Blick vom Fahrersitz auf einen Autobahnstau mit LKW auf der rechten Spur.

Seit Langem bin ich mal wieder eine längere Strecke Autobahn gefahren. Weil es nicht anders ging. Drei Staus später wusste ich wieder, warum ich das möglichst vermeide.

Die Fahrkünste anderer: zum Verzweifeln. Jedenfalls war das mein Eindruck hinter dem Lenkrad. Drei Staus ohne Anlass. Ob tatsächlich alle drei auf schlechtes Fahren zurückgingen, kann ich natürlich nicht sicher wissen. Vom Fahrersitz aus hat man schließlich keinen Überblick über die gesamte Verkehrslage. Dafür aber reichlich Gelegenheit, sich eine Meinung zu bilden. Aber es war bei allen dreien keine Ursache zu sehen, die sie erklärt hätte – weder eine Baustelle noch ein Unfall.

Und irgendwann war da dieser Gedanke: Hoffentlich wird das bald etwas mit den autonomen Fahrzeugen.

Verspätung mit Lenkrad

Über die Bahn zu schimpfen, gehört in Deutschland zum gesellschaftlichen Grundkonsens. Ein Zug fällt aus, ein Anschluss ist weg, die Anzeige verspricht etwas anderes als die Durchsage. Das nervt. Mich auch.

Trotzdem wird beim Vergleich mit dem Auto gern so getan, als wäre die Alternative zur verspäteten Bahn eine freie Autobahn mit reserviertem Parkplatz am Ziel.

Meine jüngste Fahrt bot ein anderes Vergleichsmodell: verspätete Ankunft, aber die ganze Zeit selbst verantwortlich fürs Weiterkommen. Aufmerksamkeit bitte auch dann, wenn seit Minuten kaum etwas weitergeht. Man könnte ja die entscheidenden fünf Meter verpassen.

Im Zug kann ich mich über eine Verzögerung kurz ärgern und anschließend wieder lesen. Auf der Autobahn muss ich mich weiter mit der Verzögerung beschäftigen. Sie steht direkt vor mir und hat Bremslichter.

Was mache ich eigentlich mit meiner Zeit?

Für mich ist das der entscheidende Unterschied. Die reine Reisezeit sagt wenig darüber aus, wie ich eine Fahrt erlebe.

Zugfahrt: Reisender schaut mit offenem Notizbuch auf dem Tisch aus dem Zugfenster in eine grüne Landschaft.

Eine Stunde im Zug kann eine Stunde Lesen sein. Schreiben. Musik hören. Aus dem Fenster schauen und die Gedanken laufen lassen. Wenn Sitzplatz, Ruhe und Verbindung mitspielen, lässt sich sogar etwas erledigen.

Eine Stunde am Steuer ist erst einmal eine Stunde am Steuer.

Natürlich kann auch Autofahren angenehm sein. Eine schöne Strecke, wenig Verkehr, gute Musik. Aber eine volle Autobahn ist für mich kein besonders überzeugendes Freizeitangebot. Ich muss ständig aufpassen und komme doch nur so schnell voran, wie es die Verkehrslage erlaubt.

Dabei könnte selbst eine volle Autobahn deutlich angenehmer sein, wenn alle einigermaßen gleichmäßig und vorausschauend fahren würden: Abstand halten, andere einfädeln lassen, rechts fahren, wenn Platz ist. Stattdessen kommen von hinten Raser angeschossen, als hätten sie die linke Spur persönlich gebucht. Andere richten sich dort (oder auf der Mittelspur) dauerhaft ein, obwohl rechts alles frei ist. Und dazwischen wird knapp eingeschert, spät gebremst und offenbar immer nur bis zur nächsten Stoßstange gedacht. So wird aus einem gleichmäßigen Verkehrsfluss ein ständiger Wechsel aus Beschleunigen und Bremsen. Was mich daran besonders nervt: Ich möchte einfach entspannt ankommen und bin ständig damit beschäftigt, die Hektik oder Gedankenlosigkeit anderer auszugleichen.

Deshalb kann eine längere Bahnfahrt für mich die angenehmere Reise sein. Entscheidend ist auch, was von dieser Zeit noch mir gehört.

Die Freiheit, selbst im Stau zu stehen

Unfall auf der Autobahn: Auffahrunfall mit Polizei, Rettungswagen und einem Stau im Hintergrund.

Das Auto hat unbestreitbare Vorteile. Ich kann losfahren, wann ich will, Gepäck einladen und Ziele erreichen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln umständlich oder gar nicht sinnvoll erreichbar sind. Genau deshalb saß ich diesmal ja selbst darin.

Aber die Freiheit wird unterwegs schnell relativ. Über den Abfahrtszeitpunkt entscheide ich. Über das Ankommen entscheiden noch ziemlich viele andere mit.

Bei der Bahn sehe ich sofort, wenn ein Fahrplan nicht eingehalten wird. Beim Auto fehlt dieser sichtbare Maßstab. Der Stau wird dann eben Teil der Fahrt. Dabei komme ich in beiden Fällen später und gestresster an, als gewünscht.

Ich finde, wir sollten an beide Verkehrsmittel einen ähnlich ehrlichen Maßstab anlegen. Zur Autofahrt gehören auch Stau, Baustellen und Parkplatzsuche. Zur Bahnfahrt gehören auch der Weg zum Bahnhof, Umstiege und das Risiko, irgendwo festzusitzen.

