdruck, die Elektrizität und das Internet: Innovationen, mit denen wir umgehen müssen – persönlich, politisch und gesellschaftlich. Und dazu müssen wir sie verstehen.

Disclaimer 2: Ich habe in die in diesem Artikeln genannten Krypto-Währungen investiert und profitiere daher von einem Kursanstieg.