Der Markt baut keine Atomkraftwerke

Neubau im Vergleich: Während Wind- und Solaranlagen schrittweise Strom liefern, bindet ein Atomkraftwerk über Jahre enorme Kapitalmengen.

Atomstrom scheint billig. Jedenfalls dann, wenn das Kraftwerk bereits gebaut und bezahlt ist. Wenn jahrzehntealte Reaktoren mit neuen Windrädern und Solaranlagen verglichen werden, gewinnt die Atomkraft deshalb regelmäßig.

Das ist ungefähr so überraschend wie die Feststellung, dass das Wohnen im abbezahlten Elternhaus billiger ist als ein Neubau.

Hier soll es deshalb ausschließlich um neue Kraftwerke gehen: Wenn heute zusätzliche CO₂-arme Stromerzeugung benötigt wird, lohnt es sich dann wirtschaftlich, ein neues Atomkraftwerk zu bauen – oder sind Wind- und Solarenergie selbst dann günstiger, wenn man Netze, Speicher und Reservekraftwerke mitrechnet?

Die klare Antwort lautet: Neue Atomkraftwerke rechnen sich nicht. Wind- und Solarenergie sind auch einschließlich ihrer Systemkosten die wirtschaftlichere Lösung.

Der Trick mit den unterschiedlichen Kosten

In der Diskussion werden gerne zwei verschiedene Rechnungen miteinander verglichen.

Bei Wind- und Solarenergie werden auf den Erzeugungspreis noch Netzausbau, Speicher, Reservekraftwerke, Einspeisevergütung und gelegentlich auch die Kosten einer vollständigen Dunkelflaute addiert.

Bei der Atomkraft wird dagegen häufig nur auf die Produktionskosten bestehender Reaktoren verwiesen. Netzanbindung, Reserveleistung, Finanzierung, Rückbau, Endlagerung und Unfallrisiko verschwinden aus der Rechnung.

Das ist kein Vergleich. Das ist Buchhaltung mit politischer Absicht.

Wer wissen will, welche Technologie heute wirtschaftlicher ist, muss neue Anlagen mit neuen Anlagen vergleichen – und bei allen Technologien dieselben Kosten berücksichtigen.

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Erst Osthang getötet, dann Besucherzentrum ins Koma versetzt

Erst räumen, roden und Millionen ausgeben – dann nachdenken

Dass die Mathildenhöhe zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde, war ein großer Erfolg für Darmstadt. Weltweite Aufmerksamkeit für die kulturelle Geschichte der Stadt – maßgeblich vorangetrieben unter dem grünen Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Mathildenhöhe Darmstadt. Foto: Ikar.us / Wikimedia Commons, CC BY 3.0 DE

Doch dieser Erfolg trug einen giftigen Stachel in sich: das geplante Informationszentrum am Osthang.

Der Auftrag, Besucher über die Bedeutung des Jugendstils und des Welterbes zu informieren, ist verständlich und sinnvoll. Zweifelhaft war dagegen immer, ob dafür tatsächlich ein Neubau auf einem grünen Gelände mitten im Wohnviertel notwendig ist.

Die Darmstädter Grünen haben diesen Neubau lange vehement vertreten. Die CDU stellte sich dahinter. Auch Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) verteidigte das Projekt. Noch am 13. Februar 2026 erklärten Benz, Stadtplanungsdezernent Michael Kolmer (Grüne) und Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey (CDU) gemeinsam, das Informationszentrum sei ein zentraler Baustein des Welterbes.

Erst einmal räumen und roden

Dabei gab es in Darmstadt (aus verschiedenster Motivation) lautstarken Protest: Bis zuletzt versuchten Umweltaktivisten und Vertreter einer Kulturinitiative die Rodung der Bäume auf dem Gelände am Osthang in Darmstadt zu verhindern. Doch am im Februar schickte die Stadt Darmstadt rund 200 Einsatzkräfte der Polizei um den Weg für die von der Stadt geplanten Arbeiten freizumachen.

Noch am selben Tag begann die Rodung.

13 Bäume fielen.

Der alternative Kulturort am Osthang war damit Geschichte. Das Gelände wurde zur Baustelle.

Und dann?

