Erst räumen, roden und Millionen ausgeben – dann nachdenken
Dass die Mathildenhöhe zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde, war ein großer Erfolg für Darmstadt. Weltweite Aufmerksamkeit für die kulturelle Geschichte der Stadt – maßgeblich vorangetrieben unter dem grünen Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Doch dieser Erfolg trug einen giftigen Stachel in sich: das geplante Informationszentrum am Osthang.
Der Auftrag, Besucher über die Bedeutung des Jugendstils und des Welterbes zu informieren, ist verständlich und sinnvoll. Zweifelhaft war dagegen immer, ob dafür tatsächlich ein Neubau auf einem grünen Gelände mitten im Wohnviertel notwendig ist.
Die Darmstädter Grünen haben diesen Neubau lange vehement vertreten. Die CDU stellte sich dahinter. Auch Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) verteidigte das Projekt. Noch am 13. Februar 2026 erklärten Benz, Stadtplanungsdezernent Michael Kolmer (Grüne) und Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey (CDU) gemeinsam, das Informationszentrum sei ein zentraler Baustein des Welterbes.
Erst einmal räumen und roden
Dabei gab es in Darmstadt (aus verschiedenster Motivation) lautstarken Protest: Bis zuletzt versuchten Umweltaktivisten und Vertreter einer Kulturinitiative die Rodung der Bäume auf dem Gelände am Osthang in Darmstadt zu verhindern. Doch am im Februar schickte die Stadt Darmstadt rund 200 Einsatzkräfte der Polizei um den Weg für die von der Stadt geplanten Arbeiten freizumachen.
Noch am selben Tag begann die Rodung.
13 Bäume fielen.
Der alternative Kulturort am Osthang war damit Geschichte. Das Gelände wurde zur Baustelle.
Und dann?
Dann passiert erst einmal nichts.
Sechs Monate später folgt plötzlich die halbe Kehrtwende.
Am 17. August 2026 verkündet OB Benz: Die bisherige Planung wird gestoppt.
Nicht wegen einer überraschend entdeckten Fledermaus. Nicht wegen eines Gerichtsurteils. Nicht weil die UNESCO plötzlich neue Anforderungen gestellt hätte.
Sondern unter anderem wegen Fragen, die man normalerweise vor Baubeginn klärt:
- Was wollen wir den Besuchern eigentlich vermitteln?
- Was brauchen wir dafür?
- Und welches Gebäude – wenn überhaupt – brauchen wir dazu?
Benz und Wandrey räumen nun selbst ein, dass die Reihenfolge falsch war: Erst wurde ein Gebäude geplant, obwohl noch gar kein Vermittlungskonzept vorlag.
Hä? WTF – OB Benz und die CDU brauchen dazu 6! Monate?
Hinzu kommt eine Kostenexplosion. Aus ursprünglich rund sechs Millionen Euro sind inzwischen 21 Millionen Euro geworden. Bislang sind für Planung und Bauvorbereitung bereits rund vier Millionen Euro ausgegeben worden.
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