Ich habe in den vergangenen Monaten viel mit KI gearbeitet – um Texte zu schreiben, Bilder zu erstellen oder Informationen zusammenzufassen. Ich habe auch ein wenig Vibe Coding ausprobiert – mit überraschend positiven Ergebnissen.
Natürlich macht mich das nicht zum Softwareentwickler. Aber es verändert die Grenze zwischen denen, die programmieren können, und denen, die lediglich eine Idee für ein digitales Werkzeug haben. Wenn KI einen wachsenden Teil der eigentlichen Codeerzeugung übernimmt, werden Problemverständnis, klare Anforderungen und kritisches Urteilsvermögen wichtiger. Fähigkeiten also, die nicht ausschließlich bei Programmierern liegen.
Doch welchen Einfluss hat das auf die Tätigkeit von Softwareentwicklern? Ein Artikel des Softwareentwicklers Devrim Ozcay auf Medium fragt: Was geschieht mit Menschen, deren Beruf bisher wesentlich darin bestand, selbst Code zu schreiben? Seine zugespitzte These lautet, dass Programmierer nicht einfach verschwinden – dass sich ihre Aufgabe und damit auch ihr beruflicher Wert aber deutlich verschieben.
Der Artikel geht von einer realen persönlichen Begebenheit aus, die für die grundsätzliche Frage jedoch nicht entscheidend ist, und erstreckt sich über mehrere längere Teile. Deshalb habe ich versucht, sein zentrales Argument hier auf Deutsch zusammenzufassen:
Der Autor geht davon aus, dass sich Softwareentwicklung durch KI grundlegend vom Schreiben von Code zum Steuern, Prüfen und Verantworten von Softwareentwicklung verschiebt. Die eigentliche Implementierung wird schneller und billiger, weil KI große Teile des Codes erzeugen kann. Dadurch verliert das manuelle Programmieren als zentrale Tätigkeit an Bedeutung.
Wertvoller werden stattdessen Fähigkeiten wie:
- das richtige Problem erkennen und präzise beschreiben,
- Anforderungen und technische Grenzen verstehen,
- Architekturentscheidungen treffen,
- KI-Ergebnisse kritisch prüfen,
- Fehler, Risiken und Folgewirkungen einschätzen,
- verschiedene Komponenten zu einem zuverlässigen System verbinden,
- Verantwortung für das Ergebnis übernehmen.
Programmieren verschwindet nach dieser Sichtweise nicht. Aber Code wird zunehmend zu einem von KI erzeugten Ausgangsmaterial, das Entwickler beurteilen und weiterverarbeiten. Technisches Grundlagenwissen bleibt deshalb wichtig – weniger, um jede Zeile selbst zu schreiben, sondern um erkennen zu können, ob die erzeugte Lösung korrekt, sicher, wartbar und für den konkreten Zweck geeignet ist.
Der Autor erwartet außerdem, dass einzelne Entwickler mit KI erheblich produktiver werden. Dadurch können kleinere Teams mehr umsetzen, während Tätigkeiten, die hauptsächlich aus routinemäßiger Implementierung bestehen, an Wert verlieren. Gefragt sind Entwickler, die größere Verantwortungsbereiche übernehmen und Ergebnisse statt lediglich selbst geschriebenen Codes liefern.
Seine zugespitzte Schlussfolgerung lautet: Wer Programmieren vor allem als handwerkliches Erzeugen von Code versteht und an dieser Rolle festhält, riskiert den Anschluss. Wer KI früh als Werkzeug akzeptiert und seine Rolle in Richtung Urteilsvermögen, Architektur und Verantwortung erweitert, gewinnt dagegen an Bedeutung. Der Autor bewertet diese Veränderung nicht primär danach, ob sie Entwicklern gefällt, sondern als bereits stattfindende Verschiebung, an die sie sich anpassen müssen.
Sein Fazit:
The typing is being automated. The judgment is not.
Das kann ich aktuell so unterschreiben. Das ist die mittelfristige Perspektive. Bis es KIs gibt, die diese Verantwortung ebenfalls übernehmen.