Dann passiert erst einmal nichts.

Sechs Monate später folgt plötzlich die halbe Kehrtwende.

Am 17. August 2026 verkündet OB Benz: Die bisherige Planung wird gestoppt.

Nicht wegen einer überraschend entdeckten Fledermaus. Nicht wegen eines Gerichtsurteils. Nicht weil die UNESCO plötzlich neue Anforderungen gestellt hätte.

Sondern unter anderem wegen Fragen, die man normalerweise vor Baubeginn klärt:

  • Was wollen wir den Besuchern eigentlich vermitteln?
  • Was brauchen wir dafür?
  • Und welches Gebäude – wenn überhaupt – brauchen wir dazu?

Benz und Wandrey räumen nun selbst ein, dass die Reihenfolge falsch war: Erst wurde ein Gebäude geplant, obwohl noch gar kein Vermittlungskonzept vorlag.

Hä? WTF – OB Benz und die CDU brauchen dazu 6! Monate?

Hinzu kommt eine Kostenexplosion. Aus ursprünglich rund sechs Millionen Euro sind inzwischen 21 Millionen Euro geworden. Bislang sind für Planung und Bauvorbereitung bereits rund vier Millionen Euro ausgegeben worden.

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Wartelisten

For over 180 years, no country has wanted to voluntarily join the USA. For over 370 years, no country has wanted to voluntarily join Russia.

The EU and NATO, on the other hand, have waiting lists.

Уже более 248 лет ни одно государство не хотело добровольно присоединиться к США. Уже более 370 лет ни одно государство не хотело добровольно присоединиться к России.

А у ЕС и НАТО, напротив, есть очереди на вступление.

Seit über 248 Jahren wollte sich kein Staat freiwillig den USA anschließen. Seit über 370 Jahren wollte sich kein Staat freiwillig Russland anschließen.

Die EU und die NATO dagegen haben Wartelisten.

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Das stille Meer

 von Arthuro de las Cosas

Blaues Wasser unter weißer Sonne.
Weiße Häuser.
Weiße Wände.
Gedeckte Tische warten auf den Abend.

Draußen treibt etwas auf dem Meer.

Das stille Meer bringt alles zurück.
Plastik und Holz.
Schaum und Haut.
Eine rote Jacke.
Ein einzelner Schuh.

Die Möwen kommen später.

Die Olivenbäume glänzen im Licht.
Die Hotels öffnen ihre Türen.
Der Kaffee ist heiß.
Der Morgen ist klar.

Niemand fragt,
was in der Nacht angekommen ist.

Das stille Meer sagt nichts.
Es trägt die Namenlosen heran
und nimmt ihre Namen wieder mit.

Kein Grab im Dorf.
Keine Glocke.
Kein Schild.

Nur eine Zahl,
wo vorher ein Mensch war.

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Wenn Balkendiagramme Kriege mit KI vergleichen

Gelegentlich tauchen Grafiken auf, die auf den ersten Blick spektakulär wirken. Diese hier gehört definitiv dazu:

Sie stellt die Verteidigungsausgaben europäischer Staaten den Investitionen großer US-Technologiekonzerne in KI-Rechenkapazität gegenüber. Das Ergebnis soll offenbar schockieren: Amazon investiert angeblich mehr in KI-Infrastruktur als Deutschland in seine Verteidigung. Microsoft liegt über Großbritannien. OpenAI/Stargate bewegt sich in Größenordnungen, die mit ganzen Nationalstaaten vergleichbar erscheinen.

Die Botschaft ist klar: Die Welt verändert sich. Rechenzentren seien vielleicht wichtiger als Panzer.

Das Problem ist nur: Die Grafik vergleicht Dinge, die nur sehr eingeschränkt vergleichbar sind.

Der größte Balken fehlt

Mein erster Einwand betrifft das Offensichtliche: Wenn man Verteidigungsausgaben diskutieren möchte, dann fehlen in der Grafik die USA. Und zwar nicht irgendein kleiner Akteur, sondern der mit Abstand größte Verteidigungshaushalt der Welt.

Für 2025/2026 liegen die amerikanischen Verteidigungsausgaben bei rund 950 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Damit wäre der US-Balken größer als Amazon, Microsoft, Google, Meta und OpenAI/Stargate zusammen.

