Artikel getaggt mit Michael Kolmer

Erst Osthang getötet, dann Besucherzentrum ins Koma versetzt

Erst räumen, roden und Millionen ausgeben – dann nachdenken

Dass die Mathildenhöhe zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde, war ein großer Erfolg für Darmstadt. Weltweite Aufmerksamkeit für die kulturelle Geschichte der Stadt – maßgeblich vorangetrieben unter dem grünen Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Mathildenhöhe Darmstadt. Foto: Ikar.us / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 DE

Doch dieser Erfolg trug einen giftigen Stachel in sich: das geplante Informationszentrum am Osthang.

Der Auftrag, Besucher über die Bedeutung des Jugendstils und des Welterbes zu informieren, ist verständlich und sinnvoll. Zweifelhaft war dagegen immer, ob dafür tatsächlich ein Neubau auf einem grünen Gelände mitten im Wohnviertel notwendig ist.

Die Darmstädter Grünen haben diesen Neubau lange vehement vertreten. Die CDU stellte sich dahinter. Auch Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) verteidigte das Projekt. Noch am 13. Februar 2026 erklärten Benz, Stadtplanungsdezernent Michael Kolmer (Grüne) und Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey (CDU) gemeinsam, das Informationszentrum sei ein zentraler Baustein des Welterbes.

Erst einmal räumen und roden

Dabei gab es in Darmstadt (aus verschiedenster Motivation) lautstarken Protest: Bis zuletzt versuchten Umweltaktivisten und Vertreter einer Kulturinitiative die Rodung der Bäume auf dem Gelände am Osthang in Darmstadt zu verhindern. Doch am im Februar schickte die Stadt Darmstadt rund 200 Einsatzkräfte der Polizei um den Weg für die von der Stadt geplanten Arbeiten freizumachen.

Noch am selben Tag begann die Rodung.

13 Bäume fielen.

Der alternative Kulturort am Osthang war damit Geschichte. Das Gelände wurde zur Baustelle.

Und dann?

Dann passiert erst einmal nichts.

Sechs Monate später folgt plötzlich die halbe Kehrtwende.

Am 17. August 2026 verkündet OB Benz: Die bisherige Planung wird gestoppt.

Nicht wegen einer überraschend entdeckten Fledermaus. Nicht wegen eines Gerichtsurteils. Nicht weil die UNESCO plötzlich neue Anforderungen gestellt hätte.

Sondern unter anderem wegen Fragen, die man normalerweise vor Baubeginn klärt:

  • Was wollen wir den Besuchern eigentlich vermitteln?
  • Was brauchen wir dafür?
  • Und welches Gebäude – wenn überhaupt – brauchen wir dazu?

Benz und Wandrey räumen nun selbst ein, dass die Reihenfolge falsch war: Erst wurde ein Gebäude geplant, obwohl noch gar kein Vermittlungskonzept vorlag.

Hä? WTF – OB Benz und die CDU brauchen dazu 6! Monate?

Hinzu kommt eine Kostenexplosion. Aus ursprünglich rund sechs Millionen Euro sind inzwischen 21 Millionen Euro geworden. Bislang sind für Planung und Bauvorbereitung bereits rund vier Millionen Euro ausgegeben worden.

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Vor dem Gesetz sind alle gleich, aber manche sind gleicher

In meiner Jugend gab es zwei Sprüche, die diametral gegeneinander standen:

Legal, illegal, scheißegal

und

Wer sich nicht an Regeln halten will, soll doch nach „drüben“ gehen.

Ersteres kam aus den links-radikalen Kreisen der Universitäten, zweiteres aus den damals einzig relevanten Parteien CDU, SPD und FDP (die Grünen waren damals erst am Entstehen). Mit „drüben“ war übrigens (für die jüngeren Leser:innen) die DDR gemeint.

Während mir damals Erstere emotional näher standen als Zweitere, habe ich seither doch einiges dazu gelernt. Dazu gehört (u.a.):

  • Nicht alle Regeln sich automatisch richtig (und/oder notwendig)
  • Regeln sind dennoch wichtig für die Demokratie – denn sonst regiert das „Recht des Stärkeren“
  • Die, die Regeln machen, müssen besonders an sie gebunden sein.

Aber auch Parteien von damals scheinen sich – zumindest in Darmstadt – verändert zu haben. In die andere Richtung.

Was passiert ist und warum das wichtig ist

Vor der Oberbürgermeister:innen-Wahl in Darmstadt, bei der insgesamt 12 10 Kandidat:inn:en antreten, haben die Bewerber von CDU, SPD, FDP, Grünen, Volt und Freie Wähler mit dem Plakatieren begonnen, bevor das erlaubt ist. Und da der Termin klar kommuniziert war (mehr dazu weiter unten) handelt es sich hier um kein Versehen, sondern um ein gezieltes Vorgehen, um den anderen Bewerber:innen die besten Plakatplätze wegzunehmen. Warum ein solcher Regelverstoß keine ignorierbare Kleinigkeit ist:

  1. Angesichts der Bewerber:innenzahl ist mit einem knappen Entscheid darüber zu rechnen, wer in die Stichwahl kommt. Zur Wahrung der Chancengleicheit ist ein einheitlicher Starttermin wichtig. Da zeigen ausgerechnet die Kandidaten, die bereits mit der besten Finanzausstattung in den Wahlkampf gehen, das ihnen sowas egal ist. Hauptsache: MACHT.
  2. Drei der hier illegal Handelnden (Michael Kolmer, Paul Georg Wandrey, Holger Klötzner) sind als hauptamtliche Dezernenten bereits Angestellte der Stadt Darmstadt. D.h. wir Bürger:innen zahlen ihr Gehalt. Und sie sollten damit der Einhaltung der Regeln besonders verpflichtet sein. Scheißegal?
  3. Das Handeln im Wahlkampf ist immer auch ein Spiegel auf die zu erwartende Amtsführung. Wie wird jemand, der bereits im Wahlkampf einfache Regeln missachtet (und damit durchkommt), erst als Oberbürgermeister mit Recht und Gesetz umgehen? Die Ignoranz von Herrn Rafael Reisser (CDU) gegenüber den Regeln des Rechtsstaates hat die Darmstäder:innen mehr als 165.000 Euro gekostet (zzgl. öffentliche Bloßstellung). Und die Herrlichkeit eines Peter Feldmann, der meinte, Regeln gülten für ihn nicht, ist kürzlich in Frankfrurt als teure Peinlichkeit (inkl. Abwahl und Verurteilung) zu Ende gegangen.

Dennoch unterscheidet sich die Schwere der Taten im Einzelfall:

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