Meine Hoffnung auf autonome Fahrzeuge

Nach dieser Autobahnfahrt war meine Sehnsucht nach autonomen Fahrzeugen jedenfalls ziemlich groß. Die Vorstellung, auch im Auto die Verantwortung fürs Fahren abgeben zu können, hat etwas ausgesprochen Verlockendes.

Ich möchte meine Aufmerksamkeit nicht über Stunden dafür aufbringen müssen, das Verhalten der Menschen vor, hinter und neben mir auszugleichen.

Zukunftsillustration: Cockpit ohne Lenkrad mit Tempoanzeige 250 km/h und Sensoranzeigen auf einer befahrenen Autobahn.

Genau deshalb hoffe ich auf autonomes Fahren. Ein gut funktionierendes System wird weder ungeduldig noch müde und muss niemandem beweisen, dass es das schnellere Auto hat. Besonders interessant wird es, wenn die Fahrzeuge auch miteinander kommunizieren – und alle mitmachen: Dann könnte mein Auto von einer Bremsung weiter vorne erfahren, bevor unmittelbar vor ihm die Bremslichter aufleuchten. Geschwindigkeit, Abstand und Einfädeln ließen sich gemeinsam optimieren. Statt einer Kette verspäteter Reaktionen, bei der jeder etwas heftiger bremst als sein Vordermann, könnte der Verkehr frühzeitig und gleichmäßig langsamer werden. Das verspricht weniger abrupte Manöver, weniger vermeidbare Staus und viel mehr Sicherheit. Voraussetzung sind natürlich zuverlässige Systeme und eine sichere Vernetzung. Aber die Aussicht gefällt mir: Fahrzeuge, die ihr Verhalten aufeinander abstimmen, statt Menschen, die um jede Wagenlänge kämpfen.

Und auch wenn IT Systeme Fehler machen können, ich halte sie – gerade im Verkehr – für weniger Fehler-anfällig und mehr geeignet, auch ihre eigenen Fehler schneller zu erkennen und dann zu mitigieren, als Menschen.

Auch IT-Systeme machen Fehler. Trotzdem halte ich gut entwickelte autonome Fahrsysteme für geeignet, im Verkehr viele Fehler zuverlässiger zu vermeiden und ihre Folgen besser abzufangen als Menschen. Ein Rechner wird nicht müde, schaut nicht kurz aufs Handy und fühlt sich durch ein überholendes Kleinwagenmodell nicht persönlich beleidigt. Menschliche Schwächen, die am Steuer gefährlich werden, spielen für ihn schlicht keine Rolle.

Dass Technik menschliche Fehler auffangen kann, ist längst messbar. Das US-Verkehrssicherheitsinstitut IIHS ermittelte für automatische Notbremssysteme rund 50 Prozent weniger Auffahrunfälle und 56 Prozent weniger Auffahrunfälle mit Verletzten. Das ist noch kein autonomes Fahren. Aber es zeigt, dass ein System eingreifen kann, wenn ein Mensch zu spät reagiert – und dadurch Unfälle verhindert oder ihre Folgen abmildert 1.

Auch für vollständig fahrerlose Fahrzeuge gibt es ermutigende Ergebnisse. Eine gemeinsame Untersuchung von Swiss Re und Waymo wertete 25,3 Millionen autonom gefahrene Meilen aus. Gegenüber einer anhand von Versicherungsdaten gebildeten menschlichen Vergleichsgruppe lag die Häufigkeit von Haftpflichtansprüchen wegen Sachschäden um 88 Prozent niedriger, wegen Personenschäden um 92 Prozent 2.

Ein weiterer Vorteil liegt für mich in der Möglichkeit, aus Fehlern systematisch zu lernen. Wird eine gefährliche Situation erkannt und eine Verbesserung gründlich getestet, lässt sie sich auf eine ganze Fahrzeugflotte übertragen. Menschen müssen viele Lektionen einzeln lernen – sofern sie ihren Fehler überhaupt einsehen.

Meine Erwartung ist keine unfehlbare Maschine. Ich möchte ein System, das nachweislich weniger gefährliche Fehler macht als wir und verbleibende Fehler möglichst früh abfängt.

Zumindest bis dahin – wenn nicht sogar immer – nehme ich für längere Strecken lieber den Zug, wenn die Verbindung habwegs brauchbar ist. Sogar, wenn es dann länger dauert. Und inzwischen gibt es mit Scootern, Uber und CarSharing auch gute und flexible Lösungen für die letzte Meile, wenn der ÖPNV dort schwächelt.

Nach drei Staus und 4,5h anstrengender Autofahrt erscheint mir der Zug als eine ziemlich konkrete Vorstellung von Freiheit. Selbst wenn ich mal eine Verbindng verpasse (was ich inzwischen von vorneherein einplane).

Panorama mit drei Szenen: Autobahnstau aus Fahrersicht, entspannter Reisender im Zug und eine Zukunftsvision vernetzter autonomer Fahrzeuge auf der Autobahn.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung generativer KI recherchiert, Fakten-gecheckt und optmiert. Auswahl, Argumentation und Schlussfolgerungen verantwortet der Autor. Auch die Illustrationen am Anfang wurden mit KI erzeugt.

  1. iihs.org[↩zurück ↩]
  2. Allerdings war der Hersteller selbst an der Untersuchung beteiligt, und die Ergebnisse gelten für den untersuchten Betrieb in bestimmten US-Städten. Sie beweisen keine Überlegenheit jedes autonomen Autos auf jeder Straße – schon gar nicht automatisch auf einer deutschen Autobahn. Sie zeigen aber, dass der Sicherheitsvorteil mehr sein kann als ein Zukunftsversprechen. (waymo.com) [↩zurück ↩]