Das verändert die Aussage erheblich.

Denn alle hier aufgeführten KI-Investitionen stammen ebenfalls aus den USA. Die Unternehmen profitieren von denselben Kapitalmärkten, derselben Innovationslandschaft, denselben Universitäten, derselben Risikokapital-Kultur und letztlich auch von einem sicherheitspolitischen Umfeld, das durch eben jene US-Verteidigungsausgaben abgesichert wird.

Wer also europäische Verteidigungsetats mit amerikanischen KI-Investitionen vergleichen möchte, müsste eigentlich die EU als Ganzes mit den USA als Ganzes vergleichen. Alles andere verzerrt das Bild.

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Meine eigene Verschwörungstheorie

Dieses und alle weiteren Bilder zu diesem Artikeln wurden mit KI erstellt und sollen lediglich die Argumente illustrieren – sie haben nciht den Anspruch Fakten darzustellen.

Die Erfinder von Verschwörungstheorien nennen ihre Produkte selten selbst Verschwörungstheorien. Meist präsentieren sie sie als Tatsachen, deren Wahrheit angeblich nur von den Mächtigen verschleiert wird.

Dahinter stehen unterschiedliche Motive. Manche Menschen erzählen solche Geschichten aus Spaß an der Provokation. Andere erkennen Muster und Zusammenhänge, die sie mit den verfügbaren Informationen nicht vollständig erklären können. Sie versuchen, Lücken in ihrem Weltbild zu schließen. Problematisch wird es erst dann, wenn aus einer Vermutung Gewissheit wird und alternative Erklärungen nicht mehr zugelassen werden.

Deshalb möchte ich ausdrücklich betonen: Was folgt, ist keine Tatsachenbehauptung. Es ist eine Theorie. Eine unbeweisbare Vermutung. Ein Gedankenspiel anhand beobachtbarer Muster. Sie kann richtig sein. Sie kann falsch sein. Vielleicht ist sie sogar eine klassische Verschwörungstheorie. Aber ich finde sie interessant genug, um sie einmal bis zu ihrem logischen Ende durchzudenken.

Meine nicht beweisbare Theorie zum Ukraine-Krieg

Keine Tatsache. Kein Beweis. Keine geheime Weltregierung im Keller. Keine rauchenden Männer mit Katzen auf dem Schoß.

Aber ein Muster.

Meine Theorie lautet: Es gibt eine Vielzahl von Staaten, Industrien und Machtapparaten, die kein überragendes Interesse daran haben, dass der Ukraine-Krieg schnell endet. Nicht unbedingt, weil sie den Krieg lieben. Sondern weil ein langer Krieg Russland wirtschaftlich, militärisch, politisch, finanziell und industriell maximal ausbluten lässt.

Die Ukraine bekommt Unterstützung. Aber oft gerade so, dass sie nicht untergeht. Nicht unbedingt so, dass sie den Krieg rasch und eindeutig zu ihren Gunsten entscheiden kann.

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El Enganche Initial

I have had the immense pleasure of producing the initial album of the international tango cooperative El Cartel: El Enganche Inicial.

El Cartel started to take shape as a collective in 2020, when Corona shut down most real-world activities. There was the idea of using that time to create a new approach to Argentine tango: an artistic one that questioned all genre limitations. It was not aimed at commercial success or fame, but at artistic expression, learning, and self-realisation. That desire had existed among some of the founders for a long time. There had been attempts before, but in 2020 the time was right.

Since personal meetings were not possible, the initiators began using the digital space to exchange ideas, themes, recordings, and even to play together despite the difficulties. Later, they started sharing tracks that could be mixed into full multi-instrumental pieces.

Because of this way of working, and because there was no need for any fixed commitment, the group quickly grew. It came to include musicians from several countries and from genres far beyond tango. Most of them were bound — legally and/or in terms of time — by other music projects and contracts, regular jobs, family life, and obligations that would have prevented them from formally joining a fixed band.

They came for the exchange, the experimentation, for learning new things, and for the protection the collective provided from commercial demands, conventions, habits, and criticism. Some came simply for the community. Some left with work unfinished. Some paused. Some returned and resumed where they had stopped.

To protect this unique musical laboratory, they created the Manifesto. Because of the professional discretion and informal structure of the project, they called themselves „El Cartel“.

From this core, the project grew in different directions, with different people gathering around different musical themes, instrumental collaborations, and fusion ideas they wanted to explore. Other artists and tango dancers became involved by providing new ideas, contributing lyrics, offering inspiration, and giving feedback.

Some projects diverged completely from tango, only to be drawn back towards it by its integrative power. After all, what song would not gain something from the faint whiff of a tango bandoneón here and there?

But no one was involved in all — or even most — activities anymore. The project became decentralised.

Except for the archive.

The growing collection of individual tracks, mixed recordings, unfinished projects, and beautiful songs remained at its centre. Everyone contributing to the collective could also draw ideas and material from it. And while anyone belonging to the collective could use its ideas, themes, concepts, and inspirations for outside work, the archive itself belongs to the collective.

I happened to know one of the founding artists of El Cartel. It was actually me who — despite his partly Argentine roots — got him interested in tango in all its diversity. Not the dance, as I had originally intended, but the music got to him.

So I had the chance to watch the archive grow and was able to use some of its material as a tango DJ. After years of pleading and begging with the collective to make this fantastic body of work available to a broader public — because nobody was particularly interested in taking on that job — I eventually agreed to do it myself, provided that I had the freedom to make the decisions and set my own timeline.

Over the last few years, I have been sifting through the material, carefully and systematically trying it out as a DJ at milongas, prácticas, and workshops; talking to musicians and joining sessions; trying to understand intentions; and feeding my own ideas for improvements and new songs back into the collective.

From the wide range of material I found — and helped create — I decided to begin publishing a selection of pieces that showed a stronger connection to traditional tango while already displaying the innovative force of El Cartel.

The result is El Enganche Inicial.

It contains some of the oldest songs in the El Cartel archive, but also very recent material that fits right in. It includes tangos, valses, milongas, and candombes — beat-oriented pieces as well as slow, calm, melodic ones. 26 songs, total run time 1h17min. Most of the album is instrumental, but for me the sung pieces are the real pearls of the collection, especially if you have a soft spot for tango canción.

You can buy the album here. Since many of you have followed tis blog and my various tango-related adventures for years, this is my small way of saying thank you: use the coupon code EEI42=9*6ElCartel at checkout before 31 August 2026 and you’ll receive €5 off the album.

If you would like to give something back, please leave a comment telling me what you like and what you don’t like — especially from a dancer’s perspective. It would help and encourage my future production activities.

If you want to hear about future releases, create an account on the page after shopping.

The homepage www.elcartel.band also contains some more songs that may be on future albums.

btw: My DJ / Producer name „El Librillo“ is the translation of my nickname when I was young: „Buchi“.

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Vergleichende Tanzstudie: Osvaldo Pugliese – La Rayuela

„Rayuela“ ist der spanische Name des Kinderspiels, das auf Deutsch als „Himmel und Hölle“ oder „Hickelkasten“ bekannt ist (Bild: Wikipedia CC BY-SA 4.0)

I like a challenge.

So when Melina Sedo aksed:

How danceabe is this Tango?“ about „Osvaldo Pugliese – 1953 – La Rayuela“ I gave my spontaneous opinion:

Demainding, but very cool. Love the twists. Needs the right partner, but a pleasure if I get her/him, pain if not.

But with my curiosity spoked I had to look up what others make of it, and I wasn’t disapointed. First the music: Osvaldo Pugliese – 1953 – La Rayuela (note that there is also a version by Gotan Project – Rayuela)

Here the videos I found – in the rough order how I like them (best first):

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Beim Elchtest fliegt Voto schon raus…

Schwerer, Wahl-verzerrender – methodischer Fehler beim Wahl-Unterstützungs-Tool Voto.

Logo Kommunalwahl Darmstadt

Tools zu Unterstützung der Wahlentscheidung sind gerade sehr beliebt. Sie helfen dabei, die komplexer werdende Parteienlandschaft (warum das gut ist) besser begreifbar zu machen. Und sie sind eine relativ einfache Herausforderung für Software Entwickler, wenn das Datenmaterial digital vorliegt. Doch als Mittler zwischen Parteien und Wähler:innen müssen wir sicher sein, dass die Transformation unparteiisch und ohne Verzerrungen funktioniert. Jeder bewußte Manipulation ist ein schwerwiegender Eingriff in die Demokratie und jede Verzerrung in der Auswertung (selbst wenn gut gemeint) verzerrt das Wahlergebnis auf unzulässige Weise. Kurz: Wir müssen die Tools kritisch prüfen.

Bei der Kommunalwahl in Hessen am 15. März biete ein Tool namens Voto seine Unterstützung an. Ich bin nun kein Politikwissenschaftler, aber schon vor Jahren habe ich aus grundsätzlichem Misstrauen heraus einen kleinen „Elchtest“ entwickelt, der auf einer einfachen Hypothese beruht:

Wenn ein:e Wähler:in in keinem der abgefragten Themen eine Präferenz hat (also immer „Neutral“ oder „Egal“ klickt) dann müssen in der Auswertung alle Parteien gleich bewertet werden. Denn wem alles egal ist, dem darf keine Partei bevorzugt empfohlen werden.

Dass sich bestimmte Parteien zu mehreren Themen gar nicht geäußert haben, darf sich nicht zu ihrem Vorteil (oder Nachteil?) auswirken. Denn die Tatasche, dass ein Thema mir egal ist, ist nicht das Gleiche, wie, dass sich eine Partei im Wahlkampf nicht dazu äußert.

Vor allem aber sollte die Auswertung in diesem Fall nicht unterbunden werden (wie das bestimmte Tools in der Vergangenheit nach meiner Kritik getan haben) , da das ein einfacher Test ist, um eine systematische politische Tendenz aufzudecken: Wenn mir alles (oder vieles) egal ist, sollte mir keine bestimmte politische Richtung bevorzugt empfohlen werden.

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Venezuela – Der 30-Minuten-Krieg

Dieser Text von Trollhunter ist ausschließlich eine (interessante) Analyse der russischen Außenpolitik und soll keine Rechtfertigung der völkerrechtswidrigen Intervention der USA in Venezuela darstellen. Er diskutiert einen Seitenaspekt, dessen Ursache ich in einem weiteren Artikel in Kürze diskutieren möchte.


Es gibt geopolitische Momente, die wirken wie ein Witz, den keiner erzählen wollte. Venezuela ist jetzt einer davon. Nicht weil die USA plötzlich besonders kreativ geworden wären. Sondern weil diese Operation zeigt, was der Kreml seit zwei Jahren verzweifelt überschminkt: Russland ist global bewegungsunfähig. Kein Einfluss, keine Reaktion, kein Spielraum. Die Ukraine hat den gesamten Apparat so fixiert, dass von „Weltmacht“ nur noch Restgeräusch bleibt. Genau das meinte US-Außenminister Rubio, als er sagte, Russland sei „zu beschäftigt“, um wegen Venezuela irgendetwas zu tun. Das war kein Seitenhieb. Das war ein Totenschein.

Während amerikanische Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten aus dem Bett holen, steht Moskau daneben und fuchtelt mit Pressemitteilungen. „Internationales Piratentum“, „Verletzung der Souveränität“. Russland redet über Souveränität – das ist wie ein Brandstifter, der sich über Funkenflug beschwert. Die Welt lacht nicht. Sie zuckt mit den Schultern.

Interessant wird es, wenn man die letzten Jahre zusammenzählt. Russland wurde nicht überall militärisch vertrieben. Das wäre fast ehrenvoll. Russland wurde ignoriert. Armenien dreht sich weg. Aserbaidschan macht, was es will. Syrien ist ein Museum, die russischen Soldaten darin Dekoration. Und Venezuela, der angebliche Kronjuwel-Außenposten, fällt in dreißig Minuten auseinander. Zwanzig Jahre Kredite, Waffen, Berater, Wagner-Truppen – verdampft, bevor jemand das Licht ausschaltet. Russland hat jahrzehntelang Einfluss gekauft und nennt das bis heute „Partnerschaft“. Die Realität nennt es ein Mietverhältnis ohne Vertragsverlängerung.